Das Maschinengewehr MG6 ist die erste Mini-Gun der Bundeswehr. Mit dem Begriff „Minigun“ wird im engeren Sinne eine nach dem Gatling-Prinzip arbeitende vollautomatische Schusswaffe im Standardkaliber 7,62 × 51 mm NATO bezeichnet; der Begriff schließt nur das M134 bzw. GAU-2 und GAU-17 – jeweils andere Bezeichnungen für dieselbe Waffe – ein. Bei der Bundeswehr hat die Waffe M134 in der Version M134D-H die Bezeichnung MG6.
Überblick und Einordnung
Bei den Bezeichnungen der Maschinengewehre der Bundeswehr folgt nach dem MG3 das MG4, dann das MG5 und schließlich das MG6. Das MG6 wird als Bordwaffe des Hubschraubers H145M eingesetzt. Der leichte Mehrzweckhubschrauber zur Durchführung von Spezialoperationen (Light Utility Helicopter Special Operations Forces, LUH SOF) kann unter anderem zur bewaffneten Aufklärung sowie Feuerunterstützung aus der Luft eingesetzt werden.
Entwicklung und Geschichte
Die Ursprünge des MG6 reichen bis in die frühe Phase des Vietnamkrieges zurück. Die Grundlage bildet die amerikanische M134 Minigun, die von General Electric aus der 20-mm-Gatling-Kanone M61 Vulcan abgeleitet wurde. Dillon Aero modernisierte dieses System grundlegend, woraus die Version M134D-H entstand, die die Bundeswehr als MG6 einführte.
Entstehung der Minigun
Die US-Streitkräfte nutzten im Vietnamkrieg hauptsächlich Hubschrauber, um Soldaten und Ausrüstung ins Einsatzgebiet zu transportieren. Sie stellten allerdings fest, dass die ungepanzerten Hubschrauber beim Landeanflug sehr verwundbar gegenüber feindlichen Handfeuerwaffen und Panzerabwehrhandwaffen wie der RPG waren. Die Hubschrauber waren zwar mit einläufigen Maschinengewehren zum Unterdrücken feindlicher Kräfte ausgestattet (vor allem mit dem M60), jedoch überhitzten diese sehr schnell oder hatten Ladehemmungen. Daher begann in den 1960er-Jahren das US-Militär, moderne elektrisch angetriebene Varianten der nach dem Gatling-Prinzip funktionierenden vollautomatischen Waffen als Bordwaffen zu entwickeln.
Mit dem Auftrag, eine Waffe mit höherer Zuverlässigkeit und Feuerrate zu entwickeln, verkleinerten die General-Electric-Ingenieure die vorhandene 20-mm-Gatling-Kanone M61 Vulcan auf das NATO-Standardkaliber 7,62 × 51 mm. Das Ergebnis war die sechsläufige XM134, die unter dem Synonym „Minigun“ bekannt wurde. Das Maschinengewehr konnte, ohne zu überhitzen, 6.000 Schuss pro Minute abfeuern, weil sich die thermische Last auf sechs Läufe verteilt. Da aufgrund des Gatling-Prinzips nicht gezündete Patronen mechanisch ausgestoßen wurden, blockierte es bei Fehlzündungen nicht.
Modernisierung durch Dillon Aero: die Version M134D-H
Dillon Aero vermarktet unter der Bezeichnung M134D ein modernisiertes M134. Dieses wird nach Angaben des Unternehmens von den Streitkräften der USA und vieler anderer Staaten für die Bekämpfung von Bodenzielen, als Geschütz auf leichten Fahrzeugen, für die Luftabwehr auf Schiffen und von Spezialkräften eingesetzt. Eine Hybridvariante der beiden Werkstoffkombinationen aus Stahlgehäuse und Titanrotor führte zur Entstehung des M134D-H. Es ist kostengünstiger durch das Stahlbauteil und nur minimal schwerer als die reine Titanvariante M134D-T, dafür aber mit einer deutlich verlängerten Systemlebensdauer ausgestattet.
Technik und technische Daten
Das MG6 basiert auf dem Gatling-Prinzip mit sechs rotierenden Läufen und einem elektromotorischen Fremdantrieb. Dieser Aufbau ermöglicht eine außergewöhnlich hohe Kadenz, ohne dass die Waffe überhitzt. Die folgenden technischen Angaben entstammen den herangezogenen Quellen.
| Merkmal | Angabe |
| Bundeswehr-Bezeichnung | MG6 |
| Basismodell | M134D-H (Dillon Aero) |
| Kaliber | 7,62 × 51 mm NATO |
| Anzahl der Läufe | 6 (rotierendes Laufbündel) |
| Kadenz | bis zu 3.000 Schuss/min (Bundeswehr-Konfiguration) |
| Antrieb | Elektromotorischer Fremdantrieb |
| Munitionszuführung | Gegurtete Munition (Munitionsgurt) |
| Standardmunitionsbehälter | 4.400 Patronen |
| Systemlebensdauer (M134D-H) | ca. 1,5 Millionen Schuss |
| Trägerplattform (Bundeswehr) | H145M LUH SOF (MBB-BK 117 D-2m) |
Die Nachladefunktion wird von einem elektromotorischen Fremdantrieb übernommen; die Rotationsrichtung ist rechts. Jeder Lauf verfügt über einen eigenen Verschluss. Die Munition kann sowohl gegurtet als auch gurtlos über eine Helixvorrichtung (Munitionskammer mit Schneckenförderband) zugeführt werden.
Die Waffe wird standardmäßig mit einem 4.400 Patronen fassenden Munitionsbehälter betrieben und feuert 3.000 Schuss pro Minute. Für das Laufbündel wird eine Lebensdauer von etwa 100.000 Schuss angegeben; die Lebensdauer des Systems liegt bei etwa einer Million Schuss. Laut Hersteller blockiert die Waffe durchschnittlich alle 30.000 Schuss und kann in unter einer Minute wieder betriebsfertig gemacht werden.
Varianten und verwandte Versionen
Die M134-Waffenfamilie umfasst mehrere Bezeichnungsvarianten, die in verschiedenen Streitkräften unter unterschiedlichen Namen geführt werden. Bei der Bundeswehr ist ausschließlich die Version M134D-H als MG6 im Dienst.
Versionen der M134-Waffenfamilie
Die Miniguns von General Electric werden in allen Hauptbereichen der US-amerikanischen Streitkräfte unter verschiedenen Bezeichnungen eingesetzt. Der ursprünglichen Variante für die US Army wurde die Bezeichnung M134 gegeben, während die exakt gleiche Waffe von der US Air Force GAU-2B/A genannt wurde. Später wurde eine spezielle Version für die US Air Force als Abwehrbewaffnung für den Hubschrauber UH-1N entwickelt, die GAU-17/A genannt wurde. Die GAU-17/A wird von der US Navy sowie vom US Marine Corps als Abwehrbewaffnung für Hubschrauber und für Luftkissenboote verwendet.
- M134: Ursprungsbezeichnung der US Army für die General-Electric-Minigun
- GAU-2/A bzw. GAU-2B/A: Bezeichnung der US Air Force für dieselbe Waffe
- GAU-17/A: Abwehrbewaffnungsversion für US Navy und US Marine Corps
- M134D: Verbesserte Version des M134, entworfen und gefertigt von Dillon Aero
- M134D-T: Leichtvariante mit Titangehäuse und Titanrotor; Gewicht reduziert von 62 lb (28 kg) auf 41 lb (19 kg)
- M134D-H (MG6): Hybridversion mit Stahlgehäuse und Titanrotor; bundeswehrseitige Bezeichnung: MG6
- M134G: Von Garwood Industries gefertigte verfeinerte Variante der Minigun
Nutzung bei der Bundeswehr
Das MG6 ist ausschließlich als Bordwaffe für Spezialkräfte der Bundeswehr vorgesehen und wird nicht als Infanteriewaffe geführt. Die Waffe ist integraler Bestandteil des Waffensystems H145M LUH SOF und wird von spezialisierten Besatzungsmitgliedern bedient.
Trägerplattform und Einheit
Den LUH SOF nutzen die Spezialkräfte der Luftwaffe für ihr breites Aufgabenspektrum. Als „Waffenmaschine“ wird der leichte Mehrzweckhelikopter mit zwei Miniguns MG6 zur Feuerunterstützung eingesetzt. Die leichten Mehrzweckhubschrauber des Typs H145M LUH SOF gehören zur 4. Staffel des im oberschwäbischen Laupheim stationierten Hubschraubergeschwaders 64 (HSG 64): den Spezialkräften der Luftwaffe.
Insgesamt wurden 15 Hubschrauber dieses Typs für die Bundeswehr beschafft. Seit 2015 lieferte Airbus 15 Hubschrauber an die 4./HSG 64.
Bedienung und Besatzung
Ein Tactical Operator, der Bordschütze, prüft die Munitionszufuhr seines MG6. Die flexible Aufnahmevorrichtung für die Munitionsgurte wird auch „Tatzelwurm“ genannt. Der Tactical Operator – zumeist ein erfahrener Portepeeunteroffizier – ergänzt die Crew eines LUH SOF bei bestimmten Einsätzen. Er bedient die Winde des Hubschraubers und ist auch für den Einsatz der Minigun zuständig.
Je nach Anforderungen können bis zu zwei Maschinengewehre vom Typ MG6 verbaut werden. Diese sechsläufige Mini-Gun mit dem NATO-Kaliber 7,62 × 51 Millimeter wird zur direkten Feuerunterstützung eingesetzt.
Übungen und Einsätze
Mitte Juli 2020 übten Tactical Operator den scharfen Schuss mit dem Maschinengewehr 6 (MG6) auf dem Truppenübungsplatz Baumholder in der Nähe von Idar-Oberstein. Die Übung fand sowohl tagsüber als auch nachts statt. Besonders bei absoluter Dunkelheit ist es beeindruckend zu verfolgen, wie Ketten aus Leuchtspurmunition ihren Weg in das Ziel am Boden finden.
Die Bewaffnung des LUH SOF besteht grundsätzlich aus dem Maschinengewehr MG6, einer „Minigun“ mit sehr hoher Feuerrate. Die umfangreiche Kommunikations-, Selbstschutz- und Sensorikausrüstung ist auf Einsatzbedürfnisse von Spezialkräften zugeschnitten. Bei Übungen mit den Spezialkräften der Bundeswehr in Afrika oder während der Evakuierungsoperation in Kabul, Afghanistan haben sich die wendigen Maschinen bewährt.
Quellen (8)
- Bundeswehr: Die Mini-Gun MG6 – in 60 Sekunden (bundeswehr.de, abgerufen 2025)
- Bundeswehr: Gunslinger: Durchschlagende Wirkung (bundeswehr.de, abgerufen 2025)
- Bundeswehr: Fliegende Rückendeckung: Die Spezialkräfte der Luftwaffe (bundeswehr.de, abgerufen 2025)
- Bundeswehr: Die Spezialkräfte der Luftwaffe im Einsatz in Niger (bundeswehr.de, abgerufen 2025)
- Bundeswehr: Ausrüstung und Technik: Der Spezialkräfte-Helikopter H145M (bundeswehr.de, abgerufen 2025)
- Bundeswehr: Militärgerät der Bundeswehr: die Namensgebung (bundeswehr.de, abgerufen 2025)
- Bundeswehr: Spezialkräfte trainieren gemeinsam (bundeswehr.de, abgerufen 2025)
- Wikipedia: Minigun (MG6) (de.wikipedia.org, abgerufen 2025)

