Bild: Bundeswehr/Mario Bähr
Bei der Übung Reliable Lion in Grafenwöhr schießen die Soldatinnen und Soldaten wie hier mit ihren Handwaffen, im Bild das neue Sturmgewehr G95.

Nachdem die Bundeswehr erst vor gut vier Wochen den Waffenhersteller Heckler & Koch aus Oberndorf offiziell mit der Produktion von 250.000 Sturmgewehren der Typen G95A1 und G95KA1 beauftragt hat, deutet sich bereits der nächste Großauftrag an. In Branchen- und Verteidigungskreisen zeichnet sich ab, dass das Beschaffungsamt der Streitkräfte derzeit die Nachbestellung von bis zu 250.000 weiteren Einheiten vorbereitet. Offizielle Stellungnahmen der Beteiligten – weder vonseiten der Bundeswehr noch von Heckler & Koch – liegen zu diesem Vorhaben bislang nicht vor.

Dass die bisher vereinbarte Rahmenvereinbarung den tatsächlichen Bedarf der Streitkräfte nicht decken würde, zeichnete sich bereits im vergangenen Jahr ab. Militärische Insider und Analysten bezifferten den Gesamtbedarf der Bundeswehr schon damals auf rund eine halbe Million Handwaffen. Dieser prognostizierte Materialbedarf scheint sich nun vollumfänglich zu bestätigen. Dem Vernehmen nach könnte die finale Freigabe für Tranche zwei bereits in einem halben Jahr erfolgen.

Das neue Sturmgewehr der Bundeswehr, das G95. Bild: Bundeswehr

Der deutliche Mehrbedarf steht in direktem Zusammenhang mit den ambitionierten Aufwuchsplanungen der Streitkräfte. Um den veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen gerecht zu werden, soll die Bundeswehr künftig eine Truppenstärke von mindestens 260.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten erreichen. Hinzu kommt eine geplante Reserve von mindestens 200.000 Reservistinnen und Reservisten. Die zusätzlich georderten Sturmgewehre sind deshalb maßgeblich für die vollumfängliche Ausstattung der Reserveverbände sowie der Einheiten des Heimatschutzes vorgesehen.

Der Zeitplan für die mögliche Nachbestellung sieht eine lückenlose Verknüpfung mit dem bereits laufenden Auftrag vor. Die im Erstabruf georderten 250.000 Sturmgewehre – ein Beschaffungsvolumen von rund 800 Millionen Euro – sollen nach aktuellem Vertragstand schrittweise bis zum Jahr 2032 an die Truppe ausgeliefert werden. Eine Erweiterung der Bestellung würde sich direkt an diese Auslieferungen anschließen.

Mit der Einführung des G95 leitet die Bundeswehr den Generationswechsel beim Standardsturmgewehr ein und löst das bisherige G36 schrittweise ab. Die Neuentwicklung baut technisch auf dem bewährten HK416 A8 von Heckler & Koch auf. Es handelt sich um einen indirekten Gasdrucklader im Standardkaliber 5,56 x 45 mm, der mit einem Kurzhub-Gaskolbensystem sowie einem Drehkopfverschluss arbeitet. Um den Einsatz in unterschiedlichsten Szenarien zu ermöglichen, verfügt die Waffe über eine manuell verstellbare Gasabnahme, die einen problemlosen Wechsel zwischen Normalbetrieb und der Nutzung mit Schalldämpfer erlaubt. Die Bundeswehr führt die Handwaffe in zwei Ausführungen ein: Als Langrohrvariante G95A1 mit einer Rohrlänge von 16,5 Zoll sowie als kompakte Kurzrohrversion G95KA1 mit einem 14-Zoll-Rohr.

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