Artillerieortungsradar COBRA

Das Artillerieortungsradar COBRA (COunter Battery RAdar) ist ein Artillerieaufklärungssystem, entwickelt von Euro-Art – einem Konsortium aus den Unternehmen Thales, Airbus Defence and Space und Lockheed Martin – basierend auf einem Radargerät mit aktiver Phased-Array-Antenne und integrierter Einbindung in die nationalen Artillerieführungs- und Waffeneinsatzsysteme. Das COBRA-Programm wurde trilateral in Zusammenarbeit mit Frankreich und Großbritannien durchgeführt; die Abwicklung des Programms oblag der OCCAR als Kern einer europäischen Rüstungsagentur.

Überblick und Einordnung

Das Artillerieortungsradar COBRA ist durch das Erkennen und Verfolgen der ballistischen Flugbahnen von Granaten und Raketen in der Lage, Stellungen der feindlichen Artillerie in kürzester Zeit zu orten sowie die Einschlagsorte des feindlichen Feuers zu ermitteln. Es ergänzt innerhalb der deutschen Artillerietruppe weitere Radarsysteme wie das Artilleriebeobachtungsradar (ABRA) sowie Drohnen zur unbemannten Luftaufklärung.

COBRA soll folgende taktische Aufgaben auf dem Gefechtsfeld erfüllen: Feststellen, Orten und Klassifizieren gegnerischer Geschosswerfer, Raketenstellungen und Artillerieeinheiten – in bis zu 100 Kilometer Entfernung. Nicht nur die Aufklärung der gegnerischen Artilleriestellungen gehört zum Aufgabenspektrum des Radars, sondern das System berechnet auch die Flugbahn der abgefeuerten Geschosse. Zudem kann COBRA dazu genutzt werden, um das eigene Steilfeuer zu überwachen und zu leiten.

Entwicklung und Geschichte

Die Entwicklung des Artillerieortungsradars COBRA reicht bis in die 1980er Jahre zurück. Das Projekt wurde von den Nationen Frankreich, Deutschland und Großbritannien ins Leben gerufen. Zur Entwicklung und Produktion wurde das Konsortium EURO-ART GmbH gebildet, das sich aus den Firmen Lockheed Martin (USA), Thomson-CSF (F), Racal (UK) und Siemens (D) zusammenstellte.

Die Entwicklung und Produktion von modernen und mobilen Steilfeuerwaffen mit hoher Reichweite forderten eine Gegenmaßnahme. Es musste ein System entwickelt werden, mit dem Artilleriestellungen frühzeitig erkannt und bekämpft werden konnten. Die Lösung stellte die Indienststellung eines Artillerieortungssystems mit einer präzisen Radaranlage dar. Im Jahre 2004 wurden die ersten Systeme an Frankreich, Großbritannien und Deutschland geliefert.

Trilateral wurden in den Jahren 2001 bis 2005 insgesamt 29 Geräte ausgeliefert: Frankreich erhielt 10, Deutschland 12 und Großbritannien 7 Systeme. Die Auslieferung aller 29 COBRA-Systeme wurde im August 2007 abgeschlossen; zwei der deutschen Systeme wurden an die Türkei weiterverkauft. Drei weitere Systeme bestellten die Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate im Februar 2009.

Von 2024 bis 2025 will die Bundeswehr im deutschen System nicht mehr versorgbare Baugruppen austauschen. Für das COBRA-Mid-Life-Upgrade ab 2024 wird ein Trägheitsnavigationssystem des Herstellers iMAR Navigation verwendet.

Technik

Das System basiert auf modernster Radartechnologie und ist modular aufgebaut. Die folgenden Abschnitte beschreiben die wesentlichen technischen Komponenten sowie die erfassten Leistungsdaten.

Radarsystem und Sensorik

COBRA basiert auf einem Radargerät mit aktiver Phased-Array-Antenne und ist in die nationalen Artillerieführungs- und Waffeneinsatzsysteme eingebunden – im Fall der deutschen Version in den Artillerie-, Daten-, Lage- und Einsatz-Rechnerverbund (ADLER). In einem maximal 90 Grad breiten Winkel können Geschosse ab einem Kaliber von 80 Millimetern erfasst werden. Innerhalb von 15 Sekunden ab Erfassung wird die Einschlagstelle des Geschosses mit einer Genauigkeit von 50 Metern errechnet.

Befindet sich ein Störsender innerhalb des Abtastbereichs, wird dieser von der Software automatisch herausgefiltert und angezeigt; das betreffende Gebiet wird für folgende Radarabtastungen gesperrt. Um eine dauerhafte Störung zu vermeiden, besteht zudem die Möglichkeit, Frequenzsprünge durchzuführen. Die wichtigsten Systeme im Radar wurden redundant ausgelegt, sodass eine ständige Funktionstüchtigkeit auch bei Ausfall einer einzelnen Komponente gewährleistet ist; Defekte werden frühzeitig durch automatisierte Kalibrierungs- und Diagnoseprozesse festgestellt.

Trägerfahrzeug und Stromversorgung

Als Trägerfahrzeug fungiert ein modifizierter, geländegängiger, allradgetriebener Lkw 15t mil gl BR A1 von MAN; die beiden Vorderachsen des Fahrzeugs sind gelenkt. Das Fahrerhaus bietet Platz für den Fahrer und zwei weitere Personen; im Fahrerhaus befindet sich auch ein Stromversorgungsbedienfeld für die PPU.

Die PPU-Stromversorgungseinheit versorgt das Radarsystem mit Wechsel- und Gleichstrom. Ihr Dieselmotor treibt zwei elektrisch voneinander getrennte Generatoren an: Einer versorgt das Radarsystem mit 400 V/50 Hz, der andere die Systembatterie. Das System besteht insgesamt aus dem Trägerfahrzeug, dem Radar-Modul-Set und der Stromversorgungseinheit Prime Power Unit (PPU).

Technische Daten

MerkmalAngabe
Vollständige BezeichnungArtillerieortungsradar COBRA (COunter Battery RAdar)
RadartypAktive Phased-Array-Antenne (AESA), 3D-Radar
EntwicklerEuro-Art GmbH (Thales, Airbus Defence and Space, Lockheed Martin)
TrägerfahrzeugMAN Lkw 15t mil gl BR A1 (ungeschützt) / MAN 15t gl SX 45 (geschützt)
Erfassbares Mindestkaliber80 mm
Erfassbare WaffensystemeHaubitzen, Mörser, Raketenartillerie
Maximale Ortungsreichweitebis zu 100 km
Abtastwinkelmaximal 90 Grad
Aufklärungsleistungbis zu 40 Feuerstellungen in 2 Minuten
Einschlagsortberechnunginnerhalb von 15 Sekunden nach Erfassung, Genauigkeit ca. 50 m
Besatzung7 Soldaten (durch Automatisierung auf 3 reduzierbar)
Stromversorgung (Radar)400 V / 50 Hz (Dieselgenerator)
Systemanbindung (Deutschland)ADLER (Artillerie-, Daten-, Lage- und Einsatz-Rechnerverbund)

Quellen: Wikipedia – Artillerieortungsradar COBRA; bundeswehr.de – Artillerieortungsradar COBRA; Wikipedia – Artillerieortungsradar COBRA (Technikdetails).

Varianten und Fahrzeugversionen

Für die Bundeswehr wurden im Laufe der Zeit verschiedene Fahrzeugkonfigurationen beschafft und geplante Modernisierungen eingeleitet.

Ungeschützte Variante

Die Bundeswehr besitzt 7 COBRA (vor Abgabe an die Ukraine 8) auf ungeschützten Transportfahrzeugen MAN 15t mil gl BR A1. Ab 2024 sollen die ungeschützten Fahrzeuge durch sieben ebenfalls ungeschützte UTF mil ZLK 15t ersetzt werden.

Geschützte Variante

Zusätzlich verfügt die Bundeswehr über zwei COBRA-Systeme auf geschützten Transportfahrzeugen MAN 15t gl SX 45. Die Navigationsanlagen für diese Fahrzeuge werden von iMAR Navigation gefertigt.

Nutzung bei der Bundeswehr und Einsatz

COBRA ist das zentrale Artillerieaufklärungsmittel der deutschen Artillerietruppe und wird im Verbund mit weiteren Aufklärungssystemen eingesetzt.

Einbindung in die Artillerietruppe

Zur Artillerieaufklärung und Zielortung nutzt die Artillerietruppe das Artillerieortungsradar COBRA, das Kleinfluggerät Zielortung (KZO), das M113 ABRA und das Schallmesssystem 064 PC. Das Counter Battery Radar COBRA gilt als Herzstück der Radaraufklärung und kann 40 feindliche Feuerstellungen der Artillerie in zwei Minuten aufklären. Da es dabei jedoch leicht selbst aufgeklärt werden kann, muss es nach drei Minuten die Stellung wechseln.

Zur optimalen Zielbekämpfung und Führung aller Kräfte werden unter Nutzung des funkgestützten Netzwerkes ADLER Zieldaten und andere Informationen übermittelt und digital an die Waffensysteme übergeben. Durch den hohen Grad an Automatisierung ist es möglich, die Bedienmannschaft des Systems COBRA von sieben auf drei Soldaten zu reduzieren.

Zugehörige Truppenteile

Das Artillerielehrbataillon 345 verfügt über die Aufklärungssysteme Kleinfluggerät Zielortung (KZO), Artillerieortungsradar COBRA und das Schallmesssystem sowie die Wirkmittel Panzerhaubitze 2000 und Raketenwerfer MARS II. Innerhalb des Bataillons ist die 2./ArtLehrBtl 345 als bodengebundene und luftgestützte Aufklärungsbatterie mit dem Artillerieortungsradar COBRA, dem KZO und dem Schallmesssystem ausgestattet.

Abgabe an die Ukraine

Im Mai 2022 hatte die Ukraine 40 COBRA-Systeme von Deutschland angefordert; ein COBRA-System wurde im September 2022 geliefert. Die Bundeswehr verfügt seitdem über 7 COBRA-Systeme (vor der Abgabe an die Ukraine waren es 8).

Quellen (8)
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