Das Heckler & Koch G95 (Gewehr 95) ist ein Sturmgewehr im Kaliber 5,56 × 45 mm NATO, gefertigt vom deutschen Waffenhersteller Heckler & Koch, und stellt eine Variante des unternehmenseigenen HK416-Sturmgewehrs dar. Die Varianten G95A1 und G95KA1 wurden 2025 als Nachfolger des G36 in der Bundeswehr eingeführt; die G95KA1-Version ist dabei die standardmäßig ausgegebene Ordonnanzwaffe des Heeres.
Entwicklung und Geschichte
Im Jahr 2017 startete die Bundeswehr das Programm „System Sturmgewehr Bundeswehr“, um einen Nachfolger für das G36 zu beschaffen – ausgelöst unter anderem durch Präzisionsprobleme des G36 infolge thermischer Ausdehnung des Laufs bei hoher Schusszahl oder hohen Temperaturen. Die Entscheidung für ein neues Standardgewehr war das Ergebnis eines jahrelangen Beschaffungs- und Erprobungsprozesses, der mehrere Konkurrenzmuster umfasste.

Vorgeschichte und Ausgangslage
Im April 2015 hatte die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erklärt, das G36 habe keine Zukunft mehr in der Bundeswehr; das Standardgewehr stand wegen mutmaßlicher Präzisions- und Sicherheitsmängel in der Kritik, und eine technische Weiterentwicklung wurde nicht weiterverfolgt. Die Soldatinnen und Soldaten sollten eine neue Waffe erhalten, die für alle Einsatzszenarien geeignet ist; ausgeschrieben wurde dabei nicht nur ein Gewehr, sondern das gesamte „System Sturmgewehr“ einschließlich neuer Visiere und eines Laser-Licht-Moduls.
Ausschreibung und Vergabe
Im Wettbewerb um das neue Sturmgewehr wurden die Muster HK416, HK433 und Haenel MK 556 eingereicht; C.G. Haenel gewann die Ausschreibung zunächst im September 2020 mit ihrem MK 556. Die deutschen Behörden annullierten den Vertrag jedoch bereits im darauffolgenden Monat wegen des Vorwurfs, die MK 556 verletze Heckler-&-Koch-Patente; das daraufhin angestrebte gerichtliche Vorgehen von Haenel wurde im Juni 2022 durch ein deutsches Gericht abgewiesen. Im März 2021 gab das Bundesministerium der Verteidigung die Entscheidung für das HK416 A8 bekannt; im Dezember 2022 bewilligte der Bundestag die erste Finanzierungsvorlage für die Beschaffung.
Erprobung und Zulauf
Vom Truppenübungsplatz in Deutschland über eine Heiß-Feucht-Erprobung in Panama bis zu einer Gebirgsjägerübung in Alaska wurde das Gesamtsystem bei rund 20 Gelegenheiten getestet. Nach letzten technischen Anpassungen – beispielsweise bei der Positionierung der Trageriemen-Halterung – konnten die ersten Seriengewehre im Dezember 2025 an die Truppe übergeben werden. Der vollständige Zulauf an die Bundeswehr soll bis 2031 abgeschlossen sein.
Bezeichnung und Namensgebung
Der Nachfolger des G36 sollte nach der Logik der Bundeswehr-Nomenklatur eigentlich G37, G38 oder G39 heißen, doch waren auch diese Bezeichnungen bereits vergeben; da auch die dreistellige Bezeichnung G310 ausschied, erhält die Bundeswehr nun in einem Systembruch das G95. Die Zusatzbezeichnung „A1″ steht für den ersten Entwicklungsstand in der Bundeswehr – das G36 hatte in seiner letzten Version den Entwicklungsstand A4.
Technik
Das G95 ist ein Sturmgewehr im Kaliber 5,56 × 45 mm NATO und stellt eine Variante des HK416 dar, das auf dem selektivfeuer-fähigen AR-15/M16-Waffensystem basiert und einen proprietären Kurzhub-Gaskolben aus der G36-Baureihe verwendet. Die technische Konstruktion unterscheidet sich dabei in mehreren wesentlichen Punkten von seinem Vorgänger G36.
Funktionsprinzip und Mechanik
Das G95 verwendet ein proprietäres Kurzhub-Gaskolbensystem, das aus der G36-Familie abgeleitet ist; ein Kurzhubbkolben treibt dabei eine Schubstange an, die den Verschlussträger nach hinten bewegt, und verhindert damit den Eintritt von Verbrennungsgasen in das Waffeninnere – ein Nachteil von Direktgaszuführungssystemen. Um das Risiko von Vorzündungen zu reduzieren, besitzt das G95 eine Schlagbolzensicherung im Verschluss; außerdem weicht der ambidextre Sicherungshebel vom AR-15-Standard ab und rastet in 45-Grad-Schritten statt in 90-Grad-Schritten.
Konstruktionsmerkmale
Das G95 hat einen zentralen Ladehebel, und die Schließfeder ist in der Schulterstütze untergebracht; die Stütze kann daher nicht weggeklappt werden wie beim G36, sondern wird vor- und zurückgeschoben. Außerdem besteht das G95 überwiegend aus Metallteilen statt aus Kunststoff, was die Waffe auch unter extremer Belastung sehr stabil und präzise macht. Das G95 verfügt über einen nutzereinstellbaren Gasregler sowie eine freischwebende Handschutzschiene (MIL-STD-1913-Schienen oben und unten, M-LOK-Schnittstelle seitlich bei G95A1/G95KA1), die keinen Kontakt mit dem Lauf hat und so die Präzision verbessert. Der Lauf ist kaltgehämmert, mit einer Dienstlebensdauer von 20.000 Schuss, und weist eine Drallsteigung von 1 in 178 mm (rechts, 6 Züge) auf; das Kalthämmern verleiht dem Lauf höhere Festigkeit.
Optik und Zubehör
Optik und Laser-Licht-Modul werden flexibel auf einer NATO-Schiene angebracht, wie bei der neuesten G36-Version. Das Gewehr wird als G95A1 mit dem Hauptkampfvisier ELCAN Specter DR 1-4x mit Rotpunkt und umschaltbarer einfacher bzw. vierfacher Vergrößerung eingeführt; die G95KA1 ist die kürzere Variante für Spezialeinheiten. Die Farbe des G95 ist grünbraun; dies ermöglicht gegenüber einer in Schwarz gehaltenen Optik eine bessere Tarnung in verschiedenen Geländearten und weniger Reflexion im Infrarotbereich.
Technische Daten
Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen technischen Kennwerte des G95-Systems zusammen, soweit sie aus den Quellen belegt sind.
| Merkmal | G95 / G95K | G95A1 | G95KA1 |
| Hersteller | Heckler & Koch | ||
| Basismodell | HK416 A7 | HK416 A8 | HK416 A8 |
| Kaliber | 5,56 × 45 mm NATO | ||
| Rohrlänge | 368 mm (14,5 Zoll) | 419 mm (16,5 Zoll) | 355 mm (14 Zoll) |
| Feuerrate | bis zu 850 Schuss/min | ||
| Gewicht (voll ausgerüstet, munitioniert) | ca. 6 kg | ||
| Magazin | STANAG 5,56 mm NATO | ||
| Abzugskraft | 34 N (7,6 lbf) | ||
| Laufdrall | 1 in 178 mm, rechts, 6 Züge | ||
| Lauf-Dienstlebensdauer | 20.000 Schuss | ||
| Farbe (Bundeswehr-Ausführung) | – | Grünbraun (RAL 8000) | |
| Schulterstütze | Teleskopierend, 6 Positionen | ||
| Sicherungshebel | Ambidexter, 45°-Rastung | ||
| Schienensystem | HKey | M-LOK | |
Quellen: bundeswehr.de, en.wikipedia.org (Heckler & Koch G95), de.wikipedia.org (HK416)
Varianten und Versionen
Das G95-System umfasst mehrere Varianten, die sich in Lauflänge, Einsatzprofil und technischen Merkmalen unterscheiden. Offiziell eingeführt werden die Sturmgewehre als G95A1 in der Langversion mit 16,5 Zoll Rohrlänge (41,91 cm) und als G95KA1 in der Kurzversion mit 14 Zoll Rohrlänge (35,56 cm).
G95 / G95K
Das initiale G95 – später als G95K bezeichnet – ist eine Variante des HK416 A7, die 2017 vom Kommando Spezialkräfte (KSK) und dem Kommando Spezialkräfte Marine (KSM) eingeführt wurde. Diese Variante wiegt 3,67 kg und hat einen 368 mm (14,5 Zoll) langen Lauf; sie ähnelt der HK416 A5-Variante, besitzt jedoch einen auf 45 Grad rastenden Sicherungshebel statt des 90-Grad-Hebels beim A5. Das KSK erhält dazu ein Eotech-Reflexvisier EXPS 3-0 NV mit Vergrößerungsnachsatz G33 Booster.
G95A1
Die G95A1-Variante mit 419 mm (16,5 Zoll) Lauflänge basiert auf dem HK416 A8 und wurde 2025 als Standardgewehr des deutschen Heeres eingeführt. Die G95A1 kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn die Vorteile des längeren Laufs – etwa eine höhere Geschossgeschwindigkeit – gefragt sind. Die Standard-Bundeswehr-Ausführung der G95A1 trägt eine grünbraune Eloxierung und Garnitur (RAL 8000) sowie das ELCAN Specter DR 1-4-Zielfernrohr mit aufgesetztem Rotpunktvisier.
G95KA1
Das Heer wird schwerpunktmäßig mit der Kurzversion G95KA1 mit einer Rohrlänge von 14 Zoll ausgestattet. Die G95KA1 ist die standardmäßig ausgegebene Version für die breite Truppe; die Gewehre wurden erstmals 2025 ausgegeben. Nach Evaluierungen und Truppenversuchen wurden beim G95A1 und G95KA1 u. a. der Griffwinkel angepasst, der Schaftquerschnitt verschlankt, die Handschutzschiene verlängert und die HKey-Schnittstelle durch M-LOK ersetzt.
Nutzung bei der Bundeswehr
Das G95 wird zum neuen Standard in der Bundeswehr; vom Kommando Spezialkräfte wurde es in einer ähnlichen Version bereits seit Jahren genutzt, bevor die ersten Exemplare der Truppe zuflossen. Die Einführung erfolgt schrittweise bei allen Truppenteilen und löst das seit 1997 genutzte G36 ab.
Spezialkräfte
Das Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw nutzt seit 2021 die Kurzversion G95K. Das G95 wird zudem bereits in Frankreich, Norwegen und Luxemburg eingesetzt, vor allem von spezialisierten Kräften der Polizei und des Militärs.
Breite Truppe
Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach erhielt das neue Standardgewehr als erste Einheit; bei einer Übung in Grafenwöhr wurden die ersten Soldatinnen und Soldaten des Verbands im Dezember 2025 damit ausgerüstet. Mit einer Haushaltsvorlage über 25 Millionen Euro soll die Truppe zunächst bis zu 250.000 neue Gewehre von der Industrie abrufen können. Bis 2031 soll der gesamte Zulauf abgeschlossen sein.
Ausbildung und Handhabung
Das neue Gewehr folgt bei der Konstruktion den AR-15-Vorgaben, wodurch es sehr intuitiv bedient werden kann; die Silhouette ist sehr schmal, der Spannhebel liegt mittig oben auf und die Schulterstütze ist teleskopartig in der Länge einstellbar. Die metallbetonte Bauweise macht das G95 etwas schwerer; voll ausgerüstet und aufmunitioniert wiegt es knapp sechs Kilogramm. Das Metall erfordert mehr Wartung und Pflege – das G95 braucht nach Expertenaussagen einen Tropfen mehr Öl als sein Vorgänger. Je nach Optik kann mit dem G95K bis zu 800 Meter weit gekämpft werden, bei Tag und Nacht.
Quellen (6)
- bundeswehr.de: Das Gewehr G95 ist das neue Standardgewehr der Bundeswehr (5. Dezember 2025)
- bundeswehr.de: G95 – Wie das neue Gewehr zur Truppe kam
- bundeswehr.de: Militärgerät der Bundeswehr: die Namensgebung
- bundeswehr.de: Panzerbrigade 12 übt für das Gefecht
- wikipedia.org (englisch): Heckler & Koch G95
- wikipedia.org (deutsch): HK416 (Artikel: M416)
