Beim Multiple Launch Rocket System (MLRS) handelt es sich um ein von 1983 bis 2003 produziertes Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesystem auf Kettenfahrgestell; die Typenbezeichnung des amerikanischen Militärs lautet M270. Der Raketenwerfer MARS II ist eine autonome Flächenfeuerwaffe der Artillerie, die Flugkörper unterschiedlicher Wirkungsweise verschießen kann. Außer bei der Bundeswehr ist der Raketenwerfer auch bei vielen anderen NATO-Staaten eingeführt.

Überblick
Das Mittlere Artillerieraketensystem MARS II ist mobil, flexibel und verschießt Raketen und Panzerabwehrminen im indirekten Feuer. MARS II ermöglicht die hochpräzise Bekämpfung von Einzel- und Flächenzielen in einer Entfernung von 16 bis 85 Kilometern; die Treffergenauigkeit beträgt dabei weniger als fünf Meter radial um das Ziel. Das System ist als autonome Flächenfeuerwaffe mit einer dreiköpfigen Besatzung konzipiert, wird in der Regel halbzugweise eingesetzt und über Datenfunk durch die Zugfeuerleitstelle ARES (Artillerie-Raketen-Einsatz-System) geführt. Die Panzerhaubitze 2000 und der Raketenwerfer MARS II sind die Hauptwaffensysteme der Artillerie – sie zwingen den Feind in Deckung und mindern seine Kampfkraft. Das System ist bei jeder Tageszeit und Witterung einsetzbar.
Entwicklung und Geschichte
Bereits in den 1980er Jahren wurde der Raketenwerfer MARS im Rahmen des internationalen MLRS-Programms gemeinsam von den USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien entwickelt. Das MLRS wurde ursprünglich als General Support Rocket System (GSRS) konzipiert; im Dezember 1975 forderte das US Army Missile Command die Industrie auf, den besten technischen Ansatz zu ermitteln. Im August 1982 wurden die ersten Serienexemplare ausgeliefert; im März 1983 wurde die erste operative M270-Batterie aufgestellt. Von 1989 bis 1993 wurden für die Bundeswehr 158 MARS, davon 4 Fahrschulfahrzeuge, sowie 9.360 Raketen mit 262.080 AT-2-Minen beschafft. Das System MARS wurde 1990 in die Bundeswehr eingeführt. Ab den späten 1980er Jahren wurde LARS nach und nach durch das Mittlere Artillerieraketensystem (MARS) abgelöst.
Im April 2011 wurden der erste modernisierte MARS II und die M31-GMLRS-Rakete an die Artillerieschule des Heeres in Idar-Oberstein übergeben. In einem ersten Los wurden bis zum Jahre 2013 die Umrüstungen der ersten Raketenwerfer auf den Stand MARS II durchgeführt. Am 5. Dezember 2018 unterzeichneten Vertreter des BAAINBw und der Firma Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG den Vertrag über die Umrüstung von 18 weiteren Raketenwerfern des Typs MARS auf MARS II. Die Umrüstung dieser 18 weiteren Raketenwerfer wurde bis 2022 abgeschlossen.
Technik
Das technische Konzept des MARS II basiert auf dem amerikanischen M270A1 und wurde für den europäischen Einsatz in mehreren Bereichen grundlegend überarbeitet. Die folgenden Abschnitte beschreiben die wesentlichen technischen Komponenten und Neuerungen gegenüber dem Vorgänger MARS I.
Fahrgestell und Antrieb
Hauptbaugruppen des Fahrgestells stammen vom Schützenpanzer M2 Bradley; darauf montiert ist eine Fahrerkabine mit drei Sitzen für den Kraftfahrer, den Bediener der Feuerleitanlage (Raketenkanonier) und den Kommandanten. Das Triebwerk des MARS II besteht aus einem Dieselmotor 368 kW (500 PS) Cummins VTA-903 T mit Ladeluftkühlung und einem hydromechanischen Automatikgetriebe David Brown HMPT 500-3 mit drei Vorwärtsfahrstufen und einer Rückwärtsfahrstufe. Das Rollenlaufwerk umfasst je Fahrzeugseite eine Gleiskette D 129 C1.1, sechs drehstabgefederte Laufrollenpaare, zwei Einzel- und zwei Doppelstützrollen, drei Schwingungsdämpfer, das Leitrad hinten und das Triebrad vorn. Gesteuert wird der MARS II mittels eines Lenkgriffes sowie Gas- und Bremspedal.
Antrieb der Waffenanlage und Richtanlage
Die Waffenanlage besteht aus einem horizontal und vertikal schwenkbaren Werferrahmen mit elektronisch gesteuertem hydraulischen Richtantrieb (Electric Launch Drive System, ELDS), während beim MARS I noch ein langsamerer elektrohydraulischer Antrieb eingesetzt wurde. Dies verbessert die Richtgeschwindigkeit sowie die Zeit zum Be- und Entladen um bis zu 60 Prozent und reduziert die Verweildauer des Raketenwerfers in der Feuerstellung erheblich. Äußerlich ist der MARS II vom MARS I lediglich an der neu positionierten GPS-Antenne auf dem Fahrzeugdach zu unterscheiden.
Feuerleitsystem EFCS
MARS II ist eine europäische Variante des M270A1, an der Deutschland, Frankreich und Italien beteiligt sind; die Werfer sind mit dem von Airbus Defence and Space entwickelten European Fire Control System (EFCS) ausgestattet. Das EFCS verhindert den Verschuss von Raketen mit Streumunition und stellt damit die vollständige Konformität mit dem Übereinkommen über Streumunition sicher. Das bisherige Fire Control Panel wurde durch die Main Control Unit (MCU) ersetzt; die EFCS ist Grundvoraussetzung für den Verschuss der hochpräzisen GMLRS-Lenkraketen. Die Anlage besteht aus Hauptsteuereinheit, Werfersteuergerät, Positions- und Navigationseinheit sowie GPS-Empfänger; die Hauptsteuereinheit mit Anzeige- und Bediengerät und Feuerleitrechner errechnet die ballistischen Daten für Feuerkommandos. Die MCU besteht aus einem Kompaktrechner sowie einem 17-Zoll-TFT-Touchscreen mit Karten-Lage-Modul.

Navigation und Lagedarstellung
Zur Verbesserung der Navigation wurde eine Precision Navigation Unit integriert – eine GPS-gestützte Trägheitsnavigationsanlage, die zusätzlich mit einem Initial Navigation System arbeitet. In Verbindung mit dem Karten-Lage-Modul lässt sich die aktuelle Position des Raketenwerfers jederzeit auf dem Bildschirm verfolgen. Der Systembediener kann darüber hinaus festgelegte Nachladeplätze sowie verschiedene Feuerstellungen auf dem Monitor anzeigen lassen.
Ballistikrechner
Ein integrierter Ballistikrechner ermöglicht die exakte Berechnung der Flugbahn eines Geschosses. Damit kann bereits vor dem Schuss geprüft werden, ob aus einer gegebenen Feuerstellung die befohlene Wirkung im Ziel erreichbar ist.
Beladesystem
Die Raketen werden zu je sechs Stück in den 2,5 Tonnen schweren containerartigen Transport- und Startbehältern (Rocket Pod Container, RPC) gelagert, transportiert und auch daraus gestartet. Mit der Lade- und Hebevorrichtung können beim Be- und Entladen des Raketenwerfers Raketenstartbehälter angehoben und an den Windenschlitten gezogen werden; dabei greift der Haken der Vorrichtung unter die Hebestange des Raketenbehälters. Beim Ladebaumsteuergerät handelt es sich um eine Kabelfernsteuerung mit 12 Meter Kabellänge, mittels der die Lade- und Hebevorrichtung manuell bedient, der Werferrahmen erhöht und gesenkt sowie die Waffenanlage geschwenkt werden kann. Das System erlaubt ein autarkes Nachladen mit neuen Raketenstartbehältern.
Munition
Das MARS II kann verschiedene Munitionsarten aus dem MLRS-Munitionssortiment verschießen. Die Munition wird in Rocket Pod Containern (RPC) mit je sechs Raketen bereitgestellt und im Kampffall mit insgesamt zwei RPCs – also 12 Raketen – geladen.
- GMLRS Unitary (M31): Bei GMLRS handelt es sich um eine Familie von präzisionsgelenkten Boden-Boden-Raketen mit einer Reichweite von 70 bis 150 km; GMLRS-Raketen verfügen über GPS- und INS-Positionsbestimmung und Lenkmechanismen und sind dadurch während des Fluges manövrier- und korrekturfähig. Die Bundeswehr betreibt die M31-Rakete mit einer Reichweite bis zu 90 km.
- Minenrakete AT-2: Die AT-2-Panzerabwehrminen verschießt MARS II über Entfernungen von 10 bis zu 38,5 Kilometern.
- Übungsrakete M28: Für die Schießausbildung mit dem MARS II steht die 227-Millimeter-Übungsrakete M28 mit einer Reichweite von 10 bis 32 Kilometern zur Verfügung.
- Streumunition M26 (außer Dienst): Die ursprünglich beschaffte Bomblet-Rakete M26 ist als Streumunition vom Minenverbot des Antipersonenminen-Verbotsvertrages (Ottawa-Konvention) und dem Übereinkommen über Streumunition betroffen.
Technische Daten
Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten technischen Kenndaten des Raketenwerfers MARS II gemäß den Angaben der Bundeswehr.
| Motortyp: | Cummins VTA-903 T, 8-Zylinder-Viertakt-Diesel mit Direkteinspritzung und Ladeluftkühlung |
| Motorleistung: | 368 kW / 500 PS |
| Getriebe: | David Brown HMPT 500-3, hydromechanisches Automatikgetriebe (3 Vorwärts-, 1 Rückwärtsgang) |
| Höchstgeschwindigkeit: | 50 km/h |
| Fahrbereich: | ca. 400 km |
| Länge: | 7,07 m |
| Breite: | 3,1 m |
| Höhe: | 2,87 m |
| Gefechtsgewicht: | ca. 25,5 t (mit Panzerabwehrminen-Munition) |
| Gewicht (ohne Munition/Bordausstattung): | ca. 21,2 t |
| Besatzung: | 3 |
| Kaliber: | 227/237 mm (abhängig von Munitionssorte) |
| Kampfbeladung: | 12 Raketen (2 × RPC mit je 6 Raketen) |
| Feuergeschwindigkeit: | 12 Raketen in 55 Sekunden |
| Kampfentfernung: | je nach Munitionstyp zwischen 10 und 90 km |
| Munition: | Minenrakete AT-2 (28 Hohlladungsminen AT-2, bis 38,5 km); GMLRS Unitary M31 (bis 90 km); Übungsrakete M28 (10–32 km) |
Nutzung bei der Bundeswehr und Einsatz
Die Artilleristen des Deutschen Heeres unterstützen mit ihrem weitreichenden Artilleriefeuer die Kampftruppe; die Panzerhaubitze 2000 und der Raketenwerfer MARS II sind ihre Hauptwaffensysteme. Seit der Einführung des MARS I im Jahr 1990 war das System das wichtigste Raketenartilleriesystem des Heeres.
Im Jahr 2012 wurde das Raketenartilleriebataillon 132 (RakArtBtl 132) in Sondershausen als erste Einheit mit MARS II ausgerüstet; die Einheit wurde jedoch nach einem Truppenschießen im März 2013 aufgelöst. Die drei schießenden Batterien wurden in das Artilleriebataillon 131, das Artillerielehrbataillon 325 und das Artillerielehrbataillon 345 eingegliedert, sodass die Anzahl von vier Raketenartilleriebatterien und diese Fähigkeit in der Bundeswehr weiterhin erhalten bleibt. Die schießenden Batterien in den Raketenartilleriebataillonen der Bundeswehr sind mit acht Werfern ausgerüstet. Das Artillerielehrbataillon 345 in Idar-Oberstein ist mit dem Raketenwerfer MARS II ausgestattet.
Da Deutschland keine menschenleeren Weiten bietet, verschossen Soldaten des Artilleriebataillons 131 aus Weiden ihren Raketenwerfer MARS II auf einem Testgelände in Vidsel in Nordschweden. Im Rahmen der multinationalen enhanced Forward Presence Battlegroup tragen die Artilleristen im Baltikum zur Abschreckung an der NATO-Ostflanke bei.
Drei Mehrfachraketenwerfer MARS II aus Beständen der Bundeswehr wurden im Juli 2022 für den Einsatz im Krieg in der Ukraine an die ukrainischen Streitkräfte geliefert; im September kündigte das deutsche Verteidigungsministerium die Lieferung weiterer zwei Mehrfachraketenwerfer MARS II an. Im Dezember 2024 genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestags die Beschaffung des Waffensystems Euro-PULS; die Bundeswehr beabsichtigt dabei, fünf an die Ukraine abgegebene Mehrfachraketenwerfer des Waffensystems MARS durch fünf Exemplare des Waffensystems PULS zu ersetzen.
Quellen (7)
Folgende Quellen wurden bei der Erstellung dieses Artikels verwendet:
- Bundeswehr: Ausrüstung und Technik: Der Raketenwerfer MARS II
- Bundeswehr: BAAINBw unterzeichnet weiteren Vertrag zur Umrüstung des Raketenwerfers MARS
- Bundeswehr: Raketenwerfer MARS II schießt in Schweden
- Bundeswehr: Im Feuerkampf mit Panzerhaubitzen und Raketenwerfern
- Bundeswehr: Die Artillerie des Deutschen Heeres
- Wikipedia: Multiple Launch Rocket System (MLRS)
- Wikipedia: Guided MLRS (GMLRS)
- Wikipedia: Raketenartilleriebataillon (Bundeswehr)
- Wikipedia: PULS (Mehrfachraketenwerfer)