Das deutsche Heer macht einen großen Schritt bei der Ausstattung seiner Mittleren Kräfte. Insgesamt 150 Radschützenpanzer vom Typ Schakal (vormals bekannt als RCT30 oder „PuBo“) sollen beschafft werden. Nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestages gestern den Weg für den Vertrag mit der Rüstungsorganisation OCCAR freigemacht hat, steht der Kauf inklusive Logistikpaketen fest. Obwohl die Wahl bereits im Sommer 2024 auf dieses Modell fiel, sorgten politische Umbrüche und technische Umplanungen – wie die zwischenzeitliche Erwägung eines britischen Moduls – für Verzögerungen.
Bewaffnung und Technik: Präzision auf Rädern
Das Herzstück des „Schakal“ ist der vom Ketten-Schützenpanzer Puma bekannte Turm. Dieses ferngesteuerte und voll stabilisierte System ermöglicht es der Besatzung, Ziele sowohl im Stand als auch während der Fahrt punktgenau zu bekämpfen.
- Optik: Modernste Sensoren erlauben eine 360-Grad-Überwachung sowie das Identifizieren von Zielen auf große Distanzen.
- Feuerkraft: Die 30mm-Maschinenkanone ist für Airburst-Munition ausgelegt. Dank eines Doppelgurtzuführers kann die Besatzung per Knopfdruck zwischen zwei Munitionssorten wählen, wobei 200 Schuss direkt im Turm gelagert werden.
- Panzerabwehr: Zur Bekämpfung schwerer Ziele ist das Lenkflugkörpersystem Spike LR bereits integriert.
- Besatzung: Da der Turm unbemannt ist, sitzen Kommandant und Richtschütze geschützt im Fahrgestell. Der Panzer bietet zudem Platz für bis zu sieben Infanteristen.

Strategischer Hintergrund: Die Mittleren Kräfte
Die Einführung der Mittleren Kräfte ist eine direkte Konsequenz aus den militärischen Erkenntnissen des Ukraine-Krieges. Unter der Führung des ehemaligen Inspekteurs des Heeres, Alfons Mais, wurde dieser neue Kräftetyp innerhalb der Jägertruppe etabliert. Hierbei wird Mobilität als entscheidender Schutzfaktor gegenüber schwerer Panzerung priorisiert. Die Basis dieser Einheiten bildet der bewährte Radpanzer Boxer.
Massive Aufstockung: 150 zusätzliche Einheiten
Die Mittleren Kräfte erhalten eine massive Verstärkung ihres Rückgrats. Während bereits 123 Einheiten des Schweren Waffenträgers Infanterie (basierend auf dem australischen CRV mit Lance-Turm) unter Vertrag stehen und sich im Zulauf befinden, wurde nun die Beschaffung von weiteren 150 Fahrzeugen bewilligt.
Diese neue Tranche wird unter dem Namen Schakal geführt und nutzt das RCT30-Modul (Puma-Turm). Zusammen bilden diese beiden Bestellungen eine Flotte von insgesamt 273 Radschützenpanzern, die den veralteten Wiesel 1 ersetzen. Der Schakal übernimmt dabei die zentrale Rolle für die taktische Feuerunterstützung und Panzerabwehr und vereint die Fähigkeiten der bisherigen Wiesel-Varianten auf einer einzigen, hochmobilen Plattform.
Mit diesem deutlichen Zuwachs gewinnen die Mittleren Kräfte des deutschen Heeres nun endgültig an Schlagkraft und operativer Masse.
Titelbild: KNDS Deutschland