Ein Fliegerhorst ist die Bezeichnung für einen Militärflugplatz der Luftstreitkräfte von Wehrmacht, Bundeswehr und Deutscher Marine. Fliegerhorste sind entsprechend ihrer hauptsächlichen Nutzung durch Kampf- und Transportflugzeugverbände der Bundeswehr ausgestattet und unterscheiden sich darin von den Heeresflugplätzen. Insgesamt stehen der Luftwaffe derzeit zehn aktive Fliegerhorste sowie drei militärisch mitbenutzte zivile Flughäfen zur Verfügung.
Begriffsbestimmung
Das Militär unterscheidet nicht zwischen Flughafen und Flugplatz, sondern nutzt die eigene, historisch gewachsene Bezeichnung Fliegerhorst. Die Heeresflieger nennen ihre Fliegerhorste grundsätzlich Heeresflugplatz oder einfach „Flugplatz“. Ein Fliegerhorst verfügt neben den üblichen Anlagen wie Start- und Landebahnen, Rollwegen, Abstellflächen sowie Wartungs-, Navigations- und Kommunikationseinrichtungen häufig über Bunker zum Abstellen der Flugzeuge (Hardened Aircraft Shelter – HAS). Neben dem Flugfeld und Kasernen umfasst er oftmals auch eine Flugschule, Werkstätten zur Instandsetzung und logistische Einrichtungen.
Kennzeichnung und Instrumentenflugbetrieb
Alle Fliegerhorste haben eine Kontrollzone und sind unter Instrumentenflugbedingungen anfliegbar. Dazu stehen meist mehrere Anflughilfen zur Verfügung, wie ungerichtete Funkfeuer, VASIS oder PAPI, TACAN, ILS sowie das flugplatzeigene Präzisionsanflugradar. Bei hauptsächlicher Nutzung durch Kampfflugzeuge sind in der Regel Kabelfanganlagen an den Enden der Start- und Landebahn installiert. Sie verfügen, wie international üblich, über einen vierstelligen ICAO-Code.
1992 wurden die Militärflugplätze in ganz Deutschland von „EDxx“ in „ETxx“ umcodiert und dabei ein neues System des dritten Buchstabens eingeführt. Der dritte Buchstabe gibt seit 1992 Aufschluss über den Betreiber des Fliegerhorstes. Bei der Luftwaffe und Marine gilt folgende Unterscheidung:
| Dritter Buchstabe | Betreiber |
|---|---|
| N | Luftwaffe Nord |
| S | Luftwaffe Süd |
| M | Marine |
Der vierte und letzte Buchstabe stellt eine Beziehung zum Namen der zugeordneten Stadt dar. Meist wird der erste Buchstabe der entsprechenden Stadt gewählt; falls dieser bereits vergeben ist, wird ein anderer Buchstabe aus dem Stadtnamen verwendet. Beispielsweise trägt der Fliegerhorst Lechfeld den Code ETSL, der Fliegerhorst Landsberg/Lech ETSA. Der Fliegerhorst Büchel in der Eifel trägt den ICAO-Code ETSB.
Infrastruktur und Lage
Anders als bei Heeresflugplätzen besteht zwischen dem Fliegerhorst und dem Unterkunfts- und Verwaltungsbereich meist eine räumliche Trennung von mehreren Kilometern. Die Liste der aktiven Fliegerhorste wird von der zuständigen Behörde, dem Luftfahrtamt der Bundeswehr, geführt und im jeweils gültigen militärischen Luftfahrthandbuch (Mil-AIP) veröffentlicht.
Nutzung bei der Bundeswehr
Fliegerhorste beheimaten unterschiedliche Verbände der Luftwaffe und Marine. Einige Beispiele aktiver Standorte illustrieren die Bandbreite der Nutzung.
- Nordholz: Heimat der Marineflieger; stationiert sind das Marinefliegerkommando sowie die Marinefliegergeschwader 3 und 5.
- Wunstorf: Heimatverband des Airbus A400M; Standort des Lufttransportgeschwaders 62.
- Faßberg: Standort des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe.
- Holzdorf: Künftiger Dreh- und Angelpunkt des Hubschraubertransports mit der CH-47 Chinook.
Fliegerhorste dienen auch als Übungsgelände: Das Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ nahm etwa auf dem Fliegerhorst Jever einen Einsatzflugplatz (Deployable Operating Base, DOB) in Betrieb.
Quellen (8)
- bundeswehr.de – Fliegerhorst Nordholz
- bundeswehr.de – Fliegerhorst Holzdorf / Chinook
- bundeswehr.de – Einsatzflugplatz Jever
- bundeswehr.de – Lufttransportgeschwader 62 / Fliegerhorst Wunstorf
- bundeswehr.de – Technisches Ausbildungszentrum / Fliegerhorst Faßberg
- Wikipedia – Liste der Fliegerhorste in Deutschland
- Wikipedia – Militärflugplatz
- Wikipedia – Luftwaffe (Bundeswehr)