Der Puma ist ein Schützenpanzer mit einem fernbedienbaren und besatzungslosen Turm, der in seiner Grundausstattung mit dem taktischen Lufttransportfahrzeug der Bundeswehr, dem Airbus A400M, luftverladbar ist. Die Firma Projekt System & Management GmbH, ein Joint-Venture der Rheinmetall AG und der Krauss-Maffei Wegmann GmbH, stellt den neuen Schützenpanzer der Bundeswehr her. Als Nachfolger des Schützenpanzers Marder ist der Puma das modernste Kettenfahrzeug der Panzergrenadiertruppe des deutschen Heeres.

Entwicklung und Geschichte
Die Ursprünge des Puma reichen bis in das Jahr 1996 zurück. Er basiert auf dem Projekt Neue Gepanzerte Plattform (NGP), das eine Universalplattform für verschiedene Waffensysteme vorsah. Die Planung für den Puma als Nachfolger des Marder begann im Jahr 2002.
Im Dezember 2004 unterschrieb das BWB einen Vertrag zur Lieferung von fünf vorgezogenen Vorserienfahrzeugen mit einer Option für 405 weitere Schützenpanzer. Die Vorserienfahrzeuge wurden planmäßig im Jahr 2006 geliefert. Sie wurden genutzt, um an den Wehrtechnischen Dienststellen des BWB die Tauglichkeit des Systems nachzuweisen sowie Schwachstellen aufzudecken. Im Sachstandsbericht vom Mai 2009 wurden Probleme mit dem Antriebsstrang und dem Laufwerk gemeldet. Trotz erheblicher Bedenken des Bundesrechnungshofes genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestages die Bestellung der Schützenpanzer und der Vertrag wurde Anfang Juli 2009 unterschrieben. Insgesamt wurden 405 Stück zu einem Gesamtpreis von 3,1 Milliarden Euro bestellt.
Am 11. Juli 2012 wurde ein Änderungsvertrag zwischen Herstellern und dem BMVg geschlossen, der eine Reduzierung der Stückzahl auf 350 vorsieht. Am 6. Dezember 2010 wurden die ersten beiden Serienfahrzeuge des Puma an das zuständige Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung zur Nachweisführung übergeben. Am 13. April 2015 wurde durch den Inspekteur des Heeres die formale Übernahme des Schützenpanzers erklärt, worauf am 17. April 2015 durch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr die „Genehmigung zu Nutzung“ erteilt wurde.
Im Juni 2019 wurde durch das BMVg die Beschaffung eines zweiten Bauloses mit 210 Fahrzeugen bekanntgegeben. Bei einem Manöver im Dezember 2022 war allerdings nach einigen Tagen wegen aufgetretener Defekte u. a. in Turm und Elektrik keiner der 18 eingesetzten Pumas mehr einsatzbereit. Am 10. Mai 2023 genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestags die Bestellung des 2. Loses von 50 Puma und der entsprechende Vertrag wurde zwei Tage später unterzeichnet. „Für die Herstellung der vollständigen Einsatzreife der 350 Schützenpanzer Puma sind derzeit 5,989 Milliarden Euro eingeplant“, teilte das Verteidigungsministerium mit.
Technik
Durch die stabilisierte Waffenanlage kann der Schützenpanzer Puma wie der Kampfpanzer Leopard 2, mit dem er zusammenwirken soll, auch aus der Bewegung heraus treffsicher feuern. Den Puma zeichnen vor allem Beweglichkeit, Feuerkraft und der Schutz seiner Besatzung aus. Im Gegensatz zum Vorgängermodell, dem Schützenpanzer Marder, ist der Puma ein Hightechfahrzeug voller Elektronik. Die wesentlichen technischen Bereiche umfassen Bewaffnung, Schutz, Antrieb sowie Führungs- und Aufklärungssysteme.
Bewaffnung
Mit der 30-mm-Maschinenkanone MK 30-2/ABM des Puma kann temperierbare Air-Burst-Munition verschossen werden. Die Programmierung des Zünders der Munition erfolgt beim Schuss, wenn das Geschoss die Mündungsbremse mit Messbasis passiert. Als Sekundärwaffe ist der Schützenpanzer Puma mit der Einbauwaffe Maschinengewehr MG4A1 im Kaliber 5,56 × 45 mm bestückt. Die Waffe ist in eine Lafette vorne rechts an der Rohrabstützung der Maschinenkanone eingebaut und wird achsparallel gerichtet.
Zur Panzer- und Hubschrauberabwehr wird der Puma im deutschen Heer mit dem Lenkflugkörper Spike-LR des deutsch-israelischen Rüstungskonsortiums EuroSpike GmbH ausgerüstet. Als Startgerät dient die Waffenanlage MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System) aus dem Beschaffungsvorhaben für die Infanterie. Diese wird seitlich am Turm adaptiert und bietet Platz für zwei Lenkflugkörper. Der Gefechtskopf mit der Tandemhohlladung hat eine Kampfentfernung von vier Kilometern und kann bis zum Einschlag in das Ziel nachgelenkt werden.
Schutz
In der kleinsten Konfigurationsstufe A wiegt der Schützenpanzer nur noch 31,4 Tonnen und kann somit mit dem Transportflugzeug Airbus A400M transportiert werden. Für den Schutz der Besatzung sorgt unter anderem die als Reaktivschutz ausgelegte, adaptierbare Panzerung. Sie kann abgenommen werden, um das Fahrzeug für den Lufttransport und andere Transportträger vorzubereiten. Am Heck wird der ballistische Grundschutz der aus Panzerstahl bestehenden Wanne durch eine Käfigpanzerung zusätzlich verstärkt. Sie bietet effektiven Schutz vor Hohlladungsgeschossen von Panzerabwehrhandwaffen. Der um 360° schwenkbare IR-Jammer ist Bestandteil des Multifunktionalen Selbstschutzsystems (MUSS) und stört bei anfliegenden Panzerabwehrlenkflugkörpern die im Infrarotbereich arbeitenden Zielsuchköpfe. Links und rechts am Turmheck befindet sich je eine richtbare Nebelmittelwurfanlage zum Ausstoß von Nebelkörpern, die sekundenschnell eine multispektrale Nebelwand produzieren und so die Steuerung anfliegender Lenkflugkörper irritieren.
Antrieb
Aus seinem Hubraum von „nur“ 11 Litern erzeugt das Triebwerk satte 1.088 PS. Im Vergleich: Der Schützenpanzer Marder stemmt aus 22 Litern 600 PS und der Kampfpanzer Leopard 2 aus 47,6 Litern Hubraum stattliche 1.500 PS Motorleistung. Die Kette iDLT 464 E wurde speziell für den Puma konstruiert. Zusammen mit den anderen Laufwerkkomponenten wird eine optimale Funktion gewährleistet. Die Laufpolster sind durch das herstellerpatentierte Quick-Fit-System schnell und leicht zu wechseln.
Führungs- und Aufklärungssysteme
Zwei voneinander unabhängige Optiken, ein Wärmebildgerät und die Informationssysteme FüInfoSys Heer und Gladius erlauben dem Kommandanten, sich jederzeit im Gelände zu orientieren. Die Funkverbindungen sind digital und IP-basiert. Via Satellit werden nicht nur Sprach-, sondern auch alle anderen Informationen für ein digitales Lagebild übermittelt. Integrierte Führungssysteme sorgen dafür, dass Kommandantin oder Kommandant des Panzers auch mit den abgesessen kämpfenden Panzergrenadieren vernetzt ist und Informationen austauschen kann.
Technische Daten
| Hersteller: | Projekt System & Management GmbH (PSM) – Joint-Venture von Rheinmetall AG und Krauss-Maffei Wegmann GmbH |
| Motorleistung: | 800 kW / 1.088 PS |
| Geschwindigkeit: | 70 km/h |
| Fahrbereich: | 460 km |
| Besatzung: | 3 + 6 (Kommandant, Richtschütze, Fahrer + 6 Panzergrenadiere) |
| Bewaffnung: | Maschinenkanone MK 30-2/ABM, 30 mm (mit Air-Burst-Munition) Maschinengewehr MG4A1, 5,56 × 45 mm Panzerabwehrsystem MELLS (Spike-LR) – ab Variante VJTF |
| Gefechtsgewicht (Stufe C): | 43 t |
| Gewicht (Stufe A / luftverladebereit): | 31,4 t |
| Luftverladbarkeit: | Airbus A400M (in Konfigurationsstufe A) |
Varianten und Konstruktionsstände
Aufbauend auf der ersten Version S0 über die Variante VJTF bis hin zum jetzigen Konstruktionsstand S1 wurde der Schützenpanzer Puma stets weiter verbessert. Die drei wesentlichen Konstruktionsstände unterscheiden sich insbesondere in Ausstattung, Schutz und digitaler Vernetzung.
S0 (Grundversion)
Der Konstruktionsstand S0 beschreibt die ursprüngliche Version des Schützenpanzers. „Zwar ist der Schützenpanzer Puma in dem einen Konstruktionsstand, in dem wir ihn jetzt übernehmen, noch nicht voll einsatztauglich – das wissen wir alle – aber auch wenn er die volle Einsatzreife noch nicht erreicht hat, so sind wir doch in der Lage, unsere Besatzungen an diesem einzigartigen Schützenpanzer auszubilden“, so der damals zuständige General während der Übergabe 2015.
VJTF-Variante
Die sogenannte VJTF-Variante, entwickelt für die Schnelle Eingreiftruppe der NATO (Very High Readiness Joint Task Force), war die logische Weiterentwicklung des S0. Für die VJTF wurde der Puma zur Panzerabwehr mit dem Lenkflugkörpersystem MELLS, digitalen Führungsmitteln sowie verbesserten Sichtmitteln ausgestattet. Unter hohem Druck konnte das System Panzergrenadier mit dem Puma VJTF signifikant modifiziert werden. Die Taktische Gefechtstauglichkeit ist festgestellt – eine wesentliche Voraussetzung für die Entscheidung zum Einsatz des System Panzergrenadier VJTF 2023 im Rahmen der NRF 2022 bis 2024. Insgesamt sollen 266 SPz Puma aus einem Bestand von knapp 350 SPz Puma auf Stand VJTF gebracht werden, um eine komplette Heeresdivision (5 Panzergrenadier-Bataillone) inklusive Fahrschul-Fahrzeuge ausstatten zu können.
S1 (aktueller Konstruktionsstand)
Der Puma S1 basiert auf der Variante VJTF, verfügt jedoch über weitere Verbesserungen und soll nun flächendeckend für alle Panzergrenadierverbände und die Ausbildungseinrichtungen ausgeliefert werden. Die Fähigkeit der Optiken, auch am Tag ein Wärmebild zu erstellen, ist derzeit einzigartig. Bis jetzt sind fünf Panzergrenadierverbände mit Schützenpanzern in verschiedenen Konstruktionsständen ausgestattet. Mittels Nachrüstung und Modernisierung soll der weiter verbesserte Konstruktionsstand einheitlich erreicht werden.
Nutzung bei der Bundeswehr
Der Schützenpanzer Puma ist seit 2015 im Heer und löst schrittweise den Schützenpanzer Marder ab. Den Anfang machte das Ausbildungszentrum Munster, an das die ersten zwanzig nagelneuen Schützenpanzer ausgeliefert wurden. Am dortigen Standort wurde dafür heeresweit die Einführungsorganisation (EFO Puma) ins Leben gerufen.
Das Panzergrenadierlehrbataillon 92 war als erster deutscher Kampfverband mit Schützenpanzern Puma in einem Auslandseinsatz. Nach erfolgreicher Teilnahme an der Mission enhanced Vigilance Activities (eVA) der NATO in der Slowakei wurden die Soldatinnen und Soldaten in Munster mit einem feierlichen Appell begrüßt. Die 3. Kompanie war nicht nur die letzte Einheit der Bundeswehr, die vom Schützenpanzer Marder auf den Schützenpanzer Puma wechselte, sondern auch die erste, die den Schützenpanzer Puma mit in einen Auslandseinsatz genommen hat. Am 15. Januar 2024 erfolgte in der Slowakei der erste scharfe Schuss des Schützenpanzers Puma im Ausland.
Der Schützenpanzer Puma hat sich im Einsatz hervorragend bewährt. Er war Hauptträger des Gefechtes und gepanzertes Rückgrat der gesamten multinationalen Battlegroup. Die Truppe und das Amt für Heeresentwicklung haben zudem in einem groß angelegten Experiment geprüft, ob und wie der Schützenpanzer Puma im Transportflugzeug A400M transportiert werden kann. Die modulare Panzerung ermöglicht es, das Gewicht sowie die Außenmaße des Panzers an den A400M anzupassen.
Die Technik des Puma im Video
Die Serienfertigung des Puma läuft seit 2009. Von der dreidimensionalen CAD-Darstellung bis zur Erprobung der Vorserienfahrzeuge gemeinsam mit der Bundeswehr vergingen rund sechseinhalb Jahre.
Quellen
- Bundeswehr – Ausrüstung und Technik: Der Schützenpanzer Puma: https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/landsysteme-bundeswehr/schuetzenpanzer-puma
- Bundeswehr – Schützenpanzer Puma: Technischer Quantensprung im Gefecht: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/aktuelles/schuetzenpanzer-puma-technischer-quantensprung-5037928
- Bundeswehr – Schützenpanzer Puma VJTF: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/aktuelles/vjtf-puma
- Bundeswehr – Schützenpanzer Puma S1: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/aktuelles/neuer-puma-revier-5820268
- Bundeswehr – Schützenpanzer Puma im Angriff: https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/schuetzenpanzer-puma-im-angriff-5579452
- Bundeswehr – Einsatz in der Slowakei mit dem Schützenpanzer Puma erfolgreich beendet: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/aktuelles/einsatz-slowakei-beendet-5836006
- Bundeswehr – Der Schützenpanzer Puma zeigt, was er kann: https://www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/schuetzenpanzer-puma-zeigt-was-er-kann-5729730
- Bundeswehr – Schützenpanzer Puma fliegt im Transportflugzeug A400M: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/aktuelles/schuetzenpanzer-transport-a400m-5960378
- Bundeswehr – Panzerabwehrsystem MELLS: https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/ausruestung-bewaffnung/panzerabwehrsystem-mells
- Wikipedia – Puma (Schützenpanzer): https://de.wikipedia.org/wiki/Puma_(Sch%C3%BCtzenpanzer)