Transportpanzer Fuchs

Der Transportpanzer Fuchs (TPz Fuchs) ist ein radgetriebener Transportpanzer aus deutscher Produktion. Er ist ein geländegängiges, gepanzertes Radfahrzeug, das ursprünglich als reiner Transportpanzer konzipiert wurde. Als das Multitalent der deutschen Landstreitkräfte sind rund 40 Varianten des Allradfahrzeuges im Einsatz.

Entwicklung und Geschichte

Die Entwicklung des Fuchs begann im Jahr 1961 und war ein Teil der geplanten zweiten Generation geländegängiger gepanzerter Radfahrzeuge für die deutsche Bundeswehr. Daimler-Benz erhielt 1962 den Auftrag zur Konzepterprobung. Im Jahr 1964 war die Studie mit den sechs Prototypen mit einem Gefechtsgewicht zwischen 7 und 10 Tonnen (Unimog SH, T) und dem vom Schweizer Unternehmen Mowag entwickelten Fahrzeug für den Schwimmbetrieb beendet. Im selben Jahr folgte ein neues Konzept mit neuen Anforderungen, entsprechend dem NATO-Standard aufgeteilt in die Nutzklassen 0,5, 2, 4, 7 und 10 Tonnen.

Im Jahr 1973 konzentrierte man sich auf die weitere Entwicklung des Transportpanzers und erkannte die universellen Einsatzmöglichkeiten; zehn Transportpanzer 1 wurden an das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) für die Truppenerprobung geliefert. Eine Studie zum Transportpanzer 2 (4×4) und leichtem Spähpanzer 3 (4×4) ließ man 1979 mit der Serienproduktion des Transportpanzers 1 durch Thyssen-Henschel in Kassel als Generalunternehmer fallen. Ein Modell mit einer 20-mm-Bordmaschinenkanone erreichte ebenfalls nicht die Serienreife.

Der Fuchs wurde von 1973 (Serienbeginn 1979) bis 1993 von Thyssen-Henschel hergestellt, dem heutigen Rheinmetall. Bis 1993 wurden 1.031 Fahrzeuge an die Bundeswehr geliefert und ersetzten den SPz Hotchkiss und M113 in Teilen ihrer Funktion.

Kampfwertsteigerungen

Seit der Einführung bei der Bundeswehr wurde der Fuchs mehrfach kampfwertgesteigert (KWS); neben der Überholung der Fahrzeuge und der Materialerhaltung wurden die verschiedenen Füchse dabei aufgewertet. So waren die ersten Transportpanzer mit einem Funkgerät SEM 25/35 ausgestattet und wurden ab der Umrüstung zum 1A4 mit der leistungsstärkeren Funkgerätefamilie SEM 80/90 ausgerüstet; andere Fahrzeuge erhielten zusätzlich das kryptofähige SEM 93 und werden als 1A6 geführt. Bei einer umfangreichen KWS zum Typ 1A7 erhielten einige Varianten des Fuchses unter anderem eine zusätzliche Panzerung.

Die als 1A7 bezeichneten Transportpanzer wurden mit einer modularen Schutzausstattung (MSA) zusätzlich gepanzert und sind mit der Funkgerätefamilie SEM 80/90 sowie teilweise mit Raumkühlanlagen ausgestattet; insgesamt erhielten 124 Fahrzeuge diese Umrüstung und sind vorwiegend in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr zu finden. Die Schutzausstattung besteht aus der adaptierten Zusatzpanzerung vom Typ MEXAS auf den Außenflächen, einem Splitterschutz im Innenraum (dem sogenannten Spall-Liner) und einem erweiterten Minenschutz im Bodenbereich des Fahrzeugs.

Fahrzeuge, die im Rahmen eines im Jahr 2002 vergebenen Auftrags über 45 Millionen Euro modernisiert wurden, erhielten die Bezeichnung TPz A7; die jüngste Upgradestufe trägt die Bezeichnung TPz A8, deren Auslieferung an das Heer im März 2008 begann und die einen verbesserten Schutz gegen Minen und Sprengfallen einführte.

Fuchs 2

Der Fuchs 2 ist eine Weiterentwicklung von Rheinmetall Landsysteme; äußerlich ähnelt er dem Fuchs 1, wurde jedoch einigen Leistungssteigerungen unterzogen. So besitzt er eine von vier auf neun Tonnen erhöhte Zuladung und ein auf 25 Tonnen erhöhtes Zulässiges Gesamtgewicht sowie einen Euro-III-Dieselmotor von MTU mit 335 kW (455 PS). Er wurde der Öffentlichkeit erstmals auf der MSPO 2001 in Polen vorgestellt. Im Jahr 2005 erfolgte die erste Bestellung für Fuchs-2-Varianten zur ABC-Aufklärung für die Vereinigten Arabischen Emirate; 2014 genehmigte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Übertragung von Produktionsanlagen nach Algerien zur dortigen Fertigung des Fuchs 2.

Technik

Der Fuchs 1 ist ein gepanzerter Radpanzer mit Allrad- und Schwimmantrieb. Die selbsttragende Wanne aus Panzerstahlblech schützt vor Beschuss aus Handfeuerwaffen und Splittern; Panzerglasscheiben ermöglichen die geschützte Sicht nach vorne und zu den Seiten. Ein Teil der Flotte verfügt über einen zusätzlichen Schutz vor Minen und Sprengfallen; der Transportpanzer Fuchs verfügt über eine ABC-Schutzbelüftungsanlage und ist in einigen Varianten schwimmfähig.

Der Fahrer sitzt vorn links, der Fahrzeugführer rechts neben ihm; beide verfügen über eigene Türen. Der Truppen- bzw. Laderaum im Heck des Fahrzeugs ist 3,2 m lang, 1,25 m hoch und an seiner breitesten Stelle 1,5 m breit. In der APC-Konfiguration nehmen zehn Infanteristen auf einzelnen Schalensitzen Platz, je fünf auf jeder Seite; diese Sitze können bei Nichtbedarf hochgeklappt werden.

Technische Daten (Fuchs 1)

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wesentlichen technischen Kenndaten des Fuchs 1 gemäß den verfügbaren Quellenangaben.

MerkmalWert
AntriebMercedes-Benz OM 402A, V8, 12,8 Liter, wassergekühlt, 320 PS (240 kW)
Getriebe6-Gang-Planetengetriebe mit Drehmomentwandler
Höchstgeschwindigkeit (Straße)mehr als 100 km/h
Besatzung + Zuladungbis zu 10 Infanteristen (in APC-Konfiguration)
Nutzlast (Amphibienbetrieb)4.000 kg
Nutzlast (Land)bis zu 5.000 kg
Panzerungvollverschweißter Panzerstahl
Schwimmfähigkeitbei frühen Varianten vorhanden; später zugunsten höherer Nutzlast/Panzerung aufgegeben
Produzierte Stückzahl (Fuchs 1)1.236 Fahrzeuge (RMMV und Vorgänger)

Varianten und Versionen

Der Transportpanzer Fuchs kann mit verschiedenen Einbausätzen (EBS) oder Rüstsätzen (RS) an den jeweiligen Einsatzzweck angepasst werden; durch die unterschiedlichen Basisausführungen (Standard, Funk, EloKa) und die verschiedenen Einbau- und Rüstsätze ergeben sich mehr als 90 denkbare Kombinationsmöglichkeiten. Die folgende Übersicht benennt die wichtigsten Varianten.

TPz 1 Standard (Grundmodell)

Die Standardversion oder das Grundmodell dient als Mannschaftstransportfahrzeug; es kann mit verschiedenen Einbau- und Rüstsätzen ergänzt werden, die die Anordnung der Ausrüstung im und auf dem Fahrzeug sowie die Fahrzeugbewaffnung bestimmen. Äußerlich ist das Grundmodell an den glatten Hecktüren zu erkennen, da es über kein Stromerzeugeraggregat (SEA) verfügt.

TPz 1A1 EloKa / Störpanzer Hummel

Bereits zu Beginn der Projektierung des Fuchs in den 1970er-Jahren bestand die Forderung der Bundeswehr, dass eine Variante des neuen Transportpanzers für die Fernmeldetruppe EloKa einen Rüstsatz für die elektronische Kampfführung und -Aufklärung mitführen können sollte. Der Störpanzer Hummel ist ein hochmobiles, leistungsfähiges System für elektronische Gegenmaßnahmen im VHF-/UHF-Bereich; mit seinem Sender kann er gegnerische Signale aus dem gesamten relevanten elektromagnetischen Spektrum stören, wobei sein Störsender im Mehrkanal-Betrieb gegen Sprach- und Datenverbindungen eingesetzt wird. Der Hummel unterscheidet sich äußerlich von der Standardvariante durch den fehlenden Schwallschild, die heruntergezogenen Radkästen im Heckbereich, die fehlenden Propeller, das Stromerzeugungsaggregat an der linken Hecktür und den Antennenwald auf dem Dach.

TPz 1A3 ABC / Spürpanzer Fuchs (1A8A7 ABC)

Die erste Version zur ABC-Aufklärung kam 1988 in die Bundeswehr; in dieser Zeit avancierte das Spezialfahrzeug zum wichtigsten Aufklärungsmittel der ABC-Abwehr-Verbände. Die ABC-Abwehr-Verbände des Unterstützungsbereichs verfügen über die aktuelle Variante 1A8A7 ABC, die als das weltweit effektivste System zur Aufspürung von atomaren und chemischen Kampfstoffen gilt. Der Spürpanzer Fuchs kann mittels seiner hochmodernen, integrierten Spürausstattung schnell und großräumig A/C-Kampfstoffe in der Luft sowie am Boden nachweisen. Der neue Spürpanzer Fuchs TPZ 1 A8A7 ABC ist mit einer Such-Spür-Messeinrichtung ausgestattet und bietet Platz für zwei Spürer; die Bewaffnung FLW200 und die Spezialpanzerung tragen zum Schutz bei, und das Fahrzeug verfügt über ein Führungs- und Informationssystem sowie einen spezifischen Rüstsatzrechner zur Steuerung der Sensorik.

Beweglicher Arzttrupp (BAT)

Im Unterstützungsbereich der Bundeswehr bietet der Fuchs dem Beweglichen Arzttrupp (BAT) Schutz und Beweglichkeit. Mit dem entsprechenden Einbausatz wird der Fuchs zu einem gepanzerten Krankenkraftwagen (KrKw) ausgerüstet, mit dem bis zu vier liegende oder zwei liegende und vier sitzende Verwundete sowie ein Sanitätssoldat zur Versorgung transportiert werden können; die Halterungen entsprechen dem NATO-Standard, und gemäß der Genfer Konvention ist das Fahrzeug unbewaffnet. Mit der Zusatzausstattung des Fahrzeuges kann ein liegender Patient intensivmedizinisch versorgt werden.

CG20+ sUAS (Störpanzer)

Das System CG20+ auf Basis des Transportpanzers Fuchs diente ursprünglich dazu, die Auslösung von funkferngesteuerten improvisierten Sprengvorrichtungen zu verhindern und so zum Beispiel Konvois im internationalen Krisenmanagement wie in Afghanistan oder Mali zu schützen. Heute passt sich das Hauptwaffensystem der EloKa-Kräfte mit der Fähigkeitserweiterung sUAS (small Unmanned Aircraft Systems) dem neuen Bedrohungsspektrum an. Der Transportpanzer Fuchs CG20+ sUAS wird als Konvoi-Störsystem innerhalb von Marschgruppen in unmittelbarer Nähe von besonders schützenwerten Fahrzeugen eingesetzt; außerdem ist ein Einsatz als quasistationäres System an anschlagsgünstigen Punkten möglich.

KWS Radio Multiband (KWS RMB)

Die Kampfwert-Steigerung Radio Multiband (KWS RMB) auf dem Transportpanzer Fuchs kann Radarsignale erfassen, anpeilen und auswerten. Mit dem ausgefahrenen Radar-Erfassungssystem können elektromagnetische Ausstrahlungen geortet, erfasst und analysiert werden; das Radar-Erfassungssystem ist dabei am Fahrzeug befestigt.

Pionierführungsfahrzeug (PiFü-Fuchs)

Der als PiFü-Fuchs bezeichnete Transportpanzer dient den Pioniereinheiten als Pioniererkunder auf Divisionsebene und als Führungsfahrzeug für den Kompaniechef und Zugführer auf Brigadeebene.

Nutzung bei der Bundeswehr und Auslandseinsätze

Der Transportpanzer Fuchs ist mit seinen sechs allradgetriebenen Rädern hoch geländegängig; in den 1970er-Jahren entwickelt, hat sich der bis heute stetig modernisierte Fuchs in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr bewährt. Der Fuchs wird in zahlreichen Versionen genutzt; das Heer setzt ihn beispielsweise als Gruppenfahrzeug der Aufklärungstruppe oder als Rüstsatzträger der Pioniertruppe ein. Dem Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum (CIR) dient der Transportpanzer Fuchs als Trägerfahrzeug für Technik des elektronischen Kampfes.

Fahrzeuge wie der Transportpanzer Fuchs sind zur Beförderung von Soldaten und Personal gedacht; im Vergleich zu Schützenpanzern sind sie deutlich schwächer gepanzert, halten aber Artilleriesplittern und dem Beschuss mit Maschinengewehren stand, und sind meist nur mit schweren Maschinengewehren oder Granatmaschinenwaffen bestückt.

Voll geländegängig und 320 PS stark, hat er sich in Auslandseinsätzen wie etwa in Somalia und Afghanistan bewährt. Transportpanzer vom Typ Fuchs patrouillierten auch im Südsudan. Insgesamt erhielten 124 Fahrzeuge die modulare Schutzausstattung (MSA) im Rahmen der Umrüstung auf den 1A7-Standard und sind vorwiegend in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr zu finden.

Im Rahmen von Kampfwertsteigerungen erhielten die Sätze Führungsfahrzeug, Gruppenfahrzeug Pioniere, Gruppenfahrzeug Panzeraufklärer und Beweglicher Arzttrupp das Führungs- und Informationssystem FAUST (Führungsausstattung, taktisch) zur vernetzten Operationsführung und Einbindung in das bestehende System FüInfoSys Heer der Bundeswehr. Darüber hinaus wurden 2008 vereinzelt die Transportpanzer mit einem Störsender (CG20) ausgestattet.

Internationale Nutzer

Bekannte Abnehmerstaaten des Fuchs sind die algerischen, kuwaitischen und die Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate. Nachdem 2014 bereits Fuchs-1-Panzer nach Algerien geliefert wurden, bestellte Algerien im Februar 2024 insgesamt 980 Fuchs-2-Panzer im Wert von 2,7 Milliarden Euro, die bei einer Rheinmetall-Tochterfirma bis 2028 in Algerien hergestellt werden sollen.

Nachfolge

In Deutschland soll das Fahrzeug Patria 6×6 den Transportpanzer Fuchs der Bundeswehr ersetzen. Langfristig ist geplant, alle rund 1.000 in die Jahre gekommenen Transportpanzer Fuchs zu ersetzen. Am 18. Dezember 2025 wurden die ersten beiden Serienverträge zur Beschaffung des marktverfügbaren Patria 6×6 geschlossen. An dem internationalen CAVS-Programm nehmen die Staaten Finnland, Lettland, Schweden, Dänemark, Großbritannien, Norwegen und Deutschland teil. Deutschland erhielt die ersten fünf Fahrzeuge des Patria 6×6 im Februar 2026.

Quellen

Dieser Artikel stützt sich ausschließlich auf folgende Quellen:

  • Bundeswehr – Ausrüstung und Technik: Der Transportpanzer Fuchs: https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/landsysteme-bundeswehr/transportpanzer-fuchs
  • Bundeswehr – Transportpanzer Fuchs 1A8A7 ABC: https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/landsysteme-bundeswehr/transportpanzer-fuchs-abc
  • Bundeswehr – Transportpanzer Fuchs CG20+ sUAS: https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/landsysteme-bundeswehr/transportpanzer-fuchs-cg20-suas
  • Bundeswehr – Kampfwert-Steigerung Radio Multiband (KWS RMB): https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/landsysteme-bundeswehr/transportpanzer-fuchs-kws-rmb
  • Bundeswehr – Störpanzer Hummel: https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/landsysteme-bundeswehr/stoerpanzer-hummel
  • Bundeswehr – Der Neue kommt: Radpanzer Patria 6×6 löst Multitalent Fuchs ab: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/ausruestung-baainbw/aktuelles/patria-2026-auslieferung-6054218
  • Bundeswehr – Panzer der Bundeswehr: https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/panzer-bundeswehr
  • Wikipedia – Fuchs (Panzer): https://de.wikipedia.org/wiki/Fuchs_(Panzer)
  • Wikipedia – Patria 6×6: https://de.wikipedia.org/wiki/Patria_6x6
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