MG4

Das MG4 ist ein leichtes Maschinengewehr und schließt die Lücke zwischen dem Gewehr G36 und dem Universalmaschinengewehr MG5 auf Ebene der Infanteriegruppe der Bundeswehr. Es wurde im Rahmen des IdZ-Programms (Infanterist der Zukunft) von Heckler & Koch entwickelt. Das MG4 ist ein leichtes Maschinengewehr im Kaliber 5,56 × 45 Millimeter, mit dem gegurtete Munition verschossen wird.

Entwicklung und Geschichte

Das MG4 (auch bekannt als HK123) ist ein gurtzuführendes leichtes Maschinengewehr, das von Heckler & Koch entwickelt wurde. Es wurde Ende der 1990er Jahre entwickelt und erstmals im September 2001 öffentlich vorgestellt. Das MG4 wurde im Jahre 2001 – noch unter der Bezeichnung MG43 – erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Funktionssicherheit wurde unter anderem in Heißwetter- und Staubtests auf dem Yuma Proving Ground in Arizona getestet. Die Waffe war von Anfang der Entwicklung an darauf ausgelegt, unter verschiedenen Bedingungen mit Munition von unterschiedlichen Herstellern zu funktionieren, ohne dass Anpassungen am Gasmechanismus vorgenommen werden müssen. Bei der Entwicklung wurde weiterhin Wert auf geringes Gewicht und leichte Handhabung sowohl für Rechts- als auch für Linksschützen gelegt.

Es ersetzt bei den Infanterietruppenteilen des Heeres auf Gruppenebene das Maschinengewehr MG3 im Einsatz zu Fuß. Nach diesem Konzept können – wegen des geringeren Gewichts gegenüber dem MG3 – Infanteriegruppen statt eines MG-Schützen (MG 1) und eines MG-Truppführers bzw. Beobachters (MG 2) zwei voll bewaffnete MG-Schützen einsetzen. Bei der Bundeswehr wurde das MG4 im Jahr 2005 als Standardunterstützungswaffe auf Zugebene eingeführt.

Technik

Das MG4 vereint eine moderne Gasdruckfunktion mit einem umfangreichen Sicherungskonzept und ist sowohl als Infanteriewaffe als auch als Fahrzeugeinbauwaffe einsetzbar. Die folgenden Abschnitte beschreiben die wesentlichen technischen Merkmale der Waffe.

Funktion und Wirkprinzip

Das MG4 ist ein leichtes Mehrzweckmaschinengewehr mit Gurtzuführung und zuschießendem Verschluss. Bei der Handfeuerwaffe handelt es sich um einen vollautomatischen Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss. Das Gehäuse des MG4 ist aus gestanztem Stahlblech gefertigt. Die theoretische Feuerrate beträgt in Abhängigkeit von der Version zwischen 775 und 950 Schuss/Minute.

Das Maschinengewehr wird aus einem zerfallenden M27-Munitionsgurt gespeist, der in zwei Stufen von oben links über einen verstärkten Klinkenmechanismus zugeführt wird. Leere Hülsen werden nach unten aus dem Gehäuse ausgestoßen; wahlweise kann der Auswurf auch nach rechts erfolgen. An der Waffe können sowohl standardisierte NATO- als auch US-Munitionskästen angebracht werden.

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Sicherungseinrichtungen

Es wurden Sicherungselemente an Verschluss, Rohr und Griffstück hinzugefügt. So verhindern Fangkanten am Verschlussträger die ungewollte Schussabgabe beim Fertigladen und ein durch schadhafte Munition ausgelöstes Weiterschießen der Waffe. Der Verschluss kann zusätzlich durch Hochklappen des Spannhebels gesichert werden. Gegenüber dem MG3, das eine Schiebesicherung besitzt, hat das MG4 wie auch das G36 eine beidseitig angebrachte Drehsicherung am Griffstück. Der Sicherungshebel verfügt über die Stellungen „Sicher“ und „Dauerfeuer“; in der Position „Sicher“ ist der Abzug blockiert.

Lauf und Schulterstütze

Das MG4 besitzt einen gesenkgeschmiedeten Schnellwechsellauf, der im heißen Zustand ohne Schutzhandschuhe ausgetauscht werden kann; der Tragegriff dient dabei gleichzeitig als Rohrwechselgriff. Um die Gesamtlänge der Waffe zu verringern, kann die Schulterstütze nach links abgeklappt werden, wobei die Waffe voll funktionstüchtig bleibt. In der Schulterstütze befindet sich ein Reinigungsset. Beim Ausziehen der Schulterstütze kann sie in sieben Positionen arretiert werden.

Visierung und Optik

In der Standardausführung ist die Waffe mit einem mechanischen Visier ausgestattet, das in 100-m-Schritten bis 1.000 m eingestellt werden kann. Die Zieloptik wird mittels einer Klemmvorrichtung auf der Picatinny-Schiene MIL-STD-1913 auf dem Gehäusedeckel angebracht. Auf der Zieloptik befindet sich eine weitere Picatinny-Schiene für optisches Gerät wie das Reflexvisier RSA-S. Das Maschinengewehr verfügt neben dem Zielfernrohr auch über ein Rotpunktvisier für den Nahbereich.

Technische Daten

Die nachfolgende Tabelle fasst die wesentlichen technischen Parameter des MG4 zusammen, soweit sie aus den genutzten Quellen belegt sind.

MerkmalAngabe
Kaliber5,56 × 45 mm NATO
WaffengattungLeichtes Maschinengewehr
FunktionsprinzipVollautomatischer Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss
MunitionszuführungGurtzuführung (M27-Zerfallsgurt), von oben links
Feuerrate (theoretisch)775–950 Schuss/Minute (je nach Version)
Kampfentfernungbis 600 m
Visierung (mechanisch)Korn-Diopter, einstellbar in 100-m-Schritten bis 1.000 m
Schulterstützenach links abklappbar, in 7 Positionen arretierbar
Zweibeinintegriert, klappbar
Picatinny-SchienenMIL-STD-1913 (oben, seitlich links und rechts)
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Varianten

Das MG4 wurde seit seiner Einführung in mehreren Versionen weiterentwickelt. Im August 2024 befindet sich das MG4A3 – die fünfte MG4-Variante – in der letzten Phase der Beschaffung. Die nachstehende Übersicht fasst die bekannten Varianten zusammen.

MG4 (Grundversion / HK123)

Die Grundausführung des MG4 (HK123) im Kaliber 5,56 × 45 mm NATO wurde von der Bundeswehr eingeführt. Sie bildet die Basis aller weiteren Varianten und ist mit mechanischem Visier, klappbarem Zweibein sowie abklappbarer Schulterstütze ausgestattet.

MG4A2

Hinten am Gehäuse des MG4A2 ist die nach links abklappbare und ausziehbare Schulterstütze angebracht. Beim Ausziehen kann sie in sieben Positionen arretiert werden. Optional kann die Schulterstütze mit einer zusätzlichen Wangenauflage bestückt werden. Zur Ausstattung des Handschutzes des MG4A2 gehören zwei Knopfzellen, ein Bluetooth-Sender und beidseitige PTT-Tasten zur Bedienung der Kommunikationsausstattung des Infanteristen der Zukunft (IdZ-ES). Vorn am Gehäuse des MG4A2 befinden sich links und rechts je eine seitliche Picatinny-Schiene MIL-STD-1913 zur Befestigung von Zielhilfsmitteln, Ausbildungsgeräten oder einem Sturmgriff.

MG4A3

Das MG4A3 – die fünfte MG4-Variante – befand sich im August 2024 in der letzten Phase der Beschaffung. Bei dieser Variante sind Ausstattungs-, Handhabungs- und Bedienkonzept an das MG5 angeglichen, insbesondere um im Stress des Feuerkampfes den Waffenwechsel von MG4 auf MG5 für die Schützen zu vereinfachen. Es handelt sich um eine modernisierte Variante des Heeres, bei der Elemente des MG5 eingeflossen sind, darunter die Hensoldt-Zieloptik ZO 4×30 kombiniert mit einem Rotpunktvisier als optisches Tagvisier mit 4-facher Vergrößerung. Wie das MG5 verwendet das MG4A3 einen Oberflächenanstrich in RAL 8000 Grünbraun.

MG4E (Exportvariante)

Bei der MG4E handelt es sich um eine leicht modifizierte und geringfügig leichtere Exportvariante des MG4. Die Bezeichnung „E“ steht für „Export“. Sie besitzt eine andere Gaseinheit, die die zyklische Feuerrate reduziert. Im Jahr 2007 übernahm die spanische Armee diese Variante als Standardunterstützungswaffe; das spanische Verteidigungsministerium bestellte zwischen 1.800 und 2.000 dieser Maschinengewehre.

MG4KE (Kurze Exportvariante) und MG4 Fahrzeugeinbau

Die MG4K ist eine Variante des MG4 mit verkürztem Lauf. Die MG4KE ist die Exportvariante der MG4K. Daneben existiert eine Variante des MG4, die für den Einbau in Fahrzeuge oder als koaxiales Maschinengewehr konfiguriert ist. Diese verzichtet auf Schulterstütze, Hintervisier, Patronenauswurfsleiter, Handschutz und Zweibeinhalterung. Sie kann mit einer Fernabfeuereinrichtung und einem Sicherungs-/Feuerwahlhebel ausgestattet werden und lässt sich auch für den abgesessenen Einsatz konfigurieren.

Nutzung bei der Bundeswehr

Das MG4 ist seit 2005 fester Bestandteil der Ausrüstung des Deutschen Heeres und wird auf verschiedenen Ebenen – sowohl als Infanteriewaffe als auch als Fahrzeugeinbauwaffe – genutzt.

Infanterieeinsatz

Das Maschinengewehr MG4 ist eine nachtkampffähige Ein-Mann-Waffe, mit der Einzel- und Gruppenziele bekämpft werden. Das MG4 zählt zu den leichten Maschinengewehren. Mit der vollautomatischen Waffe wird in kurzen und längeren Feuerstößen geschossen und werden Ziele auf eine Entfernung von bis zu 600 Metern bekämpft. Die Waffe ist für Rechts- und Linksschützen einsetzbar und besitzt ein integriertes Zweibein.

Verfügte eine Gruppe Soldaten früher über ein MG3 mit Kaliber 7,62 × 51 Millimeter, so ist sie jetzt mit zwei MG4 mit Kaliber 5,56 × 45 Millimeter ausgestattet. Durch das kleine Kaliber von 5,56 × 45 Millimetern können viele Patronen mitgeführt werden. Zwei Gurttaschen gehören zum Waffenzubehör; sie können je einen Gurt mit 100 Patronen fassen und schützen diesen vor Schmutz, Staub und Witterungseinflüssen.

Einbauwaffe im Schützenpanzer Puma

Als Einbauwaffe wird das MG4 im Schützenpanzer Puma eingesetzt. In dieser Rolle ersetzt es als Sekundärbewaffnung des Puma ein schwereres Kaliber auf Fahrzeugebene und profitiert dabei von der spezifisch für den Fahrzeugeinbau entwickelten Variante ohne Schulterstütze und Handschutz.

Programm „Infanterist der Zukunft“

Das MG4 ist Bestandteil der Ausstattung „Infanterist der Zukunft“ (IdZ). Diese besteht aus Bekleidungs- und Tragekomponenten, Waffen und Optiken sowie Führungs- und Kommunikationsgeräten. Sie soll dazu beitragen, Aufträge im Kampf zu Fuß mit wesentlich verbesserten Erfolgsaussichten und verringertem Risiko erfüllen zu können. Um die Soldaten der Bundeswehr für ihren Einsatz bestmöglich auszurüsten, erhält die Truppe in absehbarer Zeit ein neues leichtes Maschinengewehr. Soldaten des Fallschirmjägerregiments 26 erproben das MG4A3 in Baumholder unter Gefechtsbedingungen.

Quellen
  • Bundeswehr – Das Maschinengewehr MG4: https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/ausruestung-bewaffnung/mg4
  • Bundeswehr – Neues leichtes Maschinengewehr für die Bundeswehr (MG4A3): https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/aktuelles/leichtes-maschinengewehr-mg4a3-der-bundeswehr-262070
  • Bundeswehr – Das leichte Maschinengewehr MG4 – in 60 Sekunden: https://www.bundeswehr.de/de/mediathek/video-60sekunden-leichtes-maschinengewehr-mg4-5969260
  • Bundeswehr – Enorme Feuerkraft: Das Maschinengewehr MG4: https://www.bundeswehr.de/de/mediathek/video-maschinengewehr-mg4-5971980
  • Wikipedia – HK MG4 (deutsch): https://de.wikipedia.org/wiki/HK_MG4
  • Wikipedia – Heckler & Koch MG4 (englisch): https://en.wikipedia.org/wiki/Heckler_%26_Koch_MG4
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