Der Lkw gl leicht Wolf ist ein Militärfahrzeug von Mercedes-Benz, das von der Bundeswehr und anderen staatlichen Organisationen genutzt wird. Der Geländewagen gehört zu den Radfahrzeugen der „dritten Generation“ und ist eine Sonderentwicklung der Mercedes-Benz G-Klasse. Er gilt als Standard-Geländewagen der Bundeswehr und prägte über mehrere Jahrzehnte das Bild der deutschen Streitkräfte im In- und Ausland.
Entwicklung und Geschichte
Nachdem der Mercedes G bereits in den 1970er-Jahren an einer Ausschreibung teilgenommen hatte, die zur Beschaffung des VW Iltis führte, wurden Mitte der 1980er-Jahre die Fahrzeuge der „dritten Generation“ entwickelt. Dazu zählte auch ein geländegängiges Fahrzeug, das den Lkw 0,5 t gl (VW Iltis), den Lkw 0,75 t gl (Kraka) und den Pkw 0,4 t (VW 181) ersetzen sollte. Die Planung sah vor, 17.000 Fahrzeuge zu beschaffen. Acht Unternehmen beteiligten sich an der internationalen Ausschreibung; zum Schluss blieben Daimler-Benz mit dem österreichischen Entwicklungspartner Steyr-Puch und Volkswagen übrig. Die Entscheidung fiel Anfang der 1990er-Jahre für Mercedes-Benz mit einer Stückzahl von 12.000 Fahrzeugen.
In den 1990er-Jahren zeigten sich mit den zunehmenden Auslandseinsätzen der Bundeswehr im ehemaligen Jugoslawien die Grenzen des Wolf. Durch die zusätzlich angebrachte Panzerung (modulare Schutzausstattung, MSA) war das Fahrzeug stark untermotorisiert und benötigte einen stärkeren Antrieb. 1996 wurde daher der Mercedes 290 GD SSA (Sonderschutz-Ausstattung) beschafft, da die mit MSA nachgerüsteten Fahrzeuge nicht den Anforderungen genügten. Die wichtigsten Unterschiede gegenüber den Vorgängermodellen waren die größere Fahrzeugbreite, Klimaanlage, zwei Funkgeräte und Run-Flat-Reifen.

Technik
Alle Modelle verfügen über einen während der Fahrt zuschaltbaren Allradantrieb, der nochmals in Straßen- und Geländeübersetzung unterteilt ist, sowie über eine Differentialsperre für die Vorder- und Hinterachse. Außerdem besitzen die Fahrzeuge einen von der normalen Beleuchtung unabhängigen Tarnlichtkreis. Die Bordnetzspannung beträgt 24 V und entspricht damit dem Standard in der Bundeswehr. Die Militärversion ist mit einer Gewehrhalterung zwischen Fahrer- und Beifahrersitz, einer Kartenleselampe sowie einer Spatenhalterung und einer 24-V-Anschlussbuchse zum Fremdstarten im Motorraum ausgestattet.
| Bezeichnung (Bundeswehr) | Lkw gl leicht Wolf (MB 250 GD) |
| Hersteller | Mercedes-Benz (Baureihe W 461) |
| Motor (250 GD) | Mercedes-Benz 602, 5-Zylinder-Diesel, 92 PS bei 4.600 U/min |
| Motor (Wolf SSA) | Turbodiesel G270 CDI, 156 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 90 km/h |
| Besatzung | bis zu 4 Personen |
| Bordnetzspannung | 24 V |
| Reifen | 225/75 R 16 (Radialreifen, grobes Profil) |
Varianten
Mit einer Typenvielfalt von über 50 Versionen findet sich der Wolf neben dem Transportpanzer M113 auf Platz 2 in der Bundeswehr. Die wichtigsten Varianten und daraus hervorgegangene Fahrzeuge werden im Folgenden aufgeführt.
- Lkw gl leicht Wolf (MB 250 GD): Die Version „kurz offen“ ist die am häufigsten genutzte. Generell ist der Lkw gl leicht Wolf ungepanzert. Teilweise wurden die Fahrzeuge mit dem Modularen Splitterschutz (MSS) und der Modularen Schutzausstattung (MSA) nachgerüstet.
- Wolf SSA (Sonderschutzausstattung): Technische Verbesserungen, eine höhere Geländegängigkeit und vor allem die Sonderschutzausstattung (SSA) sind die Merkmale des Wolf SSA. Das Fahrzeug ist eine Weiterentwicklung des Standardgeländewagens Wolf und basiert auf dem zivilen G270 CDI von Mercedes-Benz. Es sind sowohl die Scheiben als auch der komplette Aufbau gepanzert, wodurch die Insassen besser gegen leichten Maschinengewehrbeschuss geschützt sind. Ein zusätzlicher Landminenschutz kann an den Unterboden angebracht werden.
- Wolf Luftlande (LL): Die Ausführung der Luftlandetruppen (LL) besitzt vier zusätzliche Verzurrösen an den Seiten, die ein schnelles Verzurren in den Luftfahrzeugen ermöglichen.
- Serval (Wolf AGF): Aus dem G-Modell entwickelt ist der Serval als Transportfahrzeug des KSK. In nur zehn Monaten entstand der Prototyp auf der Basis des Wolf 270 CDI, speziell für die Anforderungen von Spezialeinsatzkräften ausgelegt.
- LAPV Enok: Als neueste geschützte Variante tritt der LAPV Enok als Weiterentwicklung des Wolf SSA zur Fahrzeugfamilie.
Nutzung bei der Bundeswehr und Einsatz
Das Fahrzeug wird in der gesamten Bundeswehr eingesetzt. Alle Varianten sind grundsätzlich im Transportflugzeug A400M und im mittleren Transporthubschrauber CH-53G/GS luftverladbar. Der Transport als Außenlast am Hubschrauber ist bei fast allen Varianten möglich. Die Luftlandeausführung (LL) des Wolf verfügt über weitere Anschlagpunkte an der Fahrzeugseite. Hinter den Vordersitzen verfügt der Lkw gl leicht 250 GD über Platz für den Einbau von Rüstsätzen oder Sitzen für zwei zusätzliche Passagiere. Zu den möglichen Rüstsätzen gehören der Feldkabelbautrupp, Funk und Feuerleittrupp Mörser.
Der Wolf SSA hat sich im Einsatz seit langem bewährt – zum Beispiel bei der ISAF in Afghanistan. Soldaten der Objektschutzkompanie nutzten ihn auf Patrouille im Rahmen der Stabilisierungsmission MINUSMA in Mali. Der Mercedes Wolf G 270 CDI wird beim Sanitätsdienst in der Variante als Luftbeweglicher Arzttrupp (LBAT) eingesetzt, der aus zwei Fahrzeugen besteht: ein Fahrzeug für den Verwundetentransport, das andere als Notarztwagen. In den Fahrzeugen der Feldjäger sind zusätzlich militärpolizeiliche Geräte wie zusätzliche Funkeinrichtungen – sogenannte Rüstsätze – verbaut.
Nachfolger: Wolf 2
Der Wolf 2 ist ein militärisches Mehrzweckfahrzeug der Bundeswehr und das Nachfolgemodell des seit den 1980er-Jahren genutzten Wolf. Im Juli 2024 schloss die Bundeswehr mit Mercedes-Benz einen Rahmenvertrag über die Lieferung von zunächst 1.500 Fahrzeugen ab. Der Vertrag sieht eine Option auf insgesamt bis zu 5.800 Exemplare vor. Basis des Wolf 2 ist die militärische Baureihe W 464 der Mercedes-Benz G-Klasse. Das Fahrzeug hat einen Leiterrahmen mit aufgesetzter Karosserie und ist für eine zulässige Gesamtmasse von 4,5 t ausgelegt. Der Wolf 2 ist das erste Fahrzeug, das serienmäßig mit der neuen digitalen Funk- und Führungsarchitektur D-LBO (Digitalisierung landbasierter Operationen) ausgestattet ist. Er wird in zwei Varianten kommen: in der Version Militärpolizei für die Feldjäger und als Führungsfahrzeug für den Rest der Truppe. Bereits im November 2024 wurden die ersten fünf Vorserienfahrzeuge an die Wehrtechnische Dienststelle zur Erprobung übergeben.
Quellen (6)
- Bundeswehr: Lkw gl leicht Wolf – https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/landsysteme-bundeswehr/lkw-gl-leicht-wolf
- Bundeswehr: Der geschützte Geländewagen Wolf SSA – https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/landsysteme-bundeswehr/wolf-ssa
- Bundeswehr: Wolf 2 – ein leichter Lkw für die Bundeswehr – https://www.bundeswehr.de/de/beschaffung-wolf-2-5935418
- Bundeswehr: Erprobung des neuen Geländewagens Wolf 2 – https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/gelaendewagen-wolf-2-test
- Wikipedia: Wolf (Fahrzeug) – https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_(Fahrzeug)
- Wikipedia: Wolf 2 – https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_2
