Die Dornier-Faltfestbrücke (DoFB) ist eine Behelfsbrücke, die von vielen Armeen bei ihren Pionieren eingesetzt wird; bei der Bundeswehr trägt sie die Kurzbezeichnung Faltfestbrücke (FFB). Wo feste Querungen fehlen, ermöglicht die Faltfestbrücke die Beweglichkeit militärischer Kräfte und insbesondere die Nachschubversorgung im rückwärtigen Raum einer Division.
Entwicklung und Geschichte
Die DoFB war eine Entwicklung und Diversifikation des Dornier-Luftfahrtbereiches ab 1975. Die Strukturabteilung (Tragflächenbau) beschäftigte sich mit modernen, auch nichtmetallischen Bauweisen und Festigkeitsberechnungen (Finite Elemente) und entwickelte die innovative Idee einer leichten und schnell mechanisiert verlegbaren Pionierbrücke.
Es wurde ein Prototyp gebaut, der 1979 seine Belastungsfähigkeit durch Überquerungen mit Panzern und sonstigen Fahrzeugkombinationen nachwies. 1984 bestellte das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung ein System mit 40 Metern Spannweite zur Truppenerprobung, das bis 1987 in 15.000 Überquerungen von Leopard-2-Panzern seine Dauerfestigkeit und Truppenverwendbarkeit nachwies.
Die Faltfestbrücke löste das bis dato mit viel Personal-, Zeit- und Transportaufwand behaftete übliche System der Schwimmbrücken der Pioniere ab. Nach umfangreicher Serienreifmachung wurde 1998 das erste von zehn bei der Bundeswehr eingeführten Systemen FFB (40 m), jeweils bestehend aus zwei Verlegefahrzeugen und zwei Einzelbrücken von je 27 m Länge auf 6 Transportfahrzeugen, in einer feierlichen Zeremonie bei Arnsberg (Altmühltal) in Dienst gestellt.
Dornier machte daraus ein Produkt und einen eigenen Fertigungsbereich. Als Daimler-Benz 1985 die Dornier-Werke übernahm, wurde daraus eine eigene Firma – die Eurobridge Mobile Brücken GmbH – als Tochterfirma der Dornier GmbH gebildet. 2006, nach der Integration der Dornier-Werke in die EADS, wurde die Firma wieder aufgelöst und als Produktbereich in der EADS weitergeführt. Die Brücken werden am früheren Dornier-Standort in Friedrichshafen gebaut und vertrieben.
Technik und Aufbau
Die Faltfestbrücke ist ein modular aufgebautes System aus Aluminium-Leichtbaukonstruktionen, das von geländegängigen Lastkraftfahrzeugen transportiert und mittels bordeigenem Kran verlegt wird. Der folgende Abschnitt beschreibt Konstruktion, Materialien und das Verlegeverfahren.
Konstruktion und Werkstoffe
Der Vorbauträger wie auch die Brückenelemente bilden eine tragende Einheit und sind in der tragenden Struktur aus einer hochfesten und elastischen Aluminiumlegierung in Leichtbauausführung gefertigt. Durch die Berechnungsmethode der Finiten Elemente und durch Belastungssimulationen sind die einzelnen Wanddicken genau dem Belastungsfall angepasst. Die Dornier-Leichtbrücke besteht aus Aluminium und kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff.
Verlegeverfahren
Auf einem Verlegefahrzeug befindet sich der kastenförmige Vorbauträger, der mit Hilfe eines angebauten Kranes im sogenannten Verlegebalken zusammengesetzt und dann über das zu überbrückende Hindernis geschoben wird. Auf diesen Vorbauträger werden dann mit dem Kran die einzelnen entfalteten Brückenelemente gelegt, zusammengekoppelt und vorgeschoben. Nach Anbau der zum Set gehörenden Auffahrrampen ist die Brücke einsatzfähig.
Der Aufbau der Faltfestbrücke erfolgt unter feldmäßigen Bedingungen nach eingespielten Abläufen. Die Segmente werden nacheinander angesetzt, ausgerichtet und zu einer durchgehenden Fahrbahn verbunden. Der Uferbalken ist das erste Element, das montiert wird; auf ihm baut die gesamte Konstruktion auf. Mithilfe der hydraulisch betätigten Stützen steht das Verlegefahrzeug auch auf unebenem Untergrund nivelliert und stabil.
Technische Daten
Die nachfolgende Tabelle fasst die wesentlichen technischen Kenndaten der Faltfestbrücke (FFB) zusammen, soweit sie aus den offiziellen Quellen belegt sind.
| Kenngröße | Wert |
| Maximale Spannweite (Serienmodell) | bis zu 46 m |
| Maximale Spannweite (Bundeswehr-Konfiguration) | bis zu 40 m |
| Mindestspannweite | ab 14 m |
| Fahrbahnbreite | ca. 4,40 m |
| Tragfähigkeit (regulär) | MLC 70 (bis zu 110–120 t) |
| Aufbauzeit (40 m, eingespielte Mannschaft) | ca. 90 Minuten |
| Aufbauzeit (neuere Modelle, 6 Soldaten) | ca. 1 Stunde |
| Fahrzeuge je Brückensatz | 3 Verlege- und 6 Transportfahrzeuge |
| Gleichzeitig bedienbare Brückenbaustellen je Satz | bis zu 2 |
| Trägermaterial | hochfeste Aluminiumlegierung (Leichtbau) |
Quellen: bundeswehr.de; Wikipedia (Dornier Faltfestbrücke)
Varianten
Neben der Standardausführung existieren weitere Varianten des Dornier-Brückensystems, die unterschiedliche taktische Anforderungen erfüllen.
Faltfestbrücke FFB (40 m / 46 m)
Das erste bei der Bundeswehr eingeführte System FFB (40 m) bestand aus zwei Verlegefahrzeugen und zwei Einzelbrücken von je 27 m Länge auf 6 Transportfahrzeugen. Die heutigen Modelle erreichen bis zu 46 Meter Spannweite und lassen sich von sechs Soldaten in einer Stunde betriebsbereit aufbauen. Die Bundeswehr hat insgesamt 10 Systeme eingeführt.
Dornier-Leichtbrücke (DoLB)
Seit 2005 wird als Ergänzung die Dornier-Leichtbrücke (DoLB) als luftverlastbares System (zwei CH-53 G Hubschrauber) angeboten. Diese Brücke hat 20 Meter Spannweite, 2,5 Meter Fahrbahnbreite und kann von vier Mann in 90 Minuten aufgebaut werden. Die militärische Lastenklasse beträgt MLC 12/14.
Nutzung bei der Bundeswehr und Einsatz
Die Faltfestbrücke ist ein Kernelement der deutschen Pioniertruppe und wird sowohl im militärischen als auch im zivilen Katastrophenschutz eingesetzt. Sie ergänzt die weiteren Brückenmittel des Heeres und schließt die Lücke zwischen Panzerschnellbrücken und schwimmenden Übersetzmitteln.
Militärische Einordnung
Mittlere Gewässer mit einer Breite von bis zu 40 Metern überwinden die Pioniere mit der Faltfestbrücke. Als Unterstützungsbrückensystem ergänzt die Faltfestbrücke die weiteren Brückenmittel der Bundeswehr, beispielsweise die Gefechtsfeldbrücke Leguan. Bei Gewässern und Hindernissen, die nicht mit der Panzerschnellbrücke überwunden werden können, kommt die Faltfestbrücke zum Einsatz. Eine Aufbauzeit von rund einer Stunde verhindert jedoch den Einsatz unmittelbar an der vordersten Linie kämpfender Truppen.
Die Pioniere der Bundeswehr bringen die Brückenelemente auf geländegängigen LKW zur Einsatzstelle und bauen sie vor Ort zusammen. Ein Brückensatz umfasst drei Verlege- und sechs Transportfahrzeuge, auf denen die Arbeitsgeräte und die Brückenmodule transportiert werden. So können zeitgleich bis zu zwei Brückenbaustellen durch einen Brückensatz bedient werden. Die Fahrzeuge der 15-t-Klasse (MAN gl) werden als Verleger und Transporter der Faltfestbrücke eingesetzt.
Internationale Nutzer
Die Armeen von Spanien, Österreich, Singapur und Slowenien haben das System beschafft, während andere Länder wie die USA, Frankreich und die Niederlande teilweise eigene Systeme nach dem Dornier-Muster geschaffen haben.
Katastrophenhilfe: Ahrtal 2021
Die Faltfestbrücke eignet sich zudem für den Einsatz in der Not- und Katastrophenhilfe, wie beispielsweise 2021 nach der Flutkatastrophe im Ahrtal, wo sie sowohl Einwohnern als auch Rettungskräften wertvolle Dienste bei der Wiederherstellung der zerstörten Infrastruktur leistete. Diese Fähigkeit der Bundeswehr zum Bau derartiger Brücken spielte bei der Katastrophenhilfe im Rahmen der Ahrtalkatastrophe 2021 eine große Rolle, wo mehrere zerstörte Übergänge über die Ahr im Hochwassergebiet durch solche Konstruktionen zeitweise ersetzt werden konnten.
Quellen (6)
- Bundeswehr: Ausrüstung und Technik: Die Faltfestbrücke (bundeswehr.de, Stand: März 2026)
- Wikipedia: Dornier Faltfestbrücke (de.wikipedia.org)
- Wikipedia: Pioniertruppe (Bundeswehr) (de.wikipedia.org)
- Wikipedia: Behelfsbrücke (de.wikipedia.org)
- Bundeswehr: Panzerpionierbataillon 4 (bundeswehr.de)
- Wikipedia: MAN gl (de.wikipedia.org)