Drohne Heron TP

Die German Heron TP (GHTP) ist eine Weiterentwicklung der Heron 1, einer Aufklärungsdrohne des israelischen Herstellers Israel Aerospace Industries (IAI). Sie gehört zur MALE-Klasse unbemannter Luftfahrzeuge: Medium Altitude Long Endurance – mittlere Höhen, lange Ausdauer. Als größtes unbemanntes Luftfahrzeug der Bundeswehr-Luftwaffe vereint sie abbildende Aufklärung mit der Fähigkeit zur Bewaffnung.

Entwicklung und Geschichte

Die Heron TP wurde aus der Aufklärungsdrohne Heron 1 entwickelt, ist aufgrund der größeren Abmessungen aber ein komplett eigenständiges Drohnenmodell. Im Juni 2007 gelangten erste Videos der weiterentwickelten Version an die Öffentlichkeit; der Erstflug soll am 15. Juli 2006 in Israel erfolgt sein. Am 21. Februar 2010 wurde die erste Maschine von den Israelischen Luftstreitkräften in Dienst gestellt.

2016 wurde bekannt, dass die Bundeswehr bis zur Bereitstellung einer eigenen europäischen Drohne zur Überbrückung Heron-TP-Drohnen beschaffen will. Zu dem Zeitpunkt war bereits das Vorgängermodell Heron 1 bei der deutschen Luftwaffe im Einsatz. Der amerikanische Konkurrent General Atomics legte gegen die Entscheidung Beschwerde ein, deren aufschiebende Wirkung das Oberlandesgericht Düsseldorf im September 2016 zunächst bestätigte; im Mai 2017 wies das Gericht die Beschwerde jedoch ab und erlaubte die Anschaffung. Verteidigungs- und Haushaltsausschuss des Bundestages billigten das Vorhaben am 13. Juni 2018 abschließend.

Der Haushaltsausschuss beschloss die Anmietung von fünf IAI Heron TP, die von Airbus gewartet werden; die Anmietung läuft bis 2027 und wird mindestens 900 Millionen Euro kosten. Die Bundeswehrversion basiert auf dem marktverfügbaren System Heron TP der Firma IAI und ist mit speziellen Modifikationen für die Einsatzbelange der Bundeswehr versehen – daher der Name German Heron TP. Die deutsche Musterzulassung wurde am 8. Dezember 2022 in Israel erteilt; der Amtschef des Luftfahrtamts der Bundeswehr, Generalmajor Jan Kuebart, überreichte die Papiere an den Vertreter von IAI. Den offiziellen Erstflug im deutschen Luftraum absolvierte die German Heron TP am 15. Mai 2024. Am 15. Mai 2024 wurde das Waffensystem offiziell bei der Luftwaffe in Dienst gestellt.

Technik

Der Namenszusatz „TP“ steht für den Turboprop-Antrieb, bei dem ein Turbojettriebwerk einen Propeller antreibt; gegenüber dem Kolbenmotor des Vorgängermodells arbeitet er leiser und sparsamer. Wie die Heron 1 ist die Heron TP ein Schulterdecker mit langer Streckung und fehlender Pfeilung, mit Doppelleitwerksträger und Schubpropeller in Pusher-Konfiguration. Neben regulären Kamerasystemen verfügt die Drohne über eine Wärmebildkamera und Radar für die Aufklärung bei Nacht und durch Wolkendecken; zudem kann sie – anders als die Heron 1 – bei Eis, Regen und Schnee fliegen.

MerkmalWert
HerstellerIsrael Aerospace Industries (IAI)
AntriebTurboprop (Pusher-Konfiguration)
Spannweite26 m
Abfluggewichtca. 5 t
Gipfelhöhe12.500 m
Flugdauerbis zu 27 Stunden
Geschwindigkeitbis 400 km/h
Reichweiteüber 1.000 km
Antriebsleistung1.200 PS
KlasseMALE (Medium Altitude Long Endurance)
Bewaffnungsfähigkeitja (Luft-Boden-Raketen)

Nutzung bei der Bundeswehr

Die German Heron TP ist das größte unbemannte Luftfahrzeug der Deutschen Luftwaffe und wird beim Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ auf dem Fliegerhorst Jagel in Schleswig-Holstein betrieben.

Die Bundeswehr betreibt fünf Systeme, gesteuert aus einer Container-Bodenstation mit Bildschirmen, Tastaturen, Maus und Joystick. Eine Crew besteht aus drei Personen: Pilot, Sensor-Operator und einem Analysten, der die Aufklärungsdaten auswertet. Anfang 2019 begann die Ausbildung deutscher Luftwaffenpiloten an der Heron TP; dazu wurde eine gemeinsame Ausbildungsmission mit den israelischen Luftstreitkräften auf der Luftwaffenbasis Tel Nof gegründet.

Die Hauptaufgabe ist die Unterstützung von Soldatinnen und Soldaten eigener und befreundeter Kräfte am Boden; das ferngeführte Luftfahrzeug kann beispielsweise Konvois begleiten, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und Bodentruppen in Echtzeit zu warnen. Im Dezember 2024 übermittelte das Bundesverteidigungsministerium dem Bundestag erstmals die Einsatzgrundsätze für bewaffnete Drohnen der Bundeswehr, was eine Voraussetzung für einen bewaffneten Einsatz war. Anfang April 2025 teilte die Bundeswehr mit, die Heron TP im Rahmen der NATO-Operation Baltic Sentry für Überwachungsaufgaben über der Ostsee einzusetzen, um die unter Wasser befindliche kritische Infrastruktur vor Sabotage zu schützen. Bis zur Einführung der Eurodrohne ab 2030 wird die GHTP die Fähigkeit zur Aufklärung, Überwachung und Unterstützung der Kräfte am Boden und zur See übernehmen.

Quellen
  • https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/german-heron-tp
  • https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/neue-drohne-heron-tp-detailgetreue-aufklaerung-5500814
  • https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe/aktuelles/die-drohne-german-heron-tp-erhaelt-die-deutsche-musterzulassung-5538042
  • https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe/aktuelles/faq-neue-drohne-german-heron-tp-5782432
  • https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe/organisation-/das-luftfahrtamt-der-bundeswehr/aktuelle-meldungen/musterzulassung-fuer-german-heron-tp-drohne-5538636
  • https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe/aktuelles/drohnen-ueberwachung-ostsee-5921548
  • https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/entscheidung-deutscher-bundestag-beschaffung-heron-tp-drohne-42342
  • https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/nachgefragt-bewaffnung-drohnen-5884668
  • https://de.wikipedia.org/wiki/IAI_Heron_TP
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