Wolf 2: Länger, breiter, stärker

Seit November 2023 unterzieht die Bundeswehr ihren neuen Geländewagen Wolf 2 einer umfassenden Erprobung. Im kommenden November sollen die ersten Serienfahrzeuge zulaufen und damit den bisherigen Wolf ablösen, der seit Jahrzehnten als ikonischer Allzweckgeländewagen in der Truppe im Einsatz ist. Grundlage ist ein im Juli 2024 geschlossener Rahmenvertrag mit Mercedes-Benz über bis zu 5.800 Fahrzeuge, von denen 1.500 bereits fest bestellt sind. Fünf Vorserienfahrzeuge wurden für die Tests geliefert.

Der Wolf 2 basiert auf der neuesten militärischen G-Klasse (Baureihe 464) von Mercedes-Benz, ist jedoch eine zivil nicht erhältliche Spezialversion. Wie sein Vorgänger ist er hochgeländegängig und für den Transport von bis zu vier Soldatinnen und Soldaten mit voller persönlicher Ausstattung vorgesehen. Er kommt in Varianten als Führungsfahrzeug und als Feldjägerfahrzeug. Die Fahrzeuge sind von Beginn an für die Aufnahme der digitalen Funk- und Führungsausstattung D-LBO vorbereitet und rollen damit als erste Bundeswehrfahrzeuge serienmäßig in die digitale Führungsdimension.

Erprobung bis an die Belastungsgrenze

Der Kraftfahrer fährt den neu einzuführenden Wolf 2 durch matschiges Gelände während der Erprobung auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 41 (WTD 41) in Trier, am 23.07.2025.

Die Tests erfolgen bei den Wehrtechnischen Dienststellen in Trier (WTD 41) und Greding (WTD 81). Dabei muss der Wolf 2 insgesamt 16.000 Kilometer unter härtesten Bedingungen bestehen – von Schotterpisten über synthetische Teststrecken bis hin zu besonders abriebstarkem Sand und natürlichem Gelände. Ergänzt werden die Fahrten durch Klimatests in der Kammer, die Temperaturen zwischen minus 34 und plus 49 Grad simulieren, sowie Untersuchungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit von Fahrzeug und Kommunikationsausrüstung. Neben menschlichen Testfahrern kommen auch Fahrroboter zum Einsatz. Alle Fahrten werden mit maximaler Zuladung – Dummys, Gewichtsplatten und Sandsäcke – durchgeführt, um realistische Einsatzbedingungen zu simulieren.

Der Projektleiter Peter K. betont, dass besonders der erste von vier Fahrzyklen entscheidend sei, da er die Risikobewertung für die Serienfreigabe enthält. Diese ist mittlerweile erfolgt, sodass die Massenproduktion anlaufen kann. Ab April 2026 wird eine wöchentliche Produktion von bis zu 30 Fahrzeugen erwartet, die dann im gleichen Takt in die Truppe gelangen sollen.

Der Wolf 2: Länger, breiter, stärker

Im Vergleich zum Vorgänger ist der Wolf 2 rund 200 Millimeter länger, 100 Millimeter breiter und 220 Millimeter höher. Unter der Haube arbeitet ein Euro-3-Motor mit 183 kW (249 PS) und 600 Nm Drehmoment, gekoppelt an ein Automatikgetriebe. Damit übertrifft er die ursprüngliche Motorisierung des Wolf mit 68 bis 115 kW deutlich. Das Aggregat ist so ausgelegt, dass es sowohl Kraftstoff nach NATO-Standard als auch minderwertigere Qualitäten verträgt. In Notlagen können Schutzfunktionen übersteuert werden, um kurzfristig die volle Leistung abzurufen.

Testumgebung aktiviert!

Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 4,5 Tonnen und einer Zuladung von bis zu 1,2 Tonnen transportiert der Wolf 2 vier Gefechtsbereite samt Ausrüstung, Handwaffen, Munition und Verpflegung. In der Praxis zeigt er sich nicht nur robuster und leistungsstärker als sein Vorgänger, sondern auch einsteigerfreundlicher. „Wo der alte Wolf sich im Schritttempo quält, fährt der Wolf 2 locker mit 20 km/h hoch“, berichtet ein Erprobungsfahrer der WTD 41.

Damit leistet das Vorhaben nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung der Truppe, sondern auch zur rechtzeitigen Erfüllung deutscher NATO-Verpflichtungen.

Bilder: Bundeswehr/ Christoph Kassette

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