Gewehr G27

Das von Heckler & Koch hergestellte Schnellfeuergewehr HK417 ist eine Version des HK416 im Kaliber 7,62 × 51 mm NATO, das in der Bundeswehr als G27 geführt wird. Mit Zielfernrohr und höhenverstellbarem Zweibein vereint es Nah- und Fernkampf und besitzt die Vorteile von Präzisions- und Sturmgewehr, ergänzt als schweres vollautomatisches Gewehr die Bewaffnung einer Infanteriegruppe.

Überblick und Einordnung

Das Gewehr G27 ist eine Handfeuerwaffe für den Einsatz im offenen Gelände und wird von der Infanterie mit einer hohen Feuerdichte im Nahkampf oder als zielgenaue, durchschlagskräftige Einzelfeuerwaffe im Fernkampf eingesetzt. Deckungsfeuer sowie Orts- und Häuserkampf: Das G27 schließt die Lücke zwischen Sturm- und Scharfschützengewehr.

Ausgestattet mit einem Zielfernrohr mit vierfacher Vergrößerung und einem Reflexvisier, kann es aufgrund seines größeren Kalibers auch jenseits der Reichweite des Gewehrs G36 von 500 Metern noch effektiv wirken. Das Gewehr G27 ist ausgestattet mit einem Zielfernrohr mit vierfacher Vergrößerung und einem Reflexvisier; damit kann das Sturmgewehr aufgrund des größeren Kalibers in einer Entfernung von bis zu 600 Metern effektiv wirken.

Ein Kampfschwimmer übt mit Gewehr G27 aus einem Hubschrauber H145M LUH SOF vom Hubschraubergeschwader 64 im Rahmen einer Übung vom Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) auf dem Truppenübungsplatz Lehnin, am 05.03.2019. Bild: Bundeswehr/Torsten Kraatz

Entwicklung und Geschichte

Das G27 basiert auf dem kommerziellen HK417 von Heckler & Koch und geht auf den Bedarf der Bundeswehr zurück, die Lücke zwischen dem Sturmgewehr G36 und Scharfschützengewehren zu schließen. Die Bezeichnung G27 erklärt sich aus der bundeswehreigenen Nomenklatur für Handfeuerwaffen.

Die Bundeswehr nutzte bereits die Scharfschützengewehre G22 (in der Version A2) sowie bei den Spezialkräften die Modelle G23, G24 und G25. Da die Bezeichnung G26 markenrechtlich belegt war, erhielt das vollautomatische Gewehr, das im Waffenmix der Infanterie die Lücke zwischen Sturm- und Scharfschützengewehren schließen sollte, die Bezeichnung G27; es schließt sich das halbautomatische Selbstladegewehr G28 an, das ebenfalls zu den Präzisionsgewehren gehört.

Nach Auskunft der Bundesregierung wurden 157 Stück G27 bestellt, bezahlt und im Dezember 2010 an die Truppe ausgeliefert; 108 gingen an die Spezialkräfte im Heer, 49 an Spezialkräfte in der Marine. Da die Testanforderungen nicht erfüllt wurden, wurde das G27 bei der regulären Truppe jedoch nicht eingeführt. Das Kommando Spezialkräfte verwendete das G27 bis zur Einführung des G28. 2015 hat die Bundeswehr 600 G27 als Ergänzung des Waffenmixes bei Auslandseinsätzen für Mitte 2016 bestellt.

Die Bundeswehr nutzt dabei die Variante HK417 A2 mit 13-Zoll-Lauf unter der Bezeichnung G27. Die Bundeswehr hat, zunächst intern, Mängel am Haltebolzen der Abzugsgruppe und beim Hülsenauswurf festgestellt; ein Beamter des BAAINBw machte diese Mängel publik.

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Technik

Das G27 beruht konstruktiv auf dem bewährten HK417-System von Heckler & Koch und vereint Merkmale eines Sturmgewehrs mit denen einer Präzisionswaffe. Die folgenden Abschnitte beschreiben Funktion, Baugruppen und optische Ausstattung der Waffe.

Funktion und Wirkprinzip

Das HK417 ist ein Gasdrucklader mit kurzem Hub. Der Gasdruck wirkt auf einen kurzen Gaskolben, der den Impuls über ein Zwischenstück an den Verschlussträger weiterleitet. Im Verschlussträger sitzt der Drehkopfverschluss, der mit 7 Verriegelungswarzen im Patronenlager verriegelt. Das Verschlussgehäuse besteht aus Aluminium und ist wie beim AR-15 horizontal in einen unteren und oberen Teil geteilt.

Die Läufe sind kaltgehämmert und in verschiedenen Längen erhältlich; sie können – mit Spezialwerkzeug – auch im Feldlager ausgetauscht werden. Der Vorderschaft ist mit vier NATO-Schienen ausgestattet, an denen verschiedenes Zubehör montiert werden kann. Die Bedienelemente gleichen denen des AR-15.

Gehäuse und Materialien

Das Gehäuseoberteil, das Gehäuseunterteil und der Handschutz sind aus einer Aluminiumlegierung hergestellt. Die ausziehbare Schulterstütze und die Handgriffe bestehen aus Verbundwerkstoffen. Die Schulterstütze des G27P ist ausziehbar und kann in fünf Positionen über einen Verstellweg von 80 Millimetern arretiert werden; ein Staufach bietet Platz für Batterien und einen Innensechskantschlüssel für die Verstellung der Gasabnahme am Rohr.

Bedienelemente

Der Durchladehebel dient zum Öffnen des Verschlusses, um die Waffe fertig zu laden oder zu entladen; er ist beidseitig bedienbar. Über den Sicherungshebel am Griffstück wählt der Schütze die gewünschte Feuerart aus oder sichert die Waffe. Mit dem G27P kann Einzelfeuer geschossen werden oder Feuerstöße.

Visierung und Optik

Das mechanische Visier besteht aus dem klappbaren Korn auf der Gasabnahme am Rohr und einem Drehvisier auf dem Gehäuseoberteil. Das G27P kann mit dem Reflexvisier RSA-S und den Zielfernrohren 4 × 30i RD oder 1,5 – 6 × 20 versehen werden. Das Zielfernrohr 4 × 30i RD wird mit einer Klemmmontage auf der Picatinny-Schiene MIL-STD-1913 des Gehäuseoberteils des G27P fixiert; auf dem Zielfernrohr befindet sich eine weitere Picatinny-Schiene für zusätzliches optisches Gerät.

Magazin und Munition

Die aus durchsichtigem Kunststoff gefertigten Magazine des G27P fassen 20 Patronen im Kaliber 7,62 × 51 Millimeter.

Technische Daten

Die nachfolgende Tabelle fasst die wesentlichen technischen Kenndaten des G27 zusammen, soweit sie aus den offiziellen Quellen der Bundeswehr und Wikipedia vorliegen.

MerkmalAngabe
HerstellerHeckler & Koch
Militärische Bezeichnung (Bundeswehr)G27 / G27P
HerstellerbezeichnungHK417 A2 (13-Zoll-Variante)
Kaliber7,62 × 51 mm NATO
Lauflänge (Bundeswehr-Variante)330,2 mm (13 Zoll)
WaffenartVollautomatisches Sturmgewehr (Gasdrucklader, kurzer Hub)
VerschlussDrehkopfverschluss mit 7 Verriegelungswarzen
FeuerartenEinzelfeuer, Feuerstöße
Magazinkapazität20 Patronen
Effektive Reichweitebis zu 600 m
Schulterstützeausziehbar, 5 Positionen, 80 mm Verstellweg
GehäusematerialAluminiumlegierung (Ober-/Untergehäuse, Handschutz)
SchaftmaterialVerbundwerkstoffe
ZubehörschienenPicatinny MIL-STD-1913, vier NATO-Schienen am Vorderschaft

Varianten

Das HK417-Grundsystem wird in mehreren Varianten gefertigt, die sich primär in der Lauflänge unterscheiden. Für die Bundeswehr ist die 13-Zoll-Variante des verbesserten HK417 A2 maßgeblich; daneben existiert innerhalb der Bundeswehr-Nutzung die weiterentwickelte Ausführung G27P.

HK417 / G27 (Erstausführung)

Nach Auskunft der Bundesregierung wurden 157 Stück G27 bestellt und im Dezember 2010 ausgeliefert; 108 gingen an die Spezialkräfte im Heer, 49 an Spezialkräfte in der Marine. Da die Testanforderungen nicht erfüllt wurden, wurde das G27 bei der regulären Truppe nicht eingeführt.

G27P

Die Ausführung G27P stellt die bei der Bundeswehr aktuell genutzte weiterentwickelte Version dar. Das G27P kann mit dem Reflexvisier RSA-S und den Zielfernrohren 4 × 30i RD oder 1,5 – 6 × 20 versehen werden. Die Schulterstütze des G27P ist ausziehbar und kann in fünf Positionen über einen Verstellweg von 80 Millimetern arretiert werden. Mit dem G27P kann Einzelfeuer geschossen werden oder Feuerstöße.

HK417 A2 – Kommerzielle Varianten

Die HK417A2-Modelle im Kaliber 7,62 × 51 mm NATO sind verfügbar als: HK417A2 – 13 Zoll (Karabiner mit 330,2 mm Lauf), HK417A2 – 16,5 Zoll (Gewehr mit 419,1 mm Lauf) und HK417A2 – 20 Zoll (Vollgewehr mit 508,0 mm Lauf). Ein Laufwechsel ist mit einfachem Werkzeug in unter zwei Minuten möglich.

Nutzung bei der Bundeswehr und Einsatz

Das Gewehr G27 ist ein vollautomatisches Sturmgewehr und ergänzt die Bewaffnung der Infanteriegruppe. Als schweres Sturmgewehr beschafft, ist es hochmobil und durchschlagskräftig; es kombiniert die Vorteile von Sturm- und Präzisionsgewehren und kann je nach Körpergröße individuell an den Schützen angepasst werden.

Das Kommando Spezialkräfte verwendete das G27 bis zur Einführung des G28. 2015 hat die Bundeswehr 600 G27 als Ergänzung des Waffenmixes bei Auslandseinsätzen für Mitte 2016 bestellt. Mit dem Gewehr G27 bekämpft die Infanterie weit entfernte Ziele.

Ein vollautomatisches Gewehr G27 schließt im Waffenmix der Infanterie die Lücke zwischen Sturm- und Scharfschützengewehren. Das HK417 ist auf den Gebrauch als Designated Marksman Rifle (DMR) ausgelegt und wird in drei Varianten hergestellt, die sich hauptsächlich durch die Lauflänge unterscheiden. Bei der Bundeswehr wird dabei ausschließlich die kurze 13-Zoll-Variante (HK417 A2) unter der Bezeichnung G27 geführt.

Quellen (6)
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