Panzerhaubitze 2000 (PzH 2000)

Die Panzerhaubitze 2000 (PzH 2000) ist das Standardgeschütz der Artillerietruppe der Bundeswehr – ein 155-mm-Rohrwaffensystem auf einem gepanzerten Kettenfahrzeug zur indirekten Feuerunterstützung. Seit ihrer Einführung zählt das für die Artillerie des Heeres gebaute Waffensystem zu den besten der Welt.

Panzerhaubitze 2000 im scharfen Schuss auf dem Truppenübungsplatz Idar-Oberstein
Panzerhaubitze 2000 im scharfen Schuss auf dem Truppenübungsplatz Idar-Oberstein, am 09.09.2004. Bild: Bundeswehr/Eisner

Entwicklung und Geschichte

Nachdem Italien, das Vereinigte Königreich und Deutschland 1986 ihr gemeinsames Vorgängerprojekt PzH 155-1 (SP70) wegen Zuverlässigkeitsproblemen und Konstruktionsmängeln eingestellt hatten, wurde die Entwicklung auf nationaler Ebene fortgeführt. Die PzH 2000 entstand in den 1980er und 1990er Jahren bei KNDS Deutschland (ehemals Krauss-Maffei Wegmann) und Rheinmetall. Am 1. Juli 1998 wurde nach fast drei Jahrzehnten Entwicklung die erste PzH 2000 aus der Serienfertigung an die Bundeswehr übergeben. Sie ersetzte dort die Panzerhaubitze M109; die Panzerartillerie der Bundeswehr erhielt in den Jahren 1998 bis 2003 insgesamt 185 Stück.

Feuerkraft und Reichweite

Die PzH 2000 verschießt Munition mit automatisch tempierbaren Zündern. In Verbindung mit einem modularen Treibladungssystem, einer hohen Feuergeschwindigkeit und der technischen Integration in ein Führungs-, Waffen- und Einsatzsystem erfolgt die Feuerunterstützung reaktionsschnell, präzise und lageangepasst.

Mit der eingeführten Standardmunition erreicht die PzH 2000 Schussentfernungen von 30 km; mit reichweitengesteigerter Munition sind sogar 40 km möglich. Mit MRSI (Multiple Rounds Simultaneous Impact) ist die PzH 2000 in der Lage, mehrere Geschosse abzufeuern, die gleichzeitig im Ziel einschlagen. Ein Geschütz kann ein Ziel auf bis zu fünf verschiedenen Geschossflugbahnen bekämpfen.

https://www.youtube.com/watch?v=VwkSU8IW5dg

Autonomie und Mobilität

Dank kurzer Reaktionszeiten, einer bordeigenen hybriden Navigationsanlage und einem Ballistikrechner ist die PzH 2000 autonom einsetzbar und verfügt über eine hohe taktische Mobilität. Regulär wird die PzH 2000 von einer fünfköpfigen Besatzung bedient; bei automatisiertem Munitionsfluss ist der Betrieb mit nur drei Soldaten möglich. Das Geschossmagazin befindet sich in der Wanne und ist um den Geschosstransporter angeordnet, der Teil der automatisierten Munitionszuführungsanlage ist; das Magazin fasst 60 Geschosse. Zwei Bediener können 60 Geschosse und Treibladungen in weniger als 12 Minuten nachladen.

https://www.youtube.com/watch?v=lBQe7Ahod34

Schutz und Selbstverteidigung

Die Besatzung ist durch mehrere Schutzebenen gesichert:

  • Schutz gegen Handwaffenbeschuss bis zum Kaliber 14,5 mm
  • Schutz gegen Splitterwirkung von 152-mm-Artilleriegeschossen
  • Adaptiver Dachschutz gegen Bombletmunition
  • ABC-Schutzbelüftungsanlage
  • Nebelmittelwurfanlage mit acht 76-mm-Wurfbechern

Zur Selbstverteidigung kann die Besatzung die Hauptwaffe im direkten Richten bei Tag und Nacht einsetzen; entsprechende Optiken ermöglichen dies. Zusätzlich verfügt das Geschütz über ein lafettiertes Maschinengewehr zum Selbstschutz gegen Boden- und Luftziele.

Panzerhaubitze 2000 des Artilleriebataillons 131 bei der Übung Iron Sword 2016 in Litauen
Eine Panzerhaubitze 2000 des Artilleriebataillons 131 aus Weiden, Teil des Gefechtsverbands Arty-Task Force, fährt in Stellung im Rahmen der multinationalen Übung Iron Sword 2016 in Litauen, am 22.11.2016. Bild: Bundeswehr/Jane Schmidt
https://www.youtube.com/watch?v=XO1Em0NCCzE

Nutzung bei der Bundeswehr und im Einsatz

Mit der PzH 2000 verfügt die Artillerietruppe der Bundeswehr über eines der modernsten und leistungsfähigsten Rohrartilleriesysteme. Im Gefecht werden in der Regel Geschützzüge eingesetzt; ein Geschützzug besteht aus vier Geschützen. Ab Juni 2010 verfügten deutsche ISAF-Truppen beim PRT Kunduz über drei PzH 2000, die am 10. Juli 2010 erstmals zur Unterstützung der Bergung eines beschädigten Fahrzeugs eingesetzt wurden – das erste Mal in der Geschichte der Bundeswehr, dass schwere Artillerie im Kampf genutzt wurde. Am 21. Juni 2022 wurden zwölf PzH 2000 in die Ukraine verlegt – sieben aus Deutschland und fünf aus den Niederlanden. Heute rüstet die PzH 2000 die Armeen Deutschlands, Italiens, der Ukraine, der Niederlande, Griechenlands, Litauens, Ungarns, Katars und Kroatiens aus. Im Dezember 2020 schlossen die Bundeswehr und die niederländischen Streitkräfte ein Abkommen zur gemeinsamen Modernisierung der PzH 2000, um deren Einsatzfähigkeit auch nach 2040 sicherzustellen.

Technische Daten der Panzerhaubitze 2000

Hersteller:KNDS Deutschland (ehemals Krauss-Maffei Wegmann) / Rheinmetall
Kaliber / Rohr:155 mm L/52
Gefechtsgewicht:57 t (mit Dachschutz 57,66 t)
Motorleistung:736 kW / 1.000 PS (Dieselmotor MT881Ka-500)
Geschwindigkeit:60 km/h (Straße)
Fahrbereich:420 km
Besatzung:5 (Mindestbedienstärke: 3)
Bewaffnung:155-mm-L52-Kanone, Maschinengewehr MG3
Kampfbeladung:60 Geschosse, 288 Treibladungsmodule (MTLS)
Feuergeschwindigkeit:3 Schuss / 10 Sek. · 10 Schuss / 60 Sek. · 20 Schuss / 180 Sek.
Kampfentfernung:bis 30 km (Standardmunition) / bis 40 km (reichweitengesteigert)
Munition:L 15 A1, M 483 A1 (US), Spreng, Nebel, Leucht, MTLS, Base Bleed / RAP, SMArt
Quellen (6)
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