Der Pionierpanzer 2A1 Dachs – kurz: Pionierpanzer Dachs – gehört zur Gruppe der Kampfunterstützungsfahrzeuge und ist der Nachfolger des Pionierpanzer 1. Er ist ein gepanzertes Pionier-Arbeitsgerät und basiert auf dem Leopard-1-Fahrgestell. Es ist der erste Pionierpanzer der Bundeswehr, der gezielt auf die Einsatzgebiete der Pioniere optimiert wurde.
Überblick und Einordnung
Zu seinem Aufgabengebiet zählen das Bergen von Schadfahrzeugen, das Herstellen von Zu- und Abfahrten sowie Ein- und Ausfahrten an Gewässerübergangsstellen oder steilen und schlammigen Uferzonen, das Befahrbarmachen des Gewässergrundes sowie das Anlegen und Beseitigen von Hindernissen und Sperren auf dem Gefechtsfeld. Pionierpanzer wie der Dachs sind gepanzerte Pioniermaschinen auf Basis eines Kampfpanzerfahrgestells; mit ihrer Hilfe können Pioniere Stellungen graben oder Hindernisse beseitigen.
Eingesetzt wird das Fahrzeug bei den Pionieren und Panzerpionieren des Heeres der Bundeswehr sowie bei den Kanadischen Streitkräften unter der Bezeichnung Badger – Armoured Engineering Vehicle (AEV). Ebenso wird er bei der chilenischen Armee eingesetzt.
Entwicklung und Geschichte
Die Entstehung des Pionierpanzers Dachs ist das Ergebnis eines jahrelangen Suchprozesses nach einem leistungsfähigen Nachfolger für den Pionierpanzer 1. Mehrere Entwicklungsprojekte scheiterten, bevor das endgültige Konzept realisiert wurde.
Vorgeschichte und Projektscheitern
Nach dem Scheitern des Vorhabens gepanzerte Pioniermaschine (GPM) suchte die Bundeswehr weiterhin einen Nachfolger für den Pionierpanzer 1. Gemäß den Aufgabenfeldern der Pioniere – dem Fördern der Bewegungen der eigenen Kampftruppe und Hemmen der des Gegners durch das Anlegen von Sperren – sollten alle Arbeiten unter ABC- und Panzerschutz ausführbar sein. Gefordert wurde vom Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) ein kostengünstiger vollwertiger Pionierpanzer, der die Erfahrungen aus dem GPM-Projekt berücksichtigt.
Entwicklung und Serienproduktion
Das Gesamtauftragsvolumen umfasste 140 Fahrzeuge mit einem Gesamtwert von 190 Millionen DM; das Auslieferungsziel war 1990. Das Unternehmen Maschinenbau Kiel (MaK) baute im Zeitraum 1981 bis 1983 seine ersten zwei Prototypen und testete diese 1984 im Werksversuch. Der dritte Prototyp folgte 1987 nach der Auftragsvergabe durch das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung.
Der Entwurf von MaK basierte auf einem modifizierten Bergepanzer 2 und erhielt statt der Krananlage einen Teleskoparm mit Tieflöffel des Unternehmens Wieger Maschinenbau. Das für Fehler anfällige Bohrgerät des Pionierpanzer 1 wurde nicht weiterverfolgt. Die Eisenwerke Kaiserslautern (EWK) zeigten sich verantwortlich für das Schwenkwerk und die Baggeranlage. Jung Jungenthal übernahm erneut – wie bereits beim GPM-Projekt – den Umbau der Fahrgestelle. 75 % der Baugruppen der Leopard-Serie fanden sich im Dachs wieder.
Das Gefechtsgewicht erreichte 43 t; MaK fertigte als Generalunternehmer ab 1988 den Pionierpanzer, der gemäß dem Planungsziel des BMVg aus dem Umbau von 104 Bergepanzern 2 und den vorhandenen 36 Pionierpanzern 1 entstand. Das erste Serienfahrzeug des Pionierpanzer 2A1 Dachs wurde am 13. April 1989 in Plön übergeben und lag damit vor dem Auslieferungsziel der Bundeswehr. Die Bezeichnung A1 wurde gewählt, um die Leistungssteigerung der Baugruppe gegenüber dem Bergepanzer zu zeigen.
Technik und technische Daten
Der Dachs vereint auf einem bewährten Fahrgestell eine umfangreiche Pionierausstattung. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die wesentlichen technischen Parameter des Fahrzeugs.
| Eigenschaft | Wert |
| Offizielle Bezeichnung | Pionierpanzer 2A1 Dachs |
| Fahrzeugklasse | Kampfunterstützungsfahrzeug / Pionierpanzer |
| Fahrgestell | Leopard 1 |
| Gefechtsgewicht | 44 t |
| Antrieb | Zehnzylinder-Mehrstoffmotor, 830 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 62 km/h |
| Besatzung | 3 Soldaten (Fahrer, Kommandant, dritter Besatzungssoldat) |
| Bewaffnung | MG3 (Fliegerabwehr-Maschinengewehr, Bordlafette) |
| Nebelmittelwurfanlage | 6 Wurfbecher (2 × 3) |
| Räumschild (mit Seitenteilen) | 3,75 m breit, 0,94 m hoch |
| Reißzähne (Eindringtiefe) | bis 40 cm |
| Windenleistung (Einzelzug) | 345 kN (34,5 t) |
| Windenleistung (Doppelzug) | 690 kN (69 t) |
| Windenseil | 90 m Länge, 33 mm Stärke |
| Hydraulik-Arbeitsdruck | 300 bar |
| Unterwasser-Arbeitstiefe (Vollausstattung) | bis 4 m |
| Unterwasser-Arbeitstiefe (Tiefwatausrüstung) | bis 2,25 m |
| Laufwerk (je Seite) | 7 Laufrollenpaare, 4 Stützrollen, 84 Kettenglieder |
| Panzerung Aufbau (Seiten) | 25–35 mm |
| Panzerung Aufbau (Dach) | 10 mm |
| Funk | UKW-Funkgerät SEM 80 |
| Nachtsicht | Restlichtverstärker |
Quellen für die Tabelle: Das Gefechtsgewicht des Dachs beträgt 44 t. Der Pionierpanzer Dachs wird von einem Zehnzylinder-Mehrstoffmotor mit 830 PS angetrieben; damit ist eine Höchstgeschwindigkeit von 62 Kilometern in der Stunde möglich. Die Besatzung besteht aus insgesamt drei Soldaten: dem Fahrer, dem Kommandanten und einem dritten Besatzungsmitglied als zusätzliche Arbeitskraft.
Ausrüstung und Schutzsysteme
Der Dachs verfügt über eine umfangreiche Pionier- und Schutzausstattung, die ihn für den Gefechtsfeldeinsatz unter verschiedenen Bedrohungslagen befähigt.
Pionierausstattung
Das Herzstück des Dachs ist seine Pionierausstattung. Dazu zählen der Teleskoparm mit Tieflöffel, der Räum- und Stützschild, die Berge- und Windeneinrichtung sowie diverse Pioniermittel wie eine Schneid- und Schweißanlage und Arbeitsscheinwerfer. Die Hydraulikanlage wurde in ihrer Leistung gesteigert und arbeitet nach dem Load-Sensing-Prinzip, das bedeutet, mehrere Hydraulikzylinder (bis zu drei Stück) können gleichzeitig und lastunabhängig voneinander bedient werden. Der Arbeitsdruck beträgt 300 bar.
Mit Seitenteilen ist das 94 Zentimeter hohe Räumschild 3,75 Meter breit. Es dient als Verankerung bei Arbeiten mit der Hauptwinde, Abstützung bei Bagger- und Hebezeugeinsatz sowie zum Räumen von Sperren, Planieren und Schieben von Stellungen. Für Aufreißarbeiten im Rückwärtsgang sind an dem Räumschild zwei ausklappbare Reißzähne angebracht. Mit ihnen kann fester oder gefrorener Boden bis zu einer Tiefe von 40 Zentimetern aufgerissen werden.
Eine Besonderheit des Pionierpanzer 2 ist die Möglichkeit, mit Hilfe eines Unterwasserfahrschachtes und besonderen Vorbereitungen an Triebwerk und Fahrwerk auch in einer Wassertiefe von 4 m im Dauereinsatz zu arbeiten. Die Steuerung des Teleskoparms erfolgt dabei durch eine Fernbedienung aus dem Schacht. Ohne diese Vorkehrungen liegt die Arbeitstiefe bei 0,8 m und mit Tiefwatausrüstung bei 2,25 m.
Bewaffnung und passive Schutzmaßnahmen
Die Bewaffnung des Pionierpanzers 2 Dachs besteht aus einem Fliegerabwehrmaschinengewehr MG3. Die Waffe befindet sich in einer schwenkbaren Bordlafette an der Kommandantenkuppel und kann gegen Luft- und Bodenziele eingesetzt werden. Links an der Fahrzeugseite befindet sich die Nebelmittelwurfanlage, die zwei Trägerkästen mit je drei Nebelmittelwurfbechern umfasst. Durch den Verschuss von Nebelmittelwurfkörpern kann sich der Pionierpanzer der gegnerischen Beobachtung entziehen.
Die Wanne des Dachs besteht aus geschweißtem Panzerstahl und besitzt eine einlagige Panzerung. Das Schutzniveau für das Fahrgestell entspricht dem des Leopard 1. Der gepanzerte Aufbau erreicht Panzerungsstärken von 25 mm bis 35 mm für die Seiten und 10 mm für das Dach. Zur Standardausrüstung zählen eine ABC-Schutz- und Belüftungsanlage sowie eine Feuerwarn- und Unterdrückungsanlage. Die Abgasanlage mit Frischluftbeimischung reduziert die Infrarot-Signatur und unterstützt so den passiven Panzerschutz.
Laufwerk und Kommunikation
Das Laufwerk des Dachs besteht auf jeder Seite aus sieben Laufrollenpaaren, vier Stützrollen, einem Leitradpaar, einer Triebradtrommel mit zwei Antriebszahnkränzen, einer Kettenspannvorrichtung und einer Gleiskette, die aus 84 Kettengliedern besteht. Zur Kommunikation verfügen die Fahrzeuge der Bundeswehr über ein UKW-Funkgerät SEM 80 (Sender/Empfänger, mobil 80). Alle Winkelspiegel sind im Bereich der Arbeitsgeräte kippbar gelagert, um unter Panzerschutz arbeiten zu können. Als Nachtsichtgeräte dienen Restlichtverstärker.
Varianten
Neben der deutschen Grundausführung existiert eine kanadische Variante mit abweichenden Merkmalen. Beide Versionen teilen das wesentliche technische Grundkonzept, unterscheiden sich jedoch in Bewaffnung und Zusatzpanzerung.
Pionierpanzer 2A1 Dachs (Bundeswehr)
Die deutsche Serienausführung bildet die Grundlage aller Varianten. Die dreiköpfige Besatzung der deutschen Streitkräfte verfügt über ein Maschinengewehr MG3 auf der Fliegerabwehrlafette der Kommandantenkuppel, eine Nebelmittelwurfanlage mit sechs Wurfbechern und ihre Handwaffen. Die erprobte hydraulische sowie mechanische Schnittwinkelverstellung ließ man beim Übergang vom Prototyp zur Serie fallen.
Badger – Armoured Engineering Vehicle (AEV) (Kanada)
Der kanadische Badger verfügt zusätzlich noch über das Bug-MG. Als Maschinengewehr dient dort das belgische FN MAG unter der Bezeichnung C6 GPM. Die kanadischen Pionierpanzer erhielten darüber hinaus für den KFOR- und ISAF-Einsatz eine MEXAS-Zusatzpanzerung von IBD Deisenroth Engineering. Der kanadische Badger verfügt abweichend über eine Spillwinde mit einer Zugkraft von 350 kN (35 t) im Einzelzug. Der Pionierpanzer 2 „Badger“ AEV wurde in Kanada 2018 außer Dienst gestellt und durch den WISENT 2 „Ram“ ersetzt.
Nutzung bei der Bundeswehr und im Einsatz
Der Pionierpanzer Dachs ist das zentrale schwere Pioniergerät der Panzerpioniere des deutschen Heeres und wird in verschiedenen Verbänden eingesetzt. Im Zusammenwirken mit anderen Pioniersystemen entfaltet er seine volle Wirkung.
Einsatz in Pionierverbänden
Den Pionierpanzer Dachs nutzen die Pioniere beispielsweise zum Anlegen oder Überwinden von Bausperren oder zum Bau von Feldbefestigungen. Der Dachs kann dabei mit dem Räumschild als Bulldozer, als Kran oder Bagger eingesetzt werden, defekte Gefechtsfahrzeuge abschleppen und Sperren anlegen oder beseitigen. Eine Besonderheit ist die Unterwasserfahrt: In bis zu vier Meter Wassertiefe kann er selbst den Grund von Gewässern befahrbar machen und beispielsweise Furten schaffen oder Böschungen räumen.
Zusammenwirken mit dem Brückenlegepanzer Biber
Sowohl der Pionierpanzer Dachs als auch der Brückenlegepanzer Biber basieren auf dem Fahrgestell des Kampfpanzers Leopard 1 und verfügen über einen Zehnzylinder-Dieselmotor mit 830 PS. Mit beiden Systemen legen die Panzerpioniere Brücken über Bäche und Gräben, fällen Bäume und räumen Felsen zur Seite, letzteres auch mal unter Wasser.
Ein typisches Verfahren: Im ersten Schritt werden Wälle auf Höhe der Brückenpfeiler aufgeschüttet – mit der Baggerschaufel des Pionierpanzers Dachs und Muskelkraft. Die Wälle stützen die abgelegte Panzerschnellbrücke des Brückenlegepanzers Bibers und verteilen das Gewicht der querenden Fahrzeuge auf das Brückenfundament. Im nächsten Schritt wird die Brücke aufgelegt und justiert und schließlich durch eine Belastungsprobe mit dem Pionierpanzer Dachs getestet. 25 Minuten dauert der ganze Prozess. Dann ist die Brücke bereit zur Nutzung für die Kampftruppe.
Ausbildung und Übungen
An der Wehrtechnischen Dienststelle für Schutz- und Sondertechnik (WTD 52) in Oberjettenberg erlernen die Pioniere den Umgang mit dem Pionierpanzer Dachs unter Wasser. Das Arbeitstier der Pioniertruppe kann sich bis zu vier Meter unter der Wasseroberfläche bewegen. Soldaten des Panzerpionierbataillons 803 aus Havelberg setzen den Dachs gemeinsam mit dem Brückenlegepanzer Biber bei Gefechtsübungen im In- und Ausland ein, unter anderem bei der Übung Griffin Lightning in Litauen.
Nachfolge: Pionierpanzer 3 Kodiak
Der AEV 3 Kodiak war Rheinmetalls Angebot an das deutsche Heer im Rahmen eines Programms zur Ablösung des Pionierpanzers 2 Dachs. Im April 2021 wurde die Entscheidung zur Beschaffung von 44 Fahrzeugen des Typs AEV 3 Kodiak bekanntgegeben. Der Kodiak basiert auf dem Leopard-2-Fahrgestell und soll den Dachs als Hauptpionierpanzer der Bundeswehr langfristig ersetzen.
Quellen
- Bundeswehr: Pionierpanzer Dachs – Ausrüstung und Technik. URL: https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/landsysteme-bundeswehr/pionierpanzer-dachs
- Bundeswehr: Dachs und Biber: Das Schweizer Taschenmesser der Panzerpioniere. URL: https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/biber-dachs-panzerpioniere-einsatz-5602158
- Bundeswehr: Pioniere üben mit dem Dachs im Panzerwatbecken der WTD 52. URL: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/ausruestung-baainbw/aktuelles/pioniere-ueben-mit-dem-dachs-im-panzerwatbecken-der-wtd-52-4323696
- Bundeswehr: Der Pionierpanzer Dachs – in 60 Sekunden. URL: https://www.bundeswehr.de/de/mediathek/60-sekunden-pionierpanzer-dachs-64546
- Bundeswehr: Panzerpioniere: Biber und Dachs in Aktion. URL: https://www.bundeswehr.de/de/mediathek/panzerpioniere-wege-schaffen-kampftruppe-5602282
- Bundeswehr: Panzerpionierbataillon 4. URL: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/struktur/10-panzerdivision/panzerpionierbataillon-4
- Wikipedia: Dachs (Panzer). URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Dachs_(Panzer)
- Wikipedia: Pionierpanzer 1. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Pionierpanzer_1
- Wikipedia: Pionierpanzer. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Pionierpanzer