Die Granatpistole 40 mm (AG40-1A1) ist eine Granatpistole des Herstellers Heckler & Koch zum Verschießen von Patronen 40 mm × 46. Sie ist ein Einzellader mit Kipprohrverschluss, gezogenem Rohr und ausziehbarer Schulterstütze und dient als Infanteriewaffe zur Bekämpfung von Zielen auf kurze bis mittlere Distanzen, die mit Handwaffen allein nur schwer erreichbar sind.
Entwicklung und Geschichte
Die Geschichte der Waffe reicht bis in die späten 1960er-Jahre zurück, als die Entwicklung eines Waffensystems begann, das mithilfe einer speziellen Halterung unter dem Lauf des G3A3-Gewehres angebracht werden sollte. Im Jahr 1972 wurde der Prototyp der späteren HK69 vorgestellt. Nach der Evaluierung fiel die Entscheidung, eine eigenständige Version des Granatwerfers zu entwickeln, die 1979 fertiggestellt und als HK69A1 bezeichnet wurde. In den 1980er-Jahren wurde die Waffe als Granatpistole 40 mm – auch in der Kurzform „GraPi“ bekannt – in die Bundeswehr eingeführt.
Die Entwicklung der HK69 wurde in den 1970er-Jahren abgeschlossen und mit einigen technischen Änderungen an der Sicherung als HK69A1 im Wesentlichen an die europäischen NATO-Staaten ausgeliefert. Die HK69A1 ist keine „Add-on“-Waffe, sondern ein selbstständiges Waffensystem, das unabhängig von einer Primärwaffe geführt werden kann. Bei der Entwicklung wurde insbesondere auf geringes Gewicht und Flexibilität geachtet. Die Bundeswehr nutzte die Granatpistole HK69 seit den 1970er-Jahren zusammen mit dem vollautomatischen Gewehr HK G3, um 40-mm-Granaten verschießen zu können.
Technik
Die folgenden Abschnitte beschreiben die wesentlichen technischen Merkmale der AG40-1A1, von der Konstruktion über die Visiereinrichtung bis zu den verfügbaren Munitionsarten.
Konstruktion und Handhabung
Das Rohr wird zum Laden gekippt, sodass die Granaten einzeln eingelegt werden können. Die Granaten werden mit geringer Geschwindigkeit bis zu einer Entfernung von 400 Metern aus der Schulter verschossen und explodieren beim Aufschlag. Die Waffe wird in der Regel neben der eigentlichen Waffe des Soldaten – in der Regel ein Sturmgewehr – als selbstständige Sekundärwaffe geführt. Ein Anbringen der Waffe am Sturmgewehr wie beim AG36 oder M203-Granatwerfer ist nicht möglich. Gurtösen vorn am Gehäuse und unten am Griff erlauben die Anbringung eines Trageriemens.
Visiereinrichtung
Das Korn der Visiereinrichtung befindet sich vorn auf dem Rohr, im Kornschutz. Für die Zielbekämpfung stehen zwei Visierarten zur Verfügung:
- Klappvisier – für die Bekämpfung von Zielen zwischen 50 m und 100 m
- Aufklappbares Leitervisier – für Ziele zwischen 150 m und 350 m
Munition
Die Soldaten verschießen mit der Granatpistole Spreng- und Splitterpatronen oder Sprenghohlladungspatronen. Darüber hinaus steht eine CS-Gas-Patrone zur Verfügung, die sich nach dem Verschuss in acht kleinere, CS-Gas verströmende Kapseln zerlegt. Damit ist es möglich, einen Tränengasteppich über weite Distanzen – je nach Windstärke bis zu 110 Meter – zu erzeugen. Der Verschuss von Signal- und Beleuchtungsmunition ist prinzipiell möglich, wird aber nicht mehr praktiziert.
Technische Daten
Die nachstehende Tabelle fasst die wesentlichen technischen Kenndaten der Granatpistole 40 mm AG40-1A1 zusammen.
| Merkmal | Daten |
| Hersteller | Heckler & Koch |
| Kaliber | 40 mm × 46 |
| Gewicht | 2,6 kg |
| Waffenlänge (ausgezogen) | 683 mm |
| Waffenlänge (eingeklappt) | 463 mm |
| Verschlussart | Kipprohrverschluss (Einzellader) |
| Max. Schussweite | 400 m |
| Visierbereich (Klappvisier) | 50–100 m |
| Visierbereich (Leitervisier) | 150–350 m |
Nutzung bei der Bundeswehr und Einsatz
Die Granatpistole wird vor allem von der Infanterie genutzt. Die Sprenghohlladungspatrone befähigt den abgesessenen Soldaten, den Feind hinter Mauern oder in Gebäuden zu bekämpfen und gegen einen Feind in Stellungen und Feldbefestigungen zu wirken. Mit der Granatpistole können feindliche Schützen in und auf leicht gepanzerten Fahrzeugen bekämpft werden; die Waffe ist darüber hinaus in der Lage, leicht gepanzerte Fahrzeuge zu zerstören. Soldaten trainieren mit der Granatpistole unter anderem auf dem Truppenübungsplatz Kazla Ruda in Litauen.
Der AG36 soll langfristig die Granatpistole 40 mm (HK69A1) in der Bundeswehr ablösen. Erst mit der Beschaffung des modernen HK G36 wurde auch mit der Entwicklung und Beschaffung eines modernen 40-mm-Unterlaufgranatwerfers begonnen; die ersten Modelle des AG36-Werfers wurden der Truppe ab 2002 zugeführt.