Kampfflugzeug Eurofighter

Der offiziell als „Eurofighter Typhoon“ bezeichnete Kampfjet entstand aus einer multinationalen Kooperation zwischen Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien zur Entwicklung eines modernen Kampfflugzeugs. Als Vertreter der Generation 4,5 wurde er in den 1990er-Jahren entwickelt, in den frühen 2000er-Jahren in Dienst gestellt und vereint fortschrittliche Avionik mit hoher Manövrierfähigkeit für Luftüberlegenheits- wie Bodenangriffsmissionen. Die insgesamt 138 Eurofighter der Luftwaffe bilden das Rückgrat der deutschen Kampfflugzeugflotte und sind Kernelement zur Sicherstellung des künftigen Beitrages der Luftwaffe zum geforderten Fähigkeitsprofil der Streitkräfte und den damit verbundenen Bündnisverpflichtungen.

Entwicklung und Geschichte

Die Entwicklung des Flugzeugs begann 1983 mit dem Future European Fighter Aircraft-Programm, einer multinationalen Zusammenarbeit zwischen Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Meinungsverschiedenheiten über Designzuständigkeiten und operative Anforderungen veranlassten Frankreich jedoch, das Konsortium zu verlassen und die Dassault Rafale eigenständig zu entwickeln.

Als Technologiedemonstrator flog das britische Aerospace EAP erstmals am 6. August 1986; der eigentliche Eurofighter-Prototyp absolvierte seinen Erstflug am 27. März 1994. Dieser Erstflug des Eurofighter-Prototyps fand in Bayern statt und wurde vom DASA-Cheftestpiloten Peter Weger durchgeführt. Der Name „Typhoon“ wurde im September 1998 angenommen und die ersten Produktionsverträge wurden in diesem Jahr unterzeichnet; das abrupte Ende des Kalten Krieges hatte zuvor die europäische Nachfrage nach Kampfflugzeugen reduziert und zu Debatten über Kosten, Arbeitsaufteilung zwischen den Partnernationen und einer langwierigen Entwicklung geführt.

Der erste Produktionsvertrag wurde am 30. Januar 1998 zwischen Eurofighter GmbH, Eurojet und NETMA unterzeichnet. Die Beschaffungsmengen beliefen sich auf: Großbritannien 232, Deutschland 180, Italien 121 und Spanien 87 Flugzeuge. Im Jahr 2004 begann die Eurofighter-Ära in der Bundeswehr – ein europäisches Gemeinschaftsprojekt, jahrzehntelang geplant, hochmodern und teuer, das die Luftüberlegenheit für Jahrzehnte sichern sollte.

Der Haushaltsausschuss gab im Jahr 2020 die Mittel zur Beschaffung von 38 Eurofightern der Tranche 4 frei und damit den Startschuss zum Austausch der ersten Eurofighter-Generation. Die Flugzeuge der Tranche 1 waren aufgrund ihres Entwicklungsstands nicht für den Einsatz in der Luft-Boden-Rolle befähigt und erreichen in den kommenden Jahren ihr Nutzungsdauerende. Die Vertragsvorbereitung für die Tranche 5 begann im Juni 2024, als die Beschaffung formal beschlossen wurde; Deutschland erhält 20 Eurofighter dieser neuen Tranche. Mit der symbolischen Unterzeichnung bei Airbus in Manching startete die Produktion der Tranche 5; ab 2031 werden die Kampfjets ausgeliefert.

Technik und Konstruktion

Der Eurofighter ist ein Delta-Canard-Design mit aerodynamischer Instabilität – ein bewusst eingeplantes Konstruktionsprinzip, bei dem ein Computer die Maschine tausendstelsekündlich stabilisiert, was das Flugzeug extrem wendig macht. Der Mehrzweckkampfjet wird von zwei EJ200-Triebwerken des Eurojet-Konsortiums angetrieben; jedes Triebwerk erzeugt ohne Nachbrenner einen Schub von etwa 60.000 N, mit Nachbrenner einen Maximalschub von mehr als 90.000 N. Der Eurofighter kann auch ohne Nachbrenner in den Überschallbereich beschleunigen und über einen längeren Zeitraum mit Überschallgeschwindigkeit fliegen – eine Fähigkeit, die als „Supercruise“ bekannt ist und derzeit nur wenigen Kampfflugzeugen weltweit zur Verfügung steht.

Abmessungen

Länge15,96 m
Höhe5,28 m
Spannweite10,95 m
Flügelfläche50,00 m²

Gewichte

Leergewicht11.000 kg
Maximales Startgewicht23.500 kg
Maximale Zuladung7.500 kg

Leistungswerte

Triebwerk2 × Eurojet EJ200
Gesamtschub (trocken)2 × ca. 60 kN
Gesamtschub mit Nachbrenner2 × > 90 kN
HöchstgeschwindigkeitMach 2,00
Startstrecke< 700 m
Landestrecke< 600 m
Maximale Zellenbelastung+9 g / −3 g
Eurofighter

Sensoren und Avionik

Die Avionik des Eurofighters ist digital durchintegriert: Radar, Sensoren, Waffensysteme und Kommunikation sind vollständig vernetzt und arbeiten in Echtzeit. Der Eurofighter ist mit einem IRST-System (Infrared Search & Track) ausgestattet, das die Erfassung und Verfolgung feindlicher Luftfahrzeuge bei guten Sichtbedingungen auf eine Entfernung von bis zu 50 Kilometern ermöglicht – ohne den Einsatz des eigenen Radars und damit ohne aktive Selbstverortung. Als Bordradar erhalten die Flugzeuge der Tranche 4 ein neues, leistungsfähigeres Radar mit elektronischer Strahlschwenkung (E-Scan), mit dem Ziele in der Luft und am Boden besser erfasst werden können. Dieses hochmoderne E-Scan-Radar verbessert die Einsatzmöglichkeiten bei Luft-Luft- und Luft-Boden-Einsätzen und bietet zusätzlich Möglichkeiten im Bereich der Elektromagnetischen Kampfführung. Die älteren Tranchen sind mit dem mechanisch geschwenkten Captor-Radar (ECR-90) ausgerüstet.

Bewaffnung

Der Eurofighter ist für die Luftverteidigung mit Kurz- und Langstreckenraketen bewaffnet. Für Bodenoperationen kann er zusätzlich mit dem Lenkflugkörper TAURUS sowie lasergelenkten Bomben ausgestattet werden. Bisher war der Eurofighter mit dem Kurzstrecken-Lenkflugkörper IRIS-T und dem Mittelstrecken-Lenkflugkörper AMRAAM ausgestattet; der Langstrecken-Lenkflugkörper Meteor ergänzt den Waffenmix für Distanzen außerhalb der Sichtweite der Piloten. Mit einer Reichweite von bis zu 200 Kilometern erweitert die Meteor-Rakete den Waffenmix am Kampfjet erheblich. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Bewaffnung:

WaffeTyp
27-mm-Bordkanone MauserBordkanone
AIM-120 AMRAAM (Advanced Medium-Range Air-to-Air Missile)Luft/Luft-Mittelstreckenrakete
MBDA MeteorLuft/Luft-Langstreckenrakete
AIM-9L SidewinderLuft/Luft-Kurzstreckenrakete
IRIS-T (Infra Red Imaging System Tail/Thrust Vector-Controlled)Luft/Luft-Kurzstreckenrakete
TAURUS (Target Adaptive Unitary and Dispenser Robotic Ubiquity System)Luft/Boden-Marschflugkörper
GBU-48 (Guided Bomb Unit)Lasergelenkte Freifallbombe

Varianten und Tranchen

Der Eurofighter wird in mehreren Produktions- und Fähigkeitsstufen, sogenannten Tranchen, gefertigt. Tranchen sind eine Produktions- und Finanzierungsunterscheidung und implizieren keine gleichmäßig stufenweise Fähigkeitssteigerung. Die folgende Übersicht fasst die für die Bundeswehr relevanten Varianten zusammen:

VarianteMerkmale (Bundeswehr)
Tranche 1Aufgrund des Entwicklungsstands nicht für den Einsatz in der Luft-Boden-Rolle befähigt; Nutzungsdauerende in den kommenden Jahren.
Tranche 2Erstflug des ersten vollausgestatteten Tranche-2-Flugzeugs (IPA7) am 16. Januar 2008 vom EADS-Flugplatz Manching.
Tranche 3AIm Rahmen des Tranche-3A-Vertrags erhielt Deutschland 31 Flugzeuge; die geplante Tranche 3B wurde nicht realisiert.
Tranche 4 (Quadriga)Deutschland bestellte im Rahmen des Quadriga-Vertrags Ende 2020 dreißig Einsitzer und acht Zweisitzer der Tranche 4 für 5,4 Milliarden Euro. Tranche 4 ist mit dem CAPTOR-E-AESA-Radar und verbesserter Avionik ausgestattet.
Eurofighter EK (Tranche 4)Für SEAD-, DEAD- und Elektronische-Kampfführungs-Missionen entschied Deutschland im November 2023, 15 seiner Typhoons zu dieser neuen Variante, dem Eurofighter EK/ECR, umzurüsten.
Tranche 5Im Oktober 2025 genehmigte das Parlament den Kauf von 20 Eurofighter der Tranche 5. Die Auslieferung ist ab 2031 geplant.

Nutzung bei der Bundeswehr

Durch seine Fähigkeit zur vernetzten Operationsführung ist der Eurofighter in einem engen Verbund einsetzbar – sowohl mit den eigenen Luft-, Land- und Seestreitkräften als auch mit denen militärischer Bündnispartner. Die Überlegenheit im Luftnahkampf wie im Einsatz auf große Entfernungen gewährleistet den Schutz eigener Kräfte und Mittel. Diese Wirksamkeit kann der Jet bei Tag und Nacht unter allen Witterungsbedingungen und in komplexen Einsatzszenarien erzielen.

Geschwader und Standorte

Die Luftwaffe betreibt den Eurofighter an vier Standorten in Deutschland, denen jeweils ein Taktisches Luftwaffengeschwader zugeordnet ist.

GeschwaderStandortBesonderheit
Taktisches Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“Nörvenich (Nordrhein-Westfalen)Zuständig für die Sicherstellung der Luft-Boden-Befähigung des Eurofighters und die Entwicklung von Verfahren und Ausbildungsgrundlagen für alle deutschen Eurofighter-Verbände.
Taktisches Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“WittmundStellt die Alarmrotte (Quick Reaction Alert) am Standort Wittmund.
Taktisches Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“Laage (Mecklenburg-Vorpommern)Hauptaufgabe ist die Ausbildung aller Eurofighter-Piloten der Luftwaffe sowie des österreichischen Bundesheeres.
Taktisches Luftwaffengeschwader 74Neuburg an der Donau (Bayern)Standort der südlichen Alarmrotte; das Geschwader stellt an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr zwei Eurofighter als Alarmrotte bereit.

Aufgaben und Einsätze

Hauptkampfjet der Luftwaffe ist der Eurofighter, ergänzt durch den Tornado für Aufklärung, Elektronische Kampfführung und zur Sicherstellung der nuklearen Teilhabe. Mit der Beschaffung der 20 neuen Eurofighter der Tranche 5 soll ein klares Zeichen gesetzt und eine Brücke zur nächsten Generation der Kampfflugzeuge geschlagen werden. Darüber hinaus übt die Luftwaffe den flexiblen Einsatz des Eurofighters im Rahmen sogenannter Dispersed Operations: Fünf Eurofighter-Kampfjets operierten dabei vom 13. bis 17. April 2026 vom zivilen Flughafen Lübeck-Blankensee, um den flexiblen Einsatz von Kampfflugzeugen auf ziviler Infrastruktur zu trainieren.

Um die der NATO zugesagten und zur Landes- und Bündnisverteidigung erforderlichen Geschwaderumfänge vor dem Hintergrund der Außerdienststellung des Tornados im Jahr 2030 halten zu können, benötigt die Luftwaffe weitere Luftfahrzeuge. Mit dem Eurofighter Typhoon an der Spitze und dem geplanten Future Combat Air System (FCAS) für die sechste Generation wird die Bundeswehr ihre Luftkampffähigkeiten weiter modernisieren und für zukünftige Herausforderungen wappnen.

Bildnachweis: Kleines Artikelbild – Bundeswehr/Bicker; großes Artikelbild – Bundeswehr/Schulze

Quellen (16)
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Ein Kommentar

  1. Wolfgang

    Anders als hier beschrieben, sind die deutschen Eurofighter vermutlich aus Gründen der Sparsamkeit leider nicht mit dem IRST-System ausgerüstet worden. Auch scheint bislang unklar, ob die deutsche Luftwaffe jemals den MBDA Meteor-Lenkflugkörper erhalten wird.

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