Nach einem 22-tägigen Einsatz hat die Bundeswehr am 17. Juli 2026 ihre Unterstützungsflüge für das von schweren Erdbeben getroffene Venezuela eingestellt. Die Naturkatastrophe, die das Land am 24. Juni 2026 erschütterte, hatte weite Teile des Nordwestens und des Zentrums – insbesondere die Küstenregion La Guaira und die Hauptstadt Caracas – verwüstet sowie Tausende Todesopfer und Verletzte gefordert. Auf das internationale Hilfeersuchen der venezolanischen Regierung reagierte die Bundeswehr umgehend und leistete logistische Starthilfe.
Logistische Meisterleistung über den Atlantik
Der humanitäre Einsatz begann in der Nacht auf den 27. Juni, als die ersten vier Militärtransporter des Typs A400M nach einer dreizehnstündigen Flugzeit in Caracas landeten. Zuvor hatten die Einsatzkräfte die Flüge in weniger als 24 Stunden vorbereitet. Insgesamt absolvierte die Luftwaffe im Laufe des Einsatzes 63 Flüge über die rund 8.200 Kilometer lange Strecke.
Dabei transportierten bis zu sechs Maschinen insgesamt 131 Tonnen an Hilfsgütern und Material, 300 Rettungskräfte sowie 19 Such- und Rettungshunde in das Katastrophengebiet. Durch den raschen Lufttransport konnten zivile Organisationen wie das Technische Hilfswerk, die Johanniter-Unfall-Hilfe und das Deutsche Rote Kreuz ihre Arbeit vor Ort unverzüglich aufnehmen. Auch der NATO-Partner Litauen nutzte die deutschen Transportkapazitäten. Ein zusätzlicher A400M, der vorsorglich für medizinische Evakuierungen bereitgehalten wurde, konnte bereits am 4. Juli aus der Bereitschaft genommen werden.

Wunstorf als Drehscheibe der Katastrophenhilfe
Die logistische Abwicklung erfolgte über das niedersächsische Wunstorf, dem Heimatstützpunkt des Lufttransportgeschwaders 62. Dort wurde ein zentraler Logistikhub eingerichtet, von dem aus die Maschinen nach ihrer Rückkehr über den Atlantik immer wieder mit neuen Hilfsgütern beladen wurden. In der Spitze waren bis zu 120 Soldatinnen und Soldaten an der Operation beteiligt.
Der letzte aktive Transportflug fand am 13. Juli statt, um Rettungskräfte und deren Ausrüstung zurück nach Deutschland und Litauen zu bringen. Obwohl die Luftwaffe ihre Transportbereitschaft noch bis zum 17. Juli aufrechterhielt, wurden danach keine weiteren Kapazitäten mehr angefordert.
Erfahrung in der Krisenbewältigung
Das Lufttransportgeschwader 62 konnte bei diesem Auftrag auf umfangreiche Vorerfahrungen zurückgreifen. Der Verband war bereits 2023 nach dem Erdbeben in der Türkei sowie bei Hilfsgüterabwürfen über dem Gazastreifen in den Jahren 2024 und 2025 im Einsatz. Diese Routine ermöglichte den schnellen Aufbau des Logistikhubs.
Der Einsatz verdeutlicht die Fähigkeit der Streitkräfte, in der kritischen Anfangsphase einer internationalen Katastrophe schnell und effektiv zu unterstützen. Mit dem Anlaufen der zivilen Folgemaßnahmen konzentriert sich die Bundeswehr nun wieder auf ihren regulären militärischen Auftrag.

