Der Minenräumpanzer (MiRPz) Keiler dient in seiner Hauptfunktion dem sicheren Räumen von Gassen durch Minensperren unter Panzerschutz und wird in den Panzerpionierkompanien der Bundeswehr eingesetzt. Er ist in der Lage, mit Hilfe seiner hydraulisch angetriebenen Bodenfräse alle bislang bekannten Arten von verdeckt oder offen verlegten Landminen – Schützen- und Panzerabwehrminen – zu räumen.
Entwicklung und Geschichte
Das Minenräumsystem Keiler ist eine Entwicklung der Firmen MaK GmbH in Kiel, Thyssen Henschel Wehrtechnik (beide gehören seit 1992 und 1999 zu Rheinmetall Landsysteme), MTU Friedrichshafen und der Renk AG. Als Basis wählte man die Wanne des M48 Patton A2C. Wanne und Laufwerk des bewährten Minenräumpanzers basieren auf dem bis in die 1990er Jahre in den Panzerbataillonen der Heimatschutzbrigaden eingesetzten US-Kampfpanzer M48.
Aufgrund der Belastungen und zum Schutz der Besatzung während des Räumens entschied man sich für die Gusswanne des M48 Patton, die einen besseren Schutz bietet und dauerhafter ist als eine geschweißte Wanne, deren Schweißnähte aufgrund der schockwellenartigen Explosionen von Minen und der Vibrationen des Räumgerätes reißen könnten. Der ursprüngliche Motor des M48 Patton wurde durch den leistungsstärkeren deutschen MTU MB 871 Ka 501 flüssigkeitsgekühlten Turbodieselmotor ersetzt.
Zwischen 1996 und 1998 lieferte die Firma MaK als Generalunternehmer 24 Fahrzeuge mit einem Gesamtwert von 114 Millionen Deutsche Mark an die Panzerpionierkompanien der Bundeswehr. Im Zeitraum 2016 bis 2018 wurden die verbliebenen Keiler modernisiert; die modernisierte Variante unterscheidet sich äußerlich durch Antriebsrad und Kette. Neben Deutschland nutzt Polen seit 2002 vier Keiler aus den Beständen der Bundeswehr.
Das Team der Wehrtechnischen Dienststelle für landgebundene Fahrzeugsysteme, Pionier- und Truppentechnik (WTD 41) in Trier führte umfangreiche Erprobungen an dem Minenräumpanzer durch. Auf dem Truppenübungsplatz Baumholder wurden dabei über mehrere Wochen – im Rahmen einer 1.000-Kilometer-Fahrerprobung – unter anderem neue Kettenspanner, Stoßdämpfer und Endanschlagsdämpfer am Keiler auf Herz und Nieren geprüft. Laut Aussage des für die Untersuchungen zuständigen Verantwortlichen der WTD 41 soll der Keiler bis mindestens 2030 in der Nutzung bleiben. Ersatzteile sollen künftig durch einen deutschen Lieferanten speziell angefertigt werden.
Räumeinrichtung
Mit dem am Schwenklager angebrachten Schwenkarm wird die Räumeinrichtung des Minenräumpanzers von der Marschstellung längs der Fahrzeugmittelachse auf dem Wannendach in die Räumstellung quer vor der Fahrzeugfront gebracht. Die schwenkbare Räumeinrichtung umfasst 24 rotierende Räumelemente; diese Metallklöppel werden wegen ihres Aussehens auch „Elefantenfüße“ genannt, und jeder wiegt rund 25 Kilogramm. Die Räumelemente bestehen jeweils aus einer Kette, einem Gelenk und dem Rotationsschlagkörper; je 12 sind an einer der beiden Räumwellen angebracht. Die Räumelemente rotieren dabei gegen die Fahrtrichtung.
Der Keiler fräst eine 4,7 Meter breite und 25 Zentimeter tiefe Minengasse in den Boden. Das Minenräumsystem wühlt den Boden bis zu einer Tiefe von 25 Zentimetern durch; dabei werden bis zu 98 Prozent der offen und verdeckt liegenden Minen in der Räumspur zur Detonation gebracht oder durch die Wucht der Schlagkörper zerstört. Mit dem Hubzylinder der Stellhydraulik wird der Räumwellenrahmen angehoben und abgesenkt; beim Räumvorgang wird der Zylinder von der Höhenmesseinrichtung angesteuert. Die zwei links und rechts am Räumwellenrahmen angebrachten Höhenmesseinrichtungen messen die Tiefe der Räumspur; die von ihnen ermittelten Daten werden von der elektrischen Steuereinheit der Räumeinrichtung zur Regulierung der Räumtiefe genutzt.
Als weitere Modifikation besitzt der Keiler einen klappbaren schlittenartigen Bugschild, der einen stabilen Räumvorgang ermöglicht und die Buglastigkeit im Räumbetrieb kompensiert. Das Räumspurmarkiersystem, das höher am Heck des Fahrzeugs befestigt ist, dient dazu, eine von Minen freigeräumte Gasse mit tellerförmigen Metallscheiben zu markieren, damit nachfolgende Fahrzeuge die Räumgasse bei Tag und Nacht gut erkennen und gefahrlos passieren können.
Durch sein Funktionsprinzip, das in Kauf nimmt, dass Minen nicht ausgelöst, sondern nur zur Seite geschleudert werden, ist der Keiler ein rein militärisches Gerät und nicht zum Räumen von Flächen im Rahmen humanitärer Einsätze geeignet.
Fahrzeug und Schutz
Der Keiler verfügt über eine stabile Gusswanne ohne empfindliche Schweißnähte. Das Laufwerk besteht auf jeder Seite aus sechs drehstabgefederten Laufrollenpaaren, drei Stützrollenpaaren, einem Leitradpaar, einer Kettenspannvorrichtung, einer Triebradtrommel mit Zahnkränzen und einer Endverbinder-Gleiskette. Der Keiler verwendet dieselbe Drehstabfederung wie der M48 Patton und verfügt auf jeder Seite über sechs Laufräder. Die Bodenplatte der Bugabstützung kann hydraulisch abgesenkt und angehoben werden; beim Räumvorgang ist der Keiler kopflastig, und die Bugabstützung verhindert ein Kippen des Fahrzeuges. Ihr Schutzschild fungiert außerdem als Splitterschutz.
Der Minenräumpanzer Keiler ist durch seine Panzerung dazu befähigt, unter Feindfeuer Minengassen anzulegen. Als Selbstverteidigung verfügt er jedoch nur über eine Nebelmittelwurfanlage, so dass er auf eine Sicherung durch die Kampftruppe angewiesen ist. Die Nebelmittelwurfanlage umfasst insgesamt 16 Abschussgeräte und das Abfeuer- und Bediengerät am Fahrerplatz; mit ihr werden Nebelmittelwurfkörper verschossen, im Schutz des Nebels kann sich der Keiler der gegnerischen Beobachtung entziehen.
Die Kommandantenluke befindet sich im Dachaufsatz des Wannengehäuses; zu ihrer Ausstattung gehört ein Sicherheitsschalter, der dafür sorgt, dass die Räumeinrichtung nur bei geschlossener Luke betrieben werden kann, sowie acht Winkelspiegel. Der Platz des Fahrers befindet sich vorn in der Mitte der Wanne; zu den Bedienelementen gehören unter anderem das Lenkhandle, Brems- und Fahrpedal, die automatische Gangschaltung und das Fahrerbedienpult. Im Rahmen der Erprobungen durch die WTD 41 wurden zudem dämmerungs- und nachtsichtfähige Kamerasysteme auf dem Keiler installiert, die ein vollständig eigenständiges Führen des Fahrzeugs auch bei Nacht ermöglichen – ein Schwerpunkt dabei war die sichere Rückwärtsfahrt bei Dunkelheit aus einer markierten Minengasse heraus.
Varianten und Nachfolge
Im Zeitraum 2016 bis 2018 wurden die verbliebenen Keiler modernisiert. Die modernisierte Variante unterscheidet sich äußerlich durch Antriebsrad und Kette.
Auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2024 stellte Rheinmetall eine neue Generation des Keilers vor, die auf Rückmeldungen aus den Operationen in der Ukraine basiert. Das Fahrzeug basiert auf dem Fahrgestell des Pionierpanzers Kodiak, einer auf dem Leopard 2 basierenden Variante. Ein erfolgversprechender moderner Minenräumer als Nachfolgesystem steht damit bereits in den Startlöchern.
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Technische Daten
| Besatzung | 2 Soldaten (Kommandant und Fahrer) |
| Länge über alles | 8.670 mm |
| Breite über alles | 3.790 mm |
| Höhe über alles | 3.800 mm |
| Gefechtsgewicht | 54,6 t |
| Basis-Fahrgestell | M48 Patton A2C (Gusswanne) |
| Motor | MTU Achtzylinder-Dieselmotor MB 871 Ka 501 (flüssigkeitsgekühlt, turboaufgeladen) |
| Getriebe | Renk HSWL 284 M |
| Motorleistung (Fahrt) | 735 kW (986 PS) |
| Motorleistung (Räumbetrieb) | 814 kW (1.092 PS) |
| Höchstgeschwindigkeit | 48 km/h (in Transportstellung) |
| Räumgeschwindigkeit | 0,2 km/h bis 4 km/h |
| Räumbreite | 4,70 m |
| Räumtiefe | +5 cm / −5 cm / −25 cm |
| Räumelemente | 24 (je 12 pro Räumwelle, ca. 25 kg/Stück; bestehend aus Kette, Gelenk und Rotationsschlagkörper) |
| Räumwirksamkeit | 98 % |
| Nebelmittelwurfanlage | 16 Abschussgeräte |
| Federung | Drehstabfederung (6 Laufrollenpaare je Seite) |
Nutzung bei der Bundeswehr und Einsatz
Panzerpioniere (PzPi) des Heeres sind eine Untergruppierung der Pioniere der Bundeswehr; sie gehören zu den Kampfunterstützungstruppen und werden im Gefecht der verbundenen Waffen zum Aufklären und Öffnen von Sperren sowie zum Überwinden von Gewässerhindernissen eingesetzt. Zum Auftrag einer Panzerpionierkompanie gehört in erster Linie die Vorbereitung des Geländes für die jeweiligen Operationsarten Verteidigung, Verzögerung oder Angriff der Kampftruppen; hinsichtlich ihrer taktischen Ausrichtung ist sie zur unmittelbaren Unterstützung eines Angriffs als „Speerspitze“ besonders geeignet, indem sie feindliche Sperren aufklärt und Schneisen für die eigenen Panzer schlägt. Da nicht nur die Bundeswehr bei der Landes- und Bündnisverteidigung Minensperren verlegt, sondern auch ein möglicher Angreifer dies tut – etwa um seine Flanken zu schützen –, schafft der Keiler eigenen Gefechtsfahrzeugen einen sicheren Weg durch diese Sperren.
Laut Bundeswehr bilden der Kampfpanzer Leopard 2 und der Schützenpanzer Puma den Kern der Schweren Kräfte, die dann von Einheiten mit weiteren Kettenfahrzeugen wie der Panzerhaubitze 2000, dem Artillerieraketensystem MARS II und dem Minenräumpanzer Keiler unterstützt werden. Beim Räumen einer Minensperre hält sich der Keiler so weit in der Nähe der Kampftruppen auf, dass er etwa fünf bis zehn Minuten einsatzbereit ist; er wird vom Pionierführer oder seinem Stellvertreter über Lückenwege zur Sperre in seinen Auftrag eingewiesen.
Die Räumwirksamkeit von 98 Prozent des Minenräumpanzers zeigte sich beim UN-Einsatz in Somalia und bei SFOR. Stand 2021 waren 24 Keiler im Dienst der Bundeswehr. Der Keiler ist in mehreren Panzerpionierbataillonen der Bundeswehr im Einsatz: Im Panzerpionierbataillon 1 (Panzerbrigade 21) werden mit dem Keiler Minensperren unter Panzerschutz schnell geöffnet. Auch das Panzerpionierbataillon 4 (10. Panzerdivision) verfügt über den Minenräumpanzer Keiler, mit dem Minensperren unter Panzerschutz geöffnet werden. Darüber hinaus ist der Keiler beim Panzerpionierbataillon 701 (Panzergrenadierbrigade 37) im Einsatz, womit Minensperren unter Panzerschutz schnell geöffnet werden.
Bild: Bundeswehr/Modes
Quellen (6)
- Bundeswehr: Ausrüstung und Technik: Der Minenräumpanzer Keiler
- Bundeswehr: Robust und zuverlässig – neue Bauteile für Minenräumpanzer Keiler
- Bundeswehr: Der Minenräumpanzer Keiler – in 60 Sekunden
- Wikipedia: Keiler (Panzer)
- Wikipedia (englisch): Keiler (mine flail)
- Wikipedia: Panzerpioniere (Bundeswehr)