Bild: Bundeswehr/Marco Dorow
Übung Grand Eagle 2 in Litauen. Reservisten vom Jägerbataillon 921 trainieren das geschlossene Vorgehen während der Ausbildung im urbanen Kampf bei der Übung Grand Eagle 2 auf dem Truppenübungsplatz Pabrade/Litauen, am 30.08.2024.

Die Bundeswehr ermöglicht es Bürgerinnen und Bürgern ohne jede militärische Vorerfahrung, Reservistinnen und Reservisten zu werden. Seit Januar 2026 wird für die Ausbildung Ungedienter ein bundesweit einheitliches Verfahren angewandt, um engagierten Bürgerinnen und Bürgern einen Zugang zur Reserve zu eröffnen. Das Programm ist ausdrücklich Teil der sicherheitspolitischen Gesamtstrategie: Die Ausbildung Ungedienter ist ein wesentlicher Bestandteil des vom Bundesminister der Verteidigung verfolgten Ziels, die Reserve und insbesondere den Heimatschutz zu stärken.

Im Verteidigungsfall werden die dann ausgebildeten Reservisten im Schutz und in den Sicherungselementen der Teilstreitkräfte Luftwaffe, Marine und Cyber- und Informationsraum sowie des Unterstützungsbereiches der Bundeswehr und der Heimatschutzkräfte des Heeres eingesetzt. Im Krisenfall ermöglichen Reservistinnen und Reservisten einen schnellen Aufwuchs der Streitkräfte, um einen Aggressor von einem Angriff abzuschrecken oder diesen im Ernstfall abzuwehren, und stellen sicher, dass Deutschland und seine Bevölkerung umfassend und anhaltend verteidigt werden können.

Modulare Ausbildung – flexibel und berufsbegleitend

Bis zur Reorganisation der Bundeswehr wurde die Ausbildung Ungedienter dezentral in den Landeskommandos durchgeführt. Mit der Neuordnung ging die fachliche Verantwortung auf das Kompetenzzentrum Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr im Streitkräfteamt (SKA) über. Die Planung und Durchführung übernimmt die neu aufgestellte Gruppe „beorderungsunabhängige Reservistenarbeit“. Ziel der Neuorganisation ist es, die Ausbildung bundesweit einheitlich, modular und flexibel anzubieten. In diesem Jahr stehen rund 1.000 Plätze zur Verfügung.

Die Ausbildung Ungedienter beginnt mit zwei Blöcken zu je zehn Tagen. Anschließend werden in verschiedenen Modulausbildungen Theorie und Praxis vertieft und neue Trainings aufgegriffen. Unabhängig vom gewählten Modell haben die Teilnehmenden bis zu drei Jahre Zeit für den Abschluss der Ausbildung. Diese ist so angelegt, dass ein Abschluss bereits nach einem Jahr möglich ist. Verpasste Ausbildungsinhalte können in späteren Modulen nachgeholt werden, auch an wechselnden Standorten.

Dass die Vereinbarkeit mit dem Berufsleben machbar, aber nicht trivial ist, bestätigen Teilnehmende aus der Praxis. Lasse W. aus Kiel hat sich ganz bewusst für das Flexmodell entschieden, um seinen Beruf als Softwarearchitekt und den Reservedienst am besten miteinander vereinbaren zu können. Für den 46-jährigen Ingenieur Andreas B. ist der Organisationsaufwand persönlich nach eigenen Worten zwar groß, um Ausbildung und Job sowie Familie unter einen Hut zu bekommen – „aber ich wollte das unbedingt.“

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Breites Bewerberfeld – hohe Motivation

Das Interesse an dem Programm ist erheblich. Über 600 Bewerbungen gingen bisher für die Ausbildung Ungediente im Landeskommando ein. Die Beweggründe der Teilnehmenden sind vielfältig, oft aber geopolitisch geprägt. Für Thomas Z. war der russische Angriff auf die Ukraine 2022 eines der Schlüsselerlebnisse für die Entscheidung, sich in der Reserve der Bundeswehr engagieren zu wollen. Der 53-jährige Professor ist sich sicher: „Wenn es darauf ankommt, brauchen wir viele Reservisten, ich möchte einen Teil dazu beitragen.“

Ähnlich äußerte sich Jäger Stefanie F., die beim Heimatschutzregiment 2 in Münster ausgebildet wird: „Jeder sieht die aktuelle Weltlage. Was im Ukrainekrieg gegen Zivilisten, vor allem gegen Frauen und Kinder passiert – das sollte jedem zu denken geben.“ Die 35-Jährige bewarb sich vor etwa einem Jahr für das Programm und bekam nach einem Assessment im Karrierecenter Düsseldorf noch am selben Tag das „Go“. „Ich bekomme von allen Seiten Unterstützung, werde als Frau nicht benachteiligt oder anders behandelt“, schildert sie ihre Eindrücke.

Das Projekt der Ausbildung für Ungediente begann in Bayern und stellte sich als Erfolgsmodell für die Heimatschutzkompanien heraus. Das Heimatschutzregiment 2 bildet nun erstmals auch selbst Ungediente aus Nordrhein-Westfalen aus. Auf Ausbilderseite lautet das Credo klar: „Reservisten bilden Reservisten aus“ bleibt ein zentrales Motto der Ausbildung. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf dem Soldatenhandwerk: „Wir haben uns auf das Wesentliche beschränkt, nämlich den sicheren Umgang mit der Handwaffe. Das müssen die Soldaten am Ende können.“ Für die interne Bewertung wurde ein Bewertungsbogen entwickelt.

Interessierte ohne Bundeswehr-Vorerfahrung können sich nach Angaben der Bundeswehr grundsätzlich im Streitkräfteamt in Bonn bei der Ansprechstelle für Reservistenangelegenheiten (AnsprStResAngel) melden. Diese nimmt unter der Telefonnummer 0228 5504 6444 Daten auf. Alternativ stehen die Karriereberaterinnen und Karriereberater der Bundeswehr als erste Anlaufstelle zur Verfügung; dort können Interessierte einen Gesprächstermin vereinbaren und gemeinsam ihre Vorstellungen von einem Engagement in der Reserve und den Bedarf der Bundeswehr erörtern.

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