MRCA PA-200 Tornado

Der PA-200 Tornado ist ein trinational entwickeltes, allwetterfähiges, zweisitziges Kampfflugzeug, das ab 1980 von Deutschland, Großbritannien und Italien in die Streitkräfte eingeführt wurde. Ursprünglich konzipiert als taktischer Bomber, entwickelte er sich im Laufe der Jahre zu einem wahren Multifunktionskampfflugzeug, das eine Vielzahl von Rollen ausfüllen kann – darunter der Luft-Boden-Angriff im extremen Tiefflug, die Aufklärung und die Elektronische Kampfführung.

Mehrzweck-Kampfflugzeug Tornado. Tornados passieren die Burg Hohenzollern (Märchenburg) auf dem Berg Zollern. Bild Bundeswehr / PizLuftwaffe

Entwicklung und Geschichte

Das Flugzeug hieß zuerst NKF (Neues Kampfflugzeug), dann MRCA (Multi Role Combat Aircraft, Mehrzweckkampfflugzeug), dann Panavia und schließlich Tornado – mit jeder Entwicklungsstufe kam ein neuer Name. Panavia wurde 1969 von der British Aircraft Corporation, Messerschmitt-Bölkow-Blohm und Fiat Aviazione gegründet. Die NATO Multirole Combat Aircraft Development and Production Management Agency (NAMMA) wurde eingerichtet, um Entwicklung und Produktion des Tornado zu steuern.

Entstehungskontext

Ende der 1960er-Jahre begannen die britischen, deutschen und italienischen Verteidigungsunternehmen, gemeinsam ein Angriffsflugzeug zu entwickeln. Während die Bundesrepublik Deutschland und Italien ein eher kurzreichweitiges Schlachtfeld-Flugzeug bevorzugten, plädierte Großbritannien für ein Muster mit größerer Reichweite. Die im Kalten Krieg vorgesehene Mission war die Zustellung konventioneller und nuklearer Waffen gegen die einrückenden Streitkräfte der Warschauer-Pakt-Staaten.

Erstflug und Serienproduktion

Der Erstflug des Tornados fand am 14. August 1974 in Manching statt. Sechs Jahre später wurde der erste dieser Kampfjets an das Tri-National Tornado Training Establishment (TTTE) in Cottesmore, Großbritannien, für die Ausbildung der Luftfahrzeugbesatzungen ausgeliefert. Die Produktion endete 1998; die letzte Charge ging an die Royal Saudi Air Force, die insgesamt 96 IDS-Tornados bestellt hatte. Im Juni 2011 wurde bekannt, dass die Tornado-Flotte in der Summe über eine Million Flugstunden absolviert hatte.

Auslieferung an die Bundeswehr

Die ersten deutschen Tornados bekam 1981 zunächst die Marine. Die Auslieferung der ersten PA-200 Tornados an die Bundeswehr begann im Jahr 1981 und wurde 1992 mit der Übergabe des letzten PA-200 Tornado ECR abgeschlossen. Ausgeliefert wurden insgesamt 357 Mehrzweckkampfflugzeuge an die Luftwaffe, aber auch an die Marine. Die Bundesmarine erhielt dabei insgesamt 112 Tornado IDS. In späteren Jahren wurde der letzte Verband der Bundesmarine-Tornados aufgelöst.

Technik und Konstruktion

Um sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Geschwindigkeiten wirkungsvoll operieren zu können, nutzt der Tornado einen Schwenkflügel. Das zweistrahlige Mehrzweckkampfflugzeug zeichnet sich durch seine Schwenkflügel-Technologie aus, die ihm sowohl hohe Geschwindigkeiten als auch hervorragende Eigenschaften im Langsamflug ermöglicht. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von über Mach zwei und seiner Fähigkeit zum Tiefflug unter schwierigen Wetterbedingungen hat sich der Tornado seit seiner Einführung in den 1980er-Jahren als äußerst zuverlässig erwiesen. Er wurde fortlaufend modernisiert und an neue taktische wie technische Entwicklungen angepasst, etwa durch den Einbau einer Luftbetankungsanlage.

Tiefflug und Geländefolgeradar

Das Geländefolgeradar (TFR, Terrain Following Radar) des PA-200 Tornado ermöglicht einen dem Geländeprofil angepassten extremen Tiefflug – in 60 Meter Höhe bei nahezu jeder Wetterlage. Der Autopilot übernimmt dabei die Steuerung. Im reinen Sichtflug und bei manueller Steuerung kann die Flughöhe bis auf 30 Meter weiter verringert werden. Aufgrund seiner fortschrittlichen und hoch entwickelten Flugsteuerungs-, Navigations-, Missions- und Waffenrechneravionik in Verbindung mit einem sehr effektiven Selbstschutzsystem erreicht der PA-200 Tornado insbesondere unter Bedrohung eine hohe Zielgenauigkeit mit hohem Durchsetzungsvermögen.

Die Triebwerke

Die beiden Turbo-Union RB199 sind Dreiwellen-Triebwerke mit stufenlos einstellbaren Nachbrennern und einer Schubumkehr. Da die Schubumkehr auch während des Fluges vorgewählt werden kann, ist eine Verkürzung der Landebahnlänge möglich. Die Ausgangsvariante für erste Tornado-IDS-Auslieferungen erzeugte 38,7 kN Schub (trocken) sowie 66,01 kN mit Nachbrenner. Die für die Tornado-ECR-Version genutzte Ausbaustufe MK 105 leistet 42,5 kN (trocken) bzw. 74,3 kN (mit Nachbrenner). Die Entwicklung der RB199-Triebwerke wird vom multinationalen Konsortium Turbo-Union Limited mit Sitz im Vereinigten Königreich betrieben.

Technische Daten

KategorieAngabe
TypZweisitziges, zweimotoriges Mehrzweckkampfflugzeug mit Schwenkflügel
Leergewicht14.092 kg
Maximales Startgewicht28.500 kg
Höchstgeschwindigkeitüber Mach 2 (Hochflug); bis Mach 1,3 im Tiefstflug
Tiefflug (automatisch, TFR)60 m Höhe bei nahezu jeder Wetterlage
Tiefflug (manuell, Sichtflug)bis 30 m Höhe
Triebwerke2 × Turbo-Union RB199
Schub (IDS, trocken / mit NB)38,7 kN / 66,01 kN
Schub (ECR, trocken / mit NB)42,5 kN / 74,3 kN
Erstflug14. August 1974 (Manching)
Einführung Bundeswehr1981
Gesamtbestand Bundeswehr (gesamt geliefert)357 Luftfahrzeuge
Bestand Luftwaffe (Einsatz/Ausbildung)85 Waffensysteme (Gesamtbestand 93)

Bewaffnung

Waffe Aufgabe Version
Bordkanone Mauser 27 mm (2×) Selbstverteidigung IDS
AIM-9L Sidewinder Selbstverteidigung alle
LFK IRIS-T Selbstverteidigung alle
AGM-88B HARM (High Speed Antiradiation Missile) Radarzielbekämpfung alle
TAURUS KEPD 350 Abstandswaffe IDS
GBU-24 Präzisionsbewaffnung IDS
Kormoran 2 Seezielbekämpfung IDS
MK-82 Bodenzielbekämpfung alle

Bilder: Bundeswehr/Rott

Versionen bei der Bundeswehr

Grundsätzlich teilt sich die deutsche Tornado-Flotte in den Jagdbomber IDS (Interdiction Strike) und den Tornado ECR (Electronic Combat and Reconnaissance) auf. Ausgestattet mit dem Airborne Reconnaissance Pod II, sind alle Tornados auch zur optischen und Infrarotaufklärung (RECCE) befähigt.

Tornado IDS: Jagdbomber

Der IDS-Tornado ist die Basisversion des Jagdbombers. Er ist für die Unterstützung der Bodentruppen aus der Luft auch als Luftnahunterstützung, die Gefechtsfeldabriegelung (das Verhindern des Eintreffens neuer Bodentruppen) und den Luftangriff auf feindliche Einrichtungen und Stellungen des Gegners befähigt. Der IDS-Tornado führt umfangreiche Mittel und Ausrüstungen zur Selbstverteidigung mit. Aufgrund der unterschiedlichen Verwendungsbereiche der Nationen ist der zweistrahlige Schulterdecker mit Schwenkflügeln in unterschiedlichen Varianten im Einsatz, zu denen zahlreiche Modifikationsstände existieren.

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Tornado ECR: Elektronischer Kampfaufklärer

Die ECR-Version wurde auf Forderung der Luftwaffe aus der IDS-Variante entwickelt. Der ECR dient zur Lokalisierung, Identifizierung und gegebenenfalls Bekämpfung von Radaranlagen und radargesteuerten Luftverteidigungssystemen. Das Emitter Location System (ELS) lokalisiert und identifiziert Radargeräte. Ein gegnerisches Radargerät kann dann mit sogenannten High Speed Antiradiation Missiles (HARM) bekämpft werden. Die Bundeswehr erhielt zwischen 1990 und 1992 insgesamt 35 Tornado ECR-Versionen. Die Änderungen des ECR umfassen den nach vorne gerichteten Infrarotsensor (FLIR) sowie das Raytheon TI System zur präzisen Positionsbestimmung von Radarsystemen (Emitter Location System); für die Bordkanonen blieb im ECR kein Platz mehr.

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Tornado mit RecceLite-Pod im Flug während des ISAF-Einsatzes in Mazar-e Sharif am 15.05.10. Bild: Bundeswehr / Falk Bärwald

Tornado Recce: Aufklärer

Für den Tornado Recce (englisch für Reconnaissance, Aufklärung) wurde die IDS-Variante des Tornados mit Aufklärungsbehältern zur abbildenden Luftaufklärung (Imagery Intelligence – IMINT) ausgestattet. Seit dem Jahr 2009 verfügt die Luftwaffe über das digitale Aufklärungssystem RecceLite. Mit seinem Einsatz kann eine deutlich höhere Qualität der Aufklärungsergebnisse und eine verbesserte Auswertemöglichkeit erzielt werden. Darüber hinaus ist eine Echtzeitübertragung der Aufklärungsergebnisse im Flug an die Bodenstation möglich. RecceLite ist in der Lage, hochauflösendes digitales Bildmaterial bei Tag und bei Nacht mit Hilfe von Infrarot- und optischen Sensoren aus niedrigen und mittleren Höhen zu sammeln und dabei eine signifikante Reduzierung der Gefährdung der Tornadobesatzungen zu erzielen. Die Aufklärungssensoren (optisch und Infrarot) werden in einem Behälter (Pod) unter dem Rumpf des Luftfahrzeuges mitgeführt.

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Tornados des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ mit RecceLite-Pods bei einer Großübung in Spanien am 25.11.2015. © Bundeswehr / Falk Bärwald

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Nutzung bei der Bundeswehr und Auslandseinsätze

Infolge der seit 1989 veränderten sicherheitspolitischen Lage und aufgrund der künftigen zusätzlichen Abdeckung des Fähigkeitsspektrums Luftangriff durch den Eurofighter hat die Luftwaffe die Anzahl ihrer Tornados auf 85 Waffensysteme reduziert. Die Einsatz- und Ausbildungsverbände der Luftwaffe verfügen über insgesamt 85 PA-200 Tornado bei einem Gesamtbestand von 93 Luftfahrzeugen. Der Tornado war und ist in mehreren bedeutenden Auslandseinsätzen der Bundeswehr präsent.

Kosovo (Operation Allied Force, 1999)

Der Einsatz der deutschen Tornados im Kosovo-Krieg war das erste Mal, dass die Bundeswehr aktiv an Kampfeinsätzen beteiligt war. Nach einer intensiven politischen Debatte in Deutschland beteiligte sich auch die Bundeswehr mit 14 Tornado-Jets an der Mission. Eingesetzt wurden bis zu 14 Recce-Tornados und Tornado ECR zur Unterdrückung feindlicher Flugabwehr. Während der Operation Allied Force wurden insgesamt 236 HARM-Lenkflugkörper von den ECR-Tornados abgefeuert. Diese hochpräzisen Raketen dienen dazu, feindliche Radarstationen am Boden zu zerstören.

Afghanistan (ISAF)

Im Jahr 2006 entsandte die Luftwaffe zur Unterstützung der Militäroperationen in Afghanistan mehrere Panavia Tornado-Aufklärungsflugzeuge des Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“, die in Mazar-i-Sharif in Nordafghanistan stationiert wurden. Immer wieder wurde der Tornado in der Rolle des Elektronischen Kampfes, der Aufklärung sowie im Kampf gegen bodengebundene Flugabwehrsysteme im Auslandseinsatz geflogen. Beim ISAF-Einsatz klärten die Tornados unter anderem feindliche Stellungen der Taliban auf.

Syrien/Irak (Operation Counter Daesh)

Im Rahmen des internationalen Kampfes gegen den „Islamischen Staat“ (IS) kam der Tornado in der Version Recce für Aufklärungsflüge über Syrien und dem Irak zum Einsatz. Der letzte Einsatz des Tornados bei Counter DAESH hat deutlich werden lassen, dass der Tornado trotz seiner in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellten Leistungsfähigkeit auf der Zielgeraden seiner Lebensdauer angekommen ist.

Nukleare Teilhabe

Deutschland hat als NATO-Mitglied Verpflichtungen und Fähigkeiten vertraglich zugesichert, die auch die Tornados betreffen. Dabei geht es im Kern um die nukleare Teilhabe Deutschlands. Das Taktische Luftwaffengeschwader 33 betreibt die Tornado-Jets für eine gewisse Übergangszeit weiterhin, um die NATO-Dauereinsatzaufgabe „Nukleare Teilhabe“ zu erfüllen.

Aktuelle Übungen

An der multinationalen Großübung Orion 26 nahmen erstmals Tornados des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 teil. Vom 8. bis 12. Juni 2026 trainierte das Taktische Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ auf dem zivilen Flughafen Hamburg. Bei der Übung Panther Shield wurde geprobt, was moderne Luftstreitkräfte widerstandsfähig macht: die Fähigkeit, von wechselnden Standorten aus zu operieren.

Modernisierung und Nutzungsdauerverlängerung

PA-200 Tornados, die im Bestand der Luftwaffe verbleiben, durchlaufen eine Nutzungsdauerverlängerung und umfangreiche Modernisierungsprogramme, um in zukünftigen Szenarien weiterhin erfolgreich bestehen zu können. Ursprünglich war die Lebensdauer der neuen Jets auf 20 Jahre und 4.000 Flugstunden ausgelegt und begrenzt. Noch in den 1990er Jahren haben die europäischen Nutzernationen ein Entwicklungsprogramm gestartet, um die Zulassung auf 8.000 Flugstunden zu erweitern. Im Zuge der Nutzungsdauerverlängerung erhalten die Maschinen neben einer Depotinstandsetzung auch eine Analytische Zustandsinspektion. Dazu kommt eine der letzten Umrüstungen auf das Betriebssystem ASSTA 3.1 mit neuen Soft- und Hardwarekomponenten.

Außerdienststellung und Nachfolge

Nach über 40 Dienstjahren wird das Mehrzweckkampfflugzeug PA-200 Tornado ab 2030 in den Ruhestand geschickt und nicht mehr durch die deutsche Luftwaffe geflogen. Dies betrifft insbesondere den Bereich der Bordcomputer und der Elektronik, für die einige Teile schlichtweg nicht mehr verfügbar sind. Fast 30 Jahre nach Abschluss der Auslieferungen haben sich viele der ursprünglichen Herstellerfirmen längst aus dem Tornado-Programm zurückgezogen und stellen demnach auch keine Ersatzteile mehr her. 35 brandneue Kampfjets des Typs Lockheed Martin F-35A Lightning II beschafft die Bundeswehr als Nachfolger. Sie ersetzen den Tornado. Das Taktische Luftwaffengeschwader 33 in Büchel in Rheinland-Pfalz wird die modernen Kampfjets planmäßig ab 2027 erhalten und die alte Generation der Tornado-Maschinen im Jahr 2030 aussondern.

Quellen (12)
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