Bild: Bundeswehr/Mario Bähr
Bei der Übung Reliable Lion in Grafenwöhr schießen die Soldatinnen und Soldaten wie hier mit ihren Handwaffen, im Bild das neue Sturmgewehr G95.

Seit Dezember 2025 wird das G95 als zukünftiges Standardsturmgewehr an die Truppe ausgegeben – mittlerweile sind gut 12.000 Stück in den Waffenkammern angekommen. Das Sturmgewehr ist die erste Waffe, an der jeder Soldat und jede Soldatin ausgebildet wird und mit der alle kämpfen können müssen. Deshalb ist die Einführung eines neuen Standardsturmgewehrs ein besonderer Vorgang: Quer durch die Republik müssen alle Uniformträgerinnen und -träger am neuen Gewehr ausgebildet werden.

Den Anfang machte das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach, das das neue Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr als erstes erhielt. Bei einer Übung in Grafenwöhr wurden die ersten Soldatinnen und Soldaten des Verbands mit dem G95 ausgerüstet. Mit einer feierlichen Übergabe auf dem Trainingsgelände in Grafenwöhr händigten der stellvertretende Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Heico Hübner, und der Abteilungsleiter Rüstung im Verteidigungsministerium, Vizeadmiral Carsten Stawitzki, dem Panzergrenadierbataillon 122 die ersten Waffen aus.

Das neue Sturmgewehr der Bundeswehr, das G95. Bild: Bundeswehr

Seit 1997 gehörte das G36 für alle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr zur Grundausstattung. Das technisch ausgereifte und bewährte Nachfolgemodell G95 wird nun zum neuen Standard in der Bundeswehr. Das G95 wird von Heckler und Koch hergestellt und ist eine für die Bundeswehr angepasste Variante des Gewehrs HK416.

Erste Erfahrungen auf der Schießbahn

Für die Umschulung vom G36 auf das neue G95 sind vor allem die Schießausbilderinnen und Schießausbilder verantwortlich. Feldwebel Gregor S. ist einer dieser Schießausbilder und dient im Panzerpionierbataillon 701. Sein Verband wird voraussichtlich Ende 2026 mit dem G95 ausgestattet. Damit der Umstieg reibungslos funktioniert, haben sich die Panzerpioniere die neuen Sturmgewehre im August von einem bereits ausgerüsteten Verband für ein erstes Kennenlernen geliehen.

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Die gute Kontrollierbarkeit des Rückstoßes der Waffe im Kaliber 5,56 mal 45 Millimeter ergebe sich aus verschiedenen Faktoren, erläutert der Ausbilder. Zum einen ermögliche der standardmäßige Handstopp an der Unterseite des Handschutzes, dass man das Gewehr gut in die Schulter ziehen könne. Darüber hinaus sitze die Schließfeder des G95 in der Schulterstütze und nicht wie beim G36 davor, was dafür sorge, dass die Kraft des Rückstoßes näher am Körper wirke und damit besser zu kompensieren sei. „Nach ein paar Tagen auf dem Schießplatz erreichen die Soldatinnen und Soldaten schnell das Handhabungsniveau, das sie beim G36 hatten“, berichtet der Schießausbilder.

Auch erfahrene Panzergrenadiere nehmen Unterschiede wahr: „Mir ist direkt aufgefallen, dass das G95 eine bessere Gewichtsverteilung hat. Im Vergleich zum G36 ist es nicht mehr so frontlastig. Dadurch kann man länger im Anschlag bleiben und man wandert beim Zielen nicht so nach unten“, erklärte ein erfahrener Soldat des Panzergrenadierbataillons 122. Bei der Handhabung liegen die größten Unterschiede zum G36 darin, dass der Durchladehebel sich nun am oberen Ende des Gehäuses der Waffe befinde und nicht mehr mittig.

Technik, Varianten und Beschaffungsplanung

Die Bundeswehr erhält das G95 in zwei Versionen: als G95A1 mit einem 16,5-Zoll-Rohr (419 Millimeter) sowie als G95KA1 mit einem 14-Zoll-Rohr (355 Millimeter). Während der längere Lauf dem Geschoss mehr Zeit bietet, Geschwindigkeit aufzunehmen, macht das verkürzte Rohr die Waffe kompakter. Letzteres ist insbesondere innerhalb von Gebäuden oder bei der Unterbringung in Fahrzeugen praktischer, weshalb die meisten Soldatinnen und Soldaten mit dem G95KA1 ausgestattet werden. Im Gegensatz zum G36 wird das G95 in allen Varianten nicht mehr schwarz eingefärbt, sondern grünbraun.

Um die Handhabbarkeit für den Schützen zu verbessern, ist die Schulterstütze in der Länge verstellbar, sodass diese auf die Körpergröße der Soldatin oder des Soldaten angepasst werden kann. Darüber hinaus bietet das G95 eine beidseitige Bedienbarkeit für Rechts- und Linksschützen. Im Gegensatz zum G36 ist die Visiereinrichtung beim G95 nicht fest verbaut. Die Individualisierung beginnt bei der verstellbaren Schulterstütze; der Handstopp kann zudem frei auf dem STANAG-4694-Schienensystem befestigt werden.

Bis zum Jahresende sollen voraussichtlich 20.000 G95 in der Version KA1 an die Bundeswehr ausgeliefert werden. Bis 2032 sollen weitere 230.000 Sturmgewehre in den Waffenkammern der Bundeswehr landen, sodass die Truppe dann insgesamt über 250.000 G95 in den Varianten A1 und KA1 verfügt. Bis 2031 soll der Zulauf abgeschlossen sein.

Der frei platzierbare Handstopp am Handschutz des G95 ermöglicht es den Schützen, die Waffe fest in die Schulter zu ziehen und damit gut zu kontrollieren. Bild: Bundeswehr/Christoph Kassette

Beim Kommando Spezialkräfte ist das G95 bereits seit einigen Jahren im Einsatz. Mittlerweile erhält nun auch die reguläre Truppe nach und nach das neue Sturmgewehr. „Wir wollten ein Sturmgewehr, das sehr zuverlässig ist und mit dem wir bei Zubehör, Magazinen und Munition kompatibel zu unseren Partnerländern sind“, hatte Hauptfeldwebel Marc Zettner vom KSK das Anforderungsprofil beschrieben.

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