Schützenpanzer Marder

Der Schützenpanzer Marder ist seit den 1970er-Jahren das Hauptwaffensystem der Panzergrenadiertruppe der Bundeswehr mit einer Stückzahl von zeitweise über 2.000 Fahrzeugen. Mit dem Schützenpanzer Marder 1 bekämpfen Panzergrenadiere auf- und abgesessen feindliche Infanterie und – mittels Panzerabwehrwaffen – auch Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge. Seit Anfang 2015 wird er schrittweise aus der Panzergrenadiertruppe herausgelöst und durch den moderneren Schützenpanzer Puma ersetzt.

Entwicklung und Geschichte

Das Projekt Marder entstand bereits im September 1959 während der anlaufenden Produktionsphase des HS 30. Ziel war es, einen zum Kampfpanzer Leopard 1 passenden Schützenpanzer zu entwickeln. Die Entwicklung lief von Januar 1960, als die ersten Entwicklungsverträge vergeben wurden, bis Mai 1971, als die ersten Serienfahrzeuge an die Bundeswehr übergeben wurden. Die Produktion lief bis 1975; insgesamt wurden 2.136 Fahrzeuge fertiggestellt. In den Jahren 1977 bis 1979 wurden alle Marder mit der Panzerabwehrwaffe MILAN ausgestattet, die auf- oder abgesessen eingesetzt werden konnte; aufgrund des Mitführens von vier Lenkflugkörpern sank die Absitzstärke auf sechs Mann.

Marder 1 A5 des Panzergrenadierbataillons 371 auf dem Truppenübungsplatz Bergen, 31.05.2015
Das Marienberger Panzergrenadierbataillon 371 fährt mit einem Marder 1 A5 im Rahmen der Übung Falcon Viking zusammen mit anderen Nationen der Eingreiftruppe VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) auf dem Truppenübungsplatz Bergen, am 31.05.2015. Bild: Bundeswehr/Wolfram Skupio
https://www.youtube.com/watch?v=wM1Ca2mGzgw&t=1s

Varianten und Kampfwertsteigerungen

Der Marder wurde im Laufe seiner Dienstzeit mehrmals kampfwertgesteigert. Die einzelnen Ausbaustufen brachten jeweils deutliche Verbesserungen in den Bereichen Bewaffnung, Schutz und Ergonomie.

Marder 1 A1 – 1. Kampfwertsteigerung (1979–1982)

Die Umrüstung umfasste den Einbau eines Doppelgurtzuführers für die Bordmaschinenkanone zum wahlweisen Verschießen von Sprengbrand- oder panzerbrechender Treibspiegelmunition. Eine weitere wesentliche Veränderung war der Einbau einer besseren passiven Optik mit einem Restlichtverstärker der ersten Generation. 674 Marder 1 wurden auf Version A1(+) gebracht; sie erhielten unter anderem einen Wärmeortungsempfänger, mit dem es möglich war, Gegner auf größere Entfernungen als bisher zu erkennen.

Marder 1 A2 – 2. Kampfwertsteigerung (1984–1989)

Von 1984 bis 1989 erfolgte eine erneute Kampfwertsteigerung, im Rahmen derer sich die Bezeichnung für alle Modelle der Marderfamilie zu Marder 1 änderte. Die umgerüsteten Fahrzeuge erhielten die Bezeichnung Marder 1A2. Nachrüstung eines Wärmebildgeräts (WBG) für den Richtschützen; die Hecklafette entfällt. Umrüstung von 1.462 Fahrzeugen.

Marder 1 A3 – 3. Kampfwertsteigerung (1989–1998)

Die gesamte Umrüstung erstreckte sich auf 2.097 Schützenpanzer. Wesentliche Änderungen im Überblick:

  • Wannenfront und hinteres Wannendach wurden gepanzert
  • Turm, Scheitellafette sowie Wärmebildgerät wurden ebenfalls gepanzert; die gesamte Zusatzpanzerung wurde schockgedämpft auf Gummielementen flächenbündig angebracht
  • Die Seiten wurden um zusätzliche Staukästen ergänzt, wodurch die Kugelblenden wegfielen
  • Das Turm-MG wurde auf die linke Seite verlegt
  • Geändertes Bedienkonzept für Munitionszuführung und -lagerung sowie Verbesserungen an Ergonomie, Bremsanlage und Laufwerk

Marder 1 A4

Einige Marder 1A3 wurden durch den Einbau des kryptofähigen SEM 93 als Führungspanzer für die Panzergrenadier-Bataillonskommandeure umgerüstet und erhielten die Bezeichnung Marder 1A4. Es gibt keine äußeren Unterschiede zum Marder 1A3.

Marder 1 A5 – 4. Kampfwertsteigerung (2002–2003)

Umrüstung von 74 Fahrzeugen mit dem Schwerpunkt auf verbessertem Minenschutz. Der Wannenboden wurde mit einer adaptiven Schutzplatte verschweißt und der gesamte Innenraum neu konfiguriert. Das ursprünglich am Fahrzeugboden befestigte Sitzgestell wurde an der Decke aufgehängt und mit Fußstützen ausgestattet, um die Besatzung bei einer Minendetonation vor den im Innenraum freiwerdenden Kräften sowie vor Sekundärsplitterwirkungen zu schützen.

Infolge der Gewichtszunahme auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 38,5 Tonnen erhielt der Marder 1 A5 ein modifiziertes Laufwerk, ein leistungsgesteigertes Bremssystem sowie eine breitere Gleiskette. Wegen der Ausphasung der Panzerabwehrlenkwaffe Milan F2 und der schleppenden Einführung des Pumas wurden die Marder 1A5 und 1A5A1 mit der Panzerabwehrwaffenanlage MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper System) ausgestattet.

https://www.youtube.com/watch?v=PHfUv03Yruc
Soldaten des Jägerbataillons 292 auf dem Truppenübungsplatz Altmark, 29.03.2017
Soldaten der 3. Kompanie des Jägerbataillons 292 der Deutsch-Französischen Brigade trainieren das Gefecht auf dem Truppenübungsplatz Altmark im Rahmen der Vorbereitung für den Einsatz bei Enhanced Forward Presence, am 29.03.2017. Bild: Bundeswehr/Jana Neumann

Nutzung bei der Bundeswehr und im Einsatz

Als eines der Hauptwaffensysteme der Panzergrenadiere hat der Marder sich vor allem bei Operationen der verbundenen Kräfte bewährt. Der Schützenpanzer Marder bewährte sich im Afghanistan-Einsatz ab 2010 erfolgreich in Kampfeinsätzen. Neben dem Einsatz als Gefechtsfahrzeug dient er in der Variante Marder 1A3 VB als Beobachtungsfahrzeug für den Vorgeschobenen Beobachter. Der Einbausatz enthält ein TZG 90 A1 (tragbares Zielortungsgerät), einen Feuerleitrechner Art/Mrs MRT 86 sowie zwei SEM 90 und ein SEM 80. Die Bundeswehr hatte Anfang 2023 etwa 370 Marder.

Um sich gegen Russland zu verteidigen, wurden der Ukraine 14 Kampfpanzer Leopard 2 A6 und bis zu 40 Schützenpanzer Marder 1 A3 überlassen. Seit Oktober 2022 erhält Griechenland 40 modernisierte Marder 1A3 im Rahmen eines Ringtausches, bei dem Griechenland 40 seiner aus sowjetischer Produktion stammenden BMP-1 an die Ukraine weitergibt.

Technische Daten

Motorleistung:441 kW / 600 PS
Höchstgeschwindigkeit:65 km/h
Fahrbereich:460 km
Besatzung:3 + 6 (1 Kommandant, 1 Richtschütze, 1 Fahrer, 6 Panzergrenadiere)
Bewaffnung:Maschinenkanone 20 mm (MK 20 Rh 202), Maschinengewehr MG3 (7,62 mm), Panzerabwehrwaffe MILAN / MELLS
Maße:6.880 mm (Länge) / 3.380 mm (Breite) / 3.225 mm (Höhe)
Gefechtsgewicht:38,5 t (Marder 1A5)
Gleiskette (1A3):450 mm breit, 91 Glieder
Quellen (6)
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