Handwaffen und persönliche Ausrüstung sind die unmittelbarsten Werkzeuge des Infanteristen – das, was jede Soldatin und jeder Soldat im Gefecht am eigenen Körper trägt. Ihre Entwicklung erzählt die Geschichte der Bundeswehr aus sehr naher Perspektive: vom schweren Schlachtgewehr der Aufbaujahre bis zum modularen, vernetzten Soldatensystem von heute.
Diese Übersicht ordnet Bewaffnung und Ausrüstung der Infanterie nach Klassen – vom Sturmgewehr über Pistolen, Maschinengewehre und Präzisionswaffen bis zur Panzerabwehr-Handwaffe und der persönlichen Schutzausstattung. Die einzelnen Unterseiten vertiefen anschließend die konkreten Modelle.
Auf einen Blick
- Sturmgewehr: G1 → G3 → G36 → G95 (seit Ende 2025)
- Standard-Pistole: P1 (Walther P38) → P8 (H&K USP)
- Maschinengewehr: MG3 → MG4 und MG5
- Ausrüstung: vom Stahlhelm zum vernetzten „Infanterist der Zukunft“
Inhalt
- Die Bewaffnung im Überblick
- Sturmgewehre – das Rückgrat der Infanterie
- Pistolen und Maschinenpistolen
- Maschinengewehre
- Scharfschützen- und Präzisionswaffen
- Panzerabwehr-Handwaffen
- Persönliche Ausrüstung und Schutz
- Von damals bis heute – im Vergleich
Die Bewaffnung im Überblick
Die Handwaffen und Ausrüstung der Infanterie lassen sich in einige Grundklassen gliedern. Jede hat ihre eigene Rolle im Gefecht:
- Sturmgewehre – die persönliche Hauptwaffe jedes Infanteristen.
- Pistolen und Maschinenpistolen – kompakte Waffen für den Nahbereich und die Selbstverteidigung.
- Maschinengewehre – die anhaltende Feuerkraft der Gruppe.
- Scharfschützen- und Präzisionswaffen – präzise Wirkung auf große Entfernung.
- Panzerabwehr-Handwaffen – tragbare Wirkmittel gegen gepanzerte Ziele.
- Persönliche Ausrüstung und Schutz – Helm, Schutzweste, Tarnung, Optik und Funk.
Sturmgewehre – das Rückgrat der Infanterie
Das Sturmgewehr ist die persönliche Hauptwaffe. Die Bundeswehr startete 1956 mit dem G1, einer Version des belgischen FN FAL im Kaliber 7,62 mm. Weil Belgien keine Lizenzfertigung erlaubte, folgte schon 1959 das G3 von Heckler & Koch – ein robustes 7,62-mm-Gewehr, das über Jahrzehnte zum Sinnbild der Bundeswehr wurde und weltweit Verbreitung fand.
1997 löste das leichtere G36 im NATO-Kaliber 5,56 mm das G3 ab. Sein hoher Kunststoffanteil machte es handlich; ab 2012 geriet es jedoch wegen Präzisionsproblemen bei heißem Lauf in die Kritik.

Als Nachfolger wird seit Ende 2025 das G95 eingeführt – eine an die Bundeswehr angepasste Variante des HK416 A8 von Heckler & Koch, weiterhin im Kaliber 5,56 mm. Es kommt in einer langen (G95A1) und einer kurzen Ausführung (G95KA1), ist grünbraun statt schwarz lackiert (geringere Infrarot-Signatur) und wird als komplettes „System Sturmgewehr“ mit ELCAN-Specter-Optik und Laser-Licht-Modul geliefert. Spezialkräfte nutzen die HK416-Familie als G95K bereits seit 2021.
Pistolen und Maschinenpistolen
Als Zweitwaffe diente lange die Pistole P1, die Nachkriegsversion der Walther P38. Seit 1994 ist die P8 von Heckler & Koch (auf Basis der USP) die Standard-Pistole im Kaliber 9 mm.
Bei den Maschinenpistolen reichte die Entwicklung von der lizenzierten MP2 (Uzi) über die weltbekannte MP5 bis zur MP7 – einer besonders kompakten Waffe im Kaliber 4,6 mm, die panzerbrechende Munition verschießt und heute vor allem als Selbstverteidigungswaffe dient.
Maschinengewehre
Die Maschinengewehre liefern die anhaltende Feuerkraft der Gruppe. Aus der Linie des legendären MG42 stammt das MG3 im Kaliber 7,62 mm, das die Truppe jahrzehntelang prägte. Ergänzt und abgelöst wird es heute durch das leichte MG4 (5,56 mm) und das MG5 (7,62 mm), beide von Heckler & Koch.

Scharfschützen- und Präzisionswaffen
Für Wirkung auf große Distanz nutzt die Bundeswehr mehrere Präzisionswaffen: das Scharfschützengewehr G22, das halbautomatische G28 als Zielfernrohrgewehr für den Gruppenscharfschützen sowie – gegen Material und auf größte Entfernungen – das schwere G82 im Kaliber .50.

Panzerabwehr-Handwaffen
Gegen gepanzerte Ziele trägt die Infanterie tragbare Wirkmittel: die rückstoßfreie Panzerfaust 3 sowie die Schulterwaffe RGW 90 gegen Fahrzeuge und Stellungen. Für Ziele auf mittlere Entfernung dienten lenkbare Systeme wie die MILAN, die zunehmend durch modernere Lenkflugkörper ersetzt werden. Ergänzend erweitern 40-mm-Granatwaffen – als Anbau-Granatwerfer oder als Granatmaschinenwaffe – die Wirkung gegen Flächenziele.
Persönliche Ausrüstung und Schutz
Ebenso stark wandelte sich die persönliche Ausrüstung. Aus dem Stahlhelm der Anfangsjahre wurde ein aramidverstärkter Gefechtshelm und schließlich ein modernes, modulares Helmsystem mit Halterungen für Nachtsicht und Kommunikation. Splitterschutzwesten wichen modularen Schutzwesten mit einsetzbaren Schutzplatten.
Auch die Tarnung entwickelte sich weiter: vom flächendeckend eingeführten Flecktarn über den Wüstentarndruck der Auslandseinsätze bis zum Multitarn (Mehrbereichstarndruck). Den vorläufigen Höhepunkt bildet das Soldatensystem „Infanterist der Zukunft“ – ein vernetztes Paket aus Bekleidung, Schutz, Optik, Nachtsicht, Funk und Zieltechnik, das den einzelnen Soldaten digital in den Gefechtsverbund einbindet.
Von damals bis heute – im Vergleich
| Klasse | Frühe Zeit | Heute |
|---|---|---|
| Sturmgewehr | G1 (FN FAL), G3 | G36, G95 (seit 2025) |
| Pistole | P1 (Walther P38) | P8 (H&K USP) |
| Maschinenpistole / PDW | MP2 (Uzi), MP5 | MP7 |
| Maschinengewehr | MG1 / MG3 | MG4, MG5 |
| Scharfschützengewehr | G3 mit Zielfernrohr | G22, G28, G82 |
| Panzerabwehr-Handwaffe | Panzerfaust, MILAN | Panzerfaust 3, RGW 90 |
| Ausrüstung | Stahlhelm, Flecktarn | Multitarn, Infanterist der Zukunft |
Die Beispiele sind bewusst knapp gehalten – ausführliche Beschreibungen mit technischen Daten und Nachfolgemustern finden sich auf den jeweiligen Unterseiten zu den einzelnen Waffen und Ausrüstungsstücken.