Allschutz-Transportfahrzeug Dingo

Der ATF Dingo ist ein stark gepanzertes deutsches Infanterie-Mobilitätsfahrzeug (MRAP) auf Basis eines Unimog-Fahrgestells mit V-Rumpf-Design, hergestellt von KNDS Deutschland (vormals Krauss-Maffei Wegmann, KMW). Er ist als Allschutz-Transport-Fahrzeug (ATF) besonders auf Konvoi- oder Patrouillenfahrten gefragt und zählt zu den meistbewährten geschützten Fahrzeugen der Bundeswehr.

Entwicklung und Geschichte

Der erste Prototyp des Dingo 1 wurde 1995 fertiggestellt; das erste Serienfahrzeug des Dingo 1 trat im Jahr 2000 seinen Dienst beim deutschen Heer an. Der Dingo 2 wurde Ende 2004 in Dienst gestellt, nachdem er von November 2003 bis Mai 2004 Erprobungen durchlaufen hatte. Besonders die zunehmenden Auslandseinsätze führten zur Beschaffung einer ganzen Reihe neuer teils gepanzerter und/oder teils luftverlastbarer Fahrzeuge – darunter der Dingo 2.

Der Name des Fahrzeugs leitet sich vom australischen Wildhund, dem Dingo, ab. Der ATF Dingo besitzt ein modulares Design mit fünf Elementen: Fahrgestell, Schutzzelle, Stauraum, Motorraum und Minen-Deflektorboden. Im Zuge laufender Weiterentwicklungen wurden Fahrwerk und Federungssystem kontinuierlich optimiert.

Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) gewährleisten auch außerhalb des Lagers die Sicherheit ihrer Kameradinnen und Kameraden während der UN-Mission MINUSMA in Gao/Mali, am 11.09.2023. Bild: Bundeswehr/Jana Neumann

Fahrzeugbeschreibung

Der Dingo 2 GE 2 A2.3 Pat/Sich (Dingo Typ 2, Variante Patrouillen/Sicherung, Los 2.3) ist ein leichtes, geländegängiges und luftverladbares, geschütztes Führungs- und Funktionsfahrzeug. Sein Unimog-Fahrgestell macht ihn wendig und geländegängig. Durch seine relativ geringen Abmessungen können auch enge und kurvenreiche Straßen in bebautem Gebiet gut befahren werden.

Der ATF Dingo 2 A2 wird von einem OM 924 LA Viertaktdieselmotor der Daimler AG mit einer Leistung von 163 kW/222 PS angetrieben. Der Motor befindet sich über der Vorderachse. Auf den teilbaren Halbtiefbettfelgen des ATF Dingo 2 kommen 365/80R20 XZL 152 M-Profil-Reifen mit Notlaufringen zum Einsatz; eine Reifendruckregelanlage erlaubt die Anpassung des Reifendrucks an die jeweilige Bodenbeschaffenheit.

Der Dingo bietet bis zu acht Personen Platz. Alle in die Sicherheitszelle des ATF Dingo 2 eingebauten Sitze verfügen über eine minenschutzgerechte Aufhängung; jeder Sitz ist mit einer verstellbaren Nackenstütze und einem 4-Punkt-Sicherheitsgurt ausgestattet. Um zu verhindern, dass bei einer Ansprengung Ausrüstungsgegenstände zu lebensgefährlichen Sekundärprojektilen werden, gibt es in der Sicherheitszelle Halterungen, verschließbare Staufächer oder Türtaschen.

Im Dach der Sicherheitszelle des ATF Dingo 2 befindet sich hinter der Grundplatte für die Waffenstation eine Dachluke, die als Notausstieg dient und den Zugang zur Waffenstation gewährleistet.

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Ausstattung

Zur serienmäßigen Ausstattung des Dingo gehören:

  • Klimaanlage
  • Standheizung
  • Antiblockiersystem (ABS)
  • Rückfahrkamera
  • SatCom-Anlage (Satellitenkommunikationsanlage)
  • GPS-Navigationseinrichtung
  • Funk- und Außenbordsprechanlage

Technische Daten (Dingo 2 A2.3)

Besatzung6 (8)
MotortypOM 924 LA Viertakt-Dieselmotor (Daimler AG)
Motorleistung163 kW / 222 PS
Max. Drehmoment810 Nm
Höchstgeschwindigkeit89 km/h
Länge6,11 m
Breite2,39 m
Höhe2,60 m (ohne Waffenstation)
Gesamtgewicht12,5 t
Nutzlast1.200 kg
Achslast6,8 t
Bodenfreiheit495 mm
Wattiefe1,2 m
MLC14
Reifen365/80R20 XZL 152 M-Profil mit Notlaufringen
Bewaffnung (FLW 100)MG3, MG4
Bewaffnung (FLW 200)Granatmaschinenwaffe 40 mm, schweres Maschinengewehr Kaliber .50 (12,7 × 99 mm)

Bewaffnung

Je nach Ausführung sind die ATF Dingo 2 mit der Überkopf-Waffenstation Typ 1530, der Fernbedienbaren Waffenstation FLW 100 oder der FLW 200 ausgestattet. Die Varianten Dingo 1, Dingo 2 A1 und Dingo 2 A2 sind mit der mechanischen Waffenstation Typ KMW 1530 ausgerüstet. Die Varianten Dingo 2 A2.3 und folgende erhalten die Fernbedienbare Leichte Waffenstation (FLW) in der leichten oder schweren Ausführung.

Das ATF Dingo kann mit dem Maschinengewehr MG3 beziehungsweise MG5, der Granatmaschinenwaffe Kaliber 40 Millimeter oder einem schweren Maschinengewehr Kaliber .50 (12,7 × 99 Millimeter) bewaffnet werden. Der Bediener sitzt sicher im Inneren der Kabine und steuert die Waffe über ein elektro-optisches Visier mit Nachtsichtfähigkeit.

Schutzkonzept

Das ATF auf dem Fahrgestell eines Unimogs schützt seine Besatzung vor Beschuss, Sprengfallen, Minen, aber auch ABC-Kampfstoffen. Der Dingo bietet Rundumschutz gegen Handfeuerwaffen aller Arten bis einschließlich Kaliber 7,62 mm. Der Schutz hält einigen Kilogramm TNT-Sprengstoff und leichtem Maschinengewehrfeuer stand.

Für die Panzerung kommt IBDs mehrlagiges MEXAS-System zum Einsatz; die Fenster sind angewinkelt, um Detonationen und Geschosse abzuleiten. Darüber hinaus verfügt das Fahrzeug über ein speziell entwickeltes Deflektor-System, das der Besatzung in dieser Fahrzeugklasse bislang nicht erreichter Schutz gegen schwere Panzerabwehrminen und IED (Improvised Explosive Device, unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung) bietet.

Varianten

Die Bundeswehr besitzt mehr als 500 Dingos in unterschiedlichen Versionen; großteils werden sie im Heer und im Unterstützungsbereich eingesetzt. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die im Dienst befindlichen Varianten gemäß den Angaben der Bundeswehr.

BezeichnungVerwendung
ATF Dingo 2 GE A1 / GE A1.1Patrouillen-/Sicherungsfahrzeug
ATF Dingo 2 GE A2Patrouillen-/Sicherungsfahrzeug
ATF Dingo 2 GE A2.1 / GE A2.4 / GE A2.5Patrouillen-/Sicherungsfahrzeug mit verschiedenen Varianten der CG Stör- und Schutzausstattung
ATF Dingo 2 GE A2.2Patrouillen-/Sicherungsfahrzeug mit Schützendetektionsausstattung
ATF Dingo 2 GE A2.3Patrouillen-/Sicherungsfahrzeug
ATF Dingo 2 GE A3Systeminstandsetzungsfeldwebel
ATF Dingo 2 GE A3.1Lautsprechertrupp Operative Kommunikation
ATF Dingo 2 GE A3.2Personen- und Materialtransport
ATF Dingo 2 GE A3.3Patrouillen-/Sicherungsfahrzeug mit Hardtop für die Ladefläche
ATF Dingo 2 GE A3.4Patrouillen-/Sicherungsfahrzeug mit einer CG Stör- und Schutzausstattung
ATF Dingo 2 GE C1 / GE C1.1 / GE C1.2 / GE C1.3Gefechtsschadeninstandsetzung und Wartungstrupp, mit verschiedenen Varianten des Werkstattaufbaus mit ausfahrbarem Dach

Luftverlastbarkeit und Einsatz

Der Dingo ist in der C-160 Transall sowie im Airbus A400M luftverladbar und kann so schnell in das jeweilige Einsatzgebiet transportiert werden. Die Infanteriekompanien waren in Afghanistan mit dem Transportpanzer Fuchs, dem Allschutz-Transportfahrzeug Dingo und dem Schützenpanzer Marder robust und durchsetzungsstark ausgestattet. Wahrscheinlich hat kein anderes Geschütztes Führungs- und Funktionsfahrzeug (GFF) der Bundeswehr so viele Leben gerettet wie der Dingo.

Dazu gehört auch der Einsatz bei Sprengfallenszenarien: Der Dingo verfügt über einen Minenschutz, durch den die gesamte Besatzung einen Anschlag überleben kann, auch wenn das Fahrzeug dabei nicht mehr bewegungsfähig ist. Im September 2022 kündigte Deutschland an, 50 ATF Dingos an die Ukraine zur Nutzung im Rahmen der russischen Invasion bereitzustellen.

ISAF Einsatz Afghanistan 2010
Bild: Bundeswehr/PIZKunduz – Bundeswehr/Bienert
Quellen (6)

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